Deutschland

Viel Lob für Impf-Appell von Olaf Scholz in TV-Show

Ein eindringlicher Impf-Appell zur besten Sendezeit: Der Überraschungsauftritt des designierten Kanzlers Olaf Scholz (SPD) bei den Entertainern Joko und Klaas ist auf viel Echo gestoßen. Fast zwei Millionen Menschen haben am Mittwochabend die ProSieben-Sendung „Joko und Klaas 15 Minuten live: Wir müssen über Corona reden“ im Fernsehen verfolgt. Der Clip dazu im Netz wurde bis Donnerstag, 13.00 Uhr, auf diversen Plattformen rund drei Millionen Mal geklickt.

red/Agenturen

Der Virchowbund, Verband der niedergelassenen Ärzte, lobte die Aktion. „Die gestrige Sendung hat alles richtig gemacht. Jede Impfung, die wir als Resultat dieses Spots erreichen, hilft uns weiter“, erläuterte ein Sprecher am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Kommunikation ist das größte Problem in der Pandemie. Gemeinsam mit der Bundesärztekammer haben wir als Verband der niedergelassenen Ärzte erst vor Kurzem – zum wiederholten Mal – laienverständliche, mehrsprachige Informationen über die (Auffrischungs-)Impfung in TV und anderen Medien gefordert.“

Sendung ein „gelungener Beitrag“

Auch der Ärzteverband Hartmannbund begrüßte die Aktion: „Es ist mit Blick auf die weitere Forcierung der Impfkampagne ganz sicher einer der Schlüssel zum Erfolg, unterschiedliche Zielgruppen über jeweils angemessene und „angesagte“ Formate und mit den jeweils passenden Botschaften zu erreichen“, so die Vizevorsitzende Prof. Dr. Anke Lesinski-Schiedat. Die Sendung sei „ein gelungener Beitrag“ gewesen.

Scholz hatte in der Sendung an die Bürgerinnen und Bürger appelliert, sich impfen zu lassen. Vor ihm waren eine 23-Jährige mit Long-Covid-Erkrankung und ein Oberarzt der Intensivstation der Charité aufgetreten und hatten ihre Erlebnisse geschildert. „Mir ist wichtig, dass jede und jeder, der kann, sich impfen lässt. Nur das hilft“, sagte Scholz. Er saß auf einer Bühne allein auf einem Stuhl und sprach mit direktem Blick in die Kamera, seine Stimmlage war ruhig, langsam und eindringlich.

Vor allem junges Publikum angesprochen

Joko und Klaas haben viele Schüler und Studenten unter ihren Fans. Der Politiker nutzte das Millionenpublikum auch gezielt, um junge Menschen anzusprechen. „Es ist mir bewusst, dass Abstand halten und jung sein nur sehr schlecht zusammenpassen. Dass viele unter Einsamkeit leiden. Dass damit Schluss sein müsste, dass es wieder losgehen müsste - das Leben, die Unbeschwertheit. Niemandem geht es einfach nur gut in diesen Zeiten. Mir nicht, Ihnen und Euch nicht.“ Jeder könne und solle sich impfen lassen. „Ich möchte, dass wir bis Weihnachten bis zu 30 Millionen Impfungen in die Oberarme kriegen.“

Als Erste hatte die 23 Jahre alte Luisa die Bühne betreten. Sie sei mit 21 bei einem Praktikum in Spanien an Corona erkrankt und leide bis heute an den Nachwirkungen. „Ich hab vorher sehr viel Sport gemacht und mich sehr gut ernährt. Und ich dachte ehrlich nicht, dass mich etwas so aus der Bahn werfen würde und dass ich bis heute - anderthalb Jahre später - immer noch dran bin mit Therapien und nicht so gut stehen kann. Es fällt mir sehr schwer.“ Luisa hat 38 Tage auf der Intensivstation gelegen. Sie sei ins künstliche Koma versetzt und künstlich beatmet worden. Nach Erwachen aus dem Koma habe sie neu laufen gelernt, sei auf Rollstuhl und Rollator angewiesen gewesen. Sie mache sich Sorgen darüber, wie sehr Corona das Land spalte.

„Die Impfung ist sicher“

Oberarzt Daniel Zickler von der Corona-Intensivstation der Charité schilderte im Anschluss, was für schreckliche Schicksale er erlebt habe. Eine coronakranke Schwangere habe erst ihr Kind verloren und sei dann selbst gestorben. Die Mediziner bräuchten die Hilfe der Bevölkerung: „Die Impfung ist sicher“, betonte der Arzt. „Sie ist sieben Milliarden Mal verimpft worden. Alle ernstzunehmenden Experten sind sich einig: Diese Impfung ist sicher und gut.“

In „Joko und Klaas 15 Minuten live“ dürfen Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf Sendezeit nach Belieben gestalten, dabei nutzen sie die 15 Minuten oft für Reizthemen, machen an anderen Tagen aber einfach nur Blödsinn. Die Sendezeit erspielen sie sich zuvor in einer Gameshow. „Wir hätten es als grob fahrlässig empfunden, die Zeit, die wir hier zur Verfügung haben, diesem Thema nicht zu schenken“, hieß es.

 

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