Coronavirus

USA mit Höchstand an Neuinfektionen seit Krisenpeak

US-Präsident Donald Trump hat einmal mehr seinen eigenwilligen Zugang zum Thema Coronavirus demonstriert: „Wenn wir nicht testen würden, hätten wir keine Fälle“, sagte Trump in einem am Donnerstagabend (Ortszeit) ausgestrahlten Interview des Senders Fox News. Die Neuinfektionsraten sind derzeit dramatisch hoch. Unter anderem bremst deswegen das stark betroffenen Texas  weitere Lockerungsmaßnahmen.

red/Agenturen

Die USA hätten bisher rund 30 Millionen Menschen auf das Virus getestet, mehr als jedes andere Land der Welt. Trumps Einschätzung zufolge geht darauf die hohe Zahl der nachgewiesenen Infektionen in den USA zurück.

Die meisten Experten lehnen Trumps Erklärung ab, wonach die Zunahme der Infektionen vor allem auf eine Zunahme von Tests zurückzuführen sein soll. Sie machen in erster Linie die von Trump vorangetriebene Lockerung von Corona-Beschränkungen in den Bundesstaaten verantwortlich.

Nach Daten der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore haben die USA zuletzt rund 35.000 neue Infektionen pro Tag verzeichnet - annähernd so viele wie am Höhepunkt der Krise im April. Danach hatte die Zahl abgenommen, bevor sie in diesem Monat wieder in die Höhe schoss. Inzwischen verzeichnen rund die Hälfte der US-Staaten eine Zunahme von Fällen.

Texas preschte vor und bremst nun

Trump wirbt trotzdem für eine rasche Wiedereröffnung der Wirtschaft. Er will - auch mit Blick auf die Wahl im November - möglichst schnell zur Normalität zurückkehren. Seiner Darstellung zufolge ist das Coronavirus dabei, nach und nach aus den USA zu verschwinden. Die Daten stützen das nicht. Der republikanische Gouverneur von Texas, Greg Abbott, kündigte erst am Donnerstag an, die Schritte zur Wiedereröffnung des Bundesstaats würden wegen der dramatisch steigenden Fallzahlen ausgesetzt. Bisherige Lockerungen würden aber nicht rückgängig gemacht.

„Während wir eine Zunahme von Covid-19-Fällen und Krankenhauseinlieferungen erleben, konzentrieren wir uns auf Strategien, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und gleichzeitig Texanern zu erlauben, Geld für ihre Familien zu verdienen“, erklärte der Politiker der Republikanischen Partei von Präsident Donald Trump. „Geschäfte wieder zu schließen ist das Letzte, was wir als Bundesstaat wollen.“

Die derzeitige Pause bei den Corona-Lockerungen werde helfen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, erklärte Abbott. Der Gouverneur rief die Bevölkerung auf, Schutzmasken zu tragen, sich regelmäßig die Hände zu waschen und Abstandsregeln einzuhalten.

Texas und eine Reihe weiterer US-Bundesstaaten erleben derzeit die höchste Zahl neuer Coronavirus-Infektionen seit Beginn der Krise. Texas war auch einer jener Staaten, die Anfang Juni bei der Lockerung der Corona-Beschränkungen vorgeprescht waren. Experten hatten vor einer zu schnellen Rückkehr zur Normalität gewarnt.

In den USA wurden bereits knapp 2,4 Millionen Coronavirus-Infektionen und mehr als 122.000 Tote registriert. Das sind die mit Abstand höchsten Zahlen weltweit. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Schätzung der US-Gesundheitsbehörde CDC könnte die tatsächliche Infektionszahl aber zehn Mal höher liegen. Demnach steckten sich seit Beginn der Krise schon fünf bis acht Prozent der Bevölkerung mit dem Virus an. Bei 329,8 Millionen US-Einwohnern bedeutet das, dass zwischen 16,5 und 26,4 Millionen Menschen in den vergangenen Monaten mit dem Virus infiziert wurden. Die Schätzung basiert auf Antikörper-Tests.

Donald Trump
„Wir werden nie wieder einen Lockdown machen“, konstatierte Trump kürzlich bei einem Wahlkampfauftritt in Tampa, Florida.
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