USA widerruft Ausnahmegenehmigung für Hydroxychloroquin

US-Präsident Donald Trump hat im Kampf gegen das Coronavirus wochenlang für das Malaria-Medikament Hydroxychloroquin geworben. Doch jetzt hat die zuständige Behörde ihren Daumen gesenkt: Am Montag widerrief die Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde (FDA) ihre Ausnahmegenehmigung für das Medikament zur Behandlung von Covid-19-Erkrankungen. Eine Prognose sagt 200.000 Tote bis Oktober vorher.

red/Agenturen

Es sei angesichts der bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse „unwahrscheinlich“, dass Hydroxychloroquin bei der Behandlung der Lungenerkrankung wirksam sei, erklärte die FDA. Zudem habe der Einsatz des Medikaments „ernsthafte“ Nebenwirkungen, darunter Herzprobleme, weswegen die Ausnahmegenehmigung widerrufen werde, hieß es. Mehrere Studien hatten zuvor die Nebenwirkungen dokumentiert, jedoch keine signifikanten Hinweise auf eine Wirksamkeit des Medikaments gefunden. Die Daten zeigten, dass die Sterblichkeitsrate und die Länge von Krankenhausaufenthalten beim Einsatz von Hydroxychloroquin nicht zurückgegangen seien, erklärte die FDA.

Trump hatte vor allem im März und im April intensiv für Hydroxychloroquin als wichtiges Mittel im Kampf gegen das Coronavirus geworben, es einmal sogar als „Geschenk Gottes“ bezeichnet. Es könne einer der größten Durchbrüche der Medizingeschichte werden, schwärmte er. Trump hatte das Medikament nach Angaben seines Arztes im Mai auch selbst zwei Wochen lang als Coronavirus-Prophylaxe eingenommen - obwohl es keine schlüssigen Beweise für eine solche Wirksamkeit gibt. „Ich denke, es gibt einem ein zusätzliches Maß an Sicherheit“, sagte Trump Ende Mai zur Begründung. Hydroxychloroquin sei ein erprobtes und seit Langem zugelassenes Medikament, erklärte er.

Die reguläre Zulassung des Medikaments für Malaria und zur Behandlung bestimmter Autoimmunkrankheiten ist vom Widerruf der Ausnahmegenehmigung für Covid-Behandlungen nicht betroffen.

Es gibt bisherkeine Impfung oder Prophylaxe gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 und keine nachweislich effektive Behandlung von Covid-19. Das ursprünglich für Ebola entwickelte Medikament Remdesivir hat in einer größeren Studie zumindest die durchschnittliche Krankheitsdauer verringert. Das Medikament hat daher eine Ausnahmegenehmigung zur Behandlung von Covid-19 in Krankenhäusern in den USA erhalten.

Tests: Trump twittert über „zweischneidiges Schwert“ 

Unterdessen muss sich das Land nach Einschätzung von Wissenschaftlern bis zum Herbst auf Zehntausende weitere Tote einstellen. Die Forscher des Instituts IHME der Universität Washington in Seattle gehen in ihrer Projektion inzwischen davon aus, dass die USA bis zum 1. Oktober die Zahl von 200.000 Toten übersteigen könnten.

Erst am 27. Mai hatten die USA nach Daten der Johns-Hopkins-Universität die Marke von 100.000 Toten infolge einer Infektion mit dem Coronavirus überschritten.

Damals waren die IHME-Wissenschaftler von 132.000 Toten in den USA bis Anfang August ausgegangen. Inzwischen rechnen sie bis zu diesem Zeitpunkt mit mehr als 147.000 Toten. Die Weiße Haus hat das IHME-Modell mehrfach für seine eigenen Prognosen herangezogen. Die Wissenschaftler der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore verzeichneten am Montagabend (Ortszeit) mehr als 116.000 Tote in den USA - bei mehr als 2,1 Millionen nachgewiesenen Infektionen. Die USA liegen mit beiden Werten weltweit an der Spitze.

Diese Zahlen sind allerdings auch wegen der Größe der Vereinigten Staaten mit ihren rund 330 Millionen Einwohnern nur schwierig mit anderen Ländern vergleichbar. Relativ zur Einwohnerzahl ist die Zahl der Toten durch das Virus in mehreren europäischen Ländern höher. In den vergangenen Tagen registrierten die USA täglich rund 20.000 neue Infektionen, teils auch deutlich mehr.

Momentan gibt es laut Daten der Universität Johns Hopkins inzwischen 2,1 Millionen bekannte Coronavirus-Infektionen und rund 115.000 Todesfälle. Die Fallzahlen stiegen in vielen Bundesstaaten zuletzt wieder deutlich an. Trump wirbt trotzdem immer wieder für eine Wiederöffnung der Wirtschaft und eine Rückkehr zur Normalität.

In mehreren US-Staaten steigen die Fallzahlen seit der von Trump vorangetriebenen Öffnung der Wirtschaft allerdings wieder an. In anderen US-Staaten sinken sie dagegen. Trump führte gestiegene Fallzahlen am Montag erneut auf die Zunahme von Tests zurück. Der Präsident argumentierte auf Twitter: „Ohne Tests, oder mit schwachen Tests, würden wir fast keine Fälle aufweisen. Tests sind ein zweischneidiges Schwert - lässt uns schlecht aussehen, aber gut zu haben!!!"

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In den USA breitet sich das neuartige Virus seit einigen Wochen wieder verstärkt aus. Betroffen sind vor allem Bundesstaaten im Süden und Westen.
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