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Viele Spitäler kommen an Auslastungsgrenze

Die Belegung von Intensivbetten mit Corona-Patienten in der Steiermark ist auf dem „Höchststand dieser Welle“. Das sagte Sprecher Reinhard Marczik. Die Innsbrucker Klinik und das KH Hall stoßen ebenfalls an ihre Grenzen. Am Dienstag habe man das Ende des planbaren Betriebs erreicht, warnte der Sprecher der tirol Kliniken. In Oberösterreich werden zur Entlastung der Akut-Spitäler zusätzliche Betten bereitgestellt.

red/Agenturen

In der Steiermark war es zwar über das Wochenende zu einem starken Rückgang gekommen, aber mittlerweile sei man schon fast wieder ganz oben. Die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) verzeichnete Dienstagfrüh 76 Intensivpatienten, am Montag waren es 71 gewesen, so Sprecher Reinhard Marczik. Hinzu kommen vereinzelte belegte Intensivbetten in nicht KAGes-Spitälern. Ein dauerhaftes Abfallen der Kurve bei den Intensivpatienten sei nicht absehbar. Der starke Rückgang vom Wochenende sei nur von kurzer Dauer gewesen. Besonders prekär sei die Lage in der Oststeiermark: Da sind alle Intensivbetten belegt. Die Notfallversorgung jeglicher Art sei dort bereits seit der Vorwoche „kritisch“.

Speziell die Krankenhäuser in Feldbach, Fürstenfeld und Hartberg sind an der Kapazitätsgrenze angelangt. Kommt dort ein Notfall herein, müsse bereits nach anderen Standorten gesucht werden. Nicht viel besser sei die Lage in Weiz, wo nur eine sehr kleine Intensivstation vorhanden ist. Doch auch in den übrigen steirischen Regionen sei kaum noch Spielraum. Überall seien nur noch vereinzelte Intensivbetten frei, sagte der Sprecher.

OPs ausgesetzt

Bereits seit Wochen sind elektive Operationen ausgesetzt. Damit ist eine „leichte Triage“ praktisch überall schon in Anwendung. Eine „harte Triage“, bei der beispielsweise zwischen zwei Notfallpatienten entschieden werden muss, wer operiert werden kann und wer nicht, sei glücklicherweise noch nicht nötig gewesen. Diese Fälle konnten bisher aber auch nur durch viele Telefonate mit anderen Spitälern und der Suche nach den letzten freien Betten verhindert werden, schilderte Marczik.

Eine große Unbekannte sei laut dem Sprecher noch die Omikron-Variante des Coronavirus. Die Variante sei in der Planung für die Spitäler ein „Unsicherheitsfaktor“, doch zunächst gelte es, die wissenschaftlichen Daten über die Mutation abzuwarten. Aus dem Büro von Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) hieß es übrigens Dienstagvormittag, dass in der Grünen Mark bisher kein Omikron-Verdachtsfall vorliegt.

110 Intensivpatienten in Niederösterreichs Kliniken

In den niederösterreichischen Landeskliniken sind am Dienstag wie schon am Vortag 110 Corona-Patienten auf Intensivstationen behandelt worden. Von den 334 vorhandenen Intensivbetten waren nach Angaben der Landesgesundheitsagentur (LGA) 74 frei. In den Krankenhäusern im Bundesland wurden insgesamt 582 Corona-Patienten verzeichnet. 472 befanden sich demnach auf Normalstationen.

Bisher gab es in Österreich 1.159.995 positive Testergebnisse. Mit heutigem Stand (30. November, 9:30 Uhr) sind österreichweit 12.492 Personen an den Folgen des Corona-Virus verstorben und 1.007.909 wieder genesen. Derzeit befinden sich 3.458 Personen aufgrund des Corona-Virus in krankenhäuslicher Behandlung. Davon werden 642 auf Intensivstationen betreut.

Intensivstationen in Innsbruck und Hall stoßen an Grenzen

Die Innsbrucker Klinik und das KH Hall stoßen an ihre Grenzen. Am Dienstag habe man das Ende des planbaren Betriebs erreicht, warnte der Sprecher der tirol Kliniken im APA-Gespräch. Das sei "noch keine Katastrophe", Leistungseinschränkungen würden aber jetzt drastisch zunehmen. Auch aus Osttirol sind die Covid-Intensivstationen voll ausgelastet. LR Annette Leja (ÖVP) zeigte sich am Dienstag indes "überzeugt, dass wir gut durch diese vierte Welle kommen werden".

Am Montag habe man die Stufe sieben von sieben auf der internen Skala erreicht, berichtete Kliniksprecher Johannes Schwamberger. Am Dienstag sei diese "aufgefüllt" worden. 38 Covid-Patienten benötigten in Innsbruck mit Stand Dienstagfrüh intensivmedizinische Betreuung. Das ist ein Höchstwert - mehr waren es noch nie. Die Klinik wie auch das Krankenhaus Hall mit sechs Intensivpatienten gehen damit endgültig in den Krisenmodus, berichtete der ORF Tirol. Tirolweit waren 66 Covid-Patienten auf einer Intensivstation, um vier mehr als am Vortag. Der bisherige Höchstwert in Tirol wurde vergangenen Dezember mit 81 Corona-Intensivpatienten erreicht.

 Bisher sei der Ablauf „völlig planbar“ gewesen, nun müsse man sich laufend um weitere Intensivmöglichkeiten umschauen, erklärte Schwamberger. Für Dienstag konnte man vier weitere Intensivbetten aktivieren. Sollte die Zahl der schwerst an Covid-19 Erkrankten weiter steigen, würden vermehrt Aufwachräume zu Intensivstationen umfunktioniert. „Jede Maßnahme geht natürlich auf Kosten von Nicht-Covid-Patienten“, betonte Schwamberger. Die Versorgung der Bevölkerung könne - abgesehen von Notfällen - nicht mehr sichergestellt werden.

 Ab sofort könne für Patienten abseits von Notfällen keine Garantie mehr für eine Behandlung gegeben werden: „Wer auf eine Operation wartet, etwa eine Knie- oder Hüft-OP, der muss warten. Wir haben keine Betten mehr für eine Nachversorgung“, warnte Schwamberger. Auch das ohnehin schon über die Maßen belastete Pflegepersonal sei darüber informiert, es werde im Falle noch mehr Patienten betreuen müssen, berichtete Schwamberger. „Der Knackpunkt ist das Personal“, sagte er. Der Personalstand bleibe ja gleich, das mache die Situation „nicht gerade einfacher“.

Zusätzliche Betten in OÖ zur Entlastung der Akut-Spitäler

Auch wenn die Zahl der Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden in Oberösterreich im Vergleich zu vergangenen Tagen (teilweise über 4.000) mit 1.754 am Dienstag deutlich niedriger lag, bleibt die Situation in den Spitälern hier ebenfalls angespannt. Zu deren Entlastung hat das Land zusätzliche Betten bereitgestellt. Seit Anfang der Woche stehen 30 Betten in der Rehaklinik Enns für Covid-19-Patienten zu Verfügung, am 1. Dezember kommen in der Sonderkrankenanstalt Sierning 38 weitere hinzu.

In diesen sogenannten Medizinischen Versorgungseinrichtungen werden leicht bis mittelschwer an Corona erkrankte Patienten stationär betreut, die nicht daheimbleiben können, aber auch keine medizinische Versorgung in einem Krankenhaus benötigen. Bereits im Spätherbst 2020 hatte das Land diese Versorgungseinrichtungen in Enns und Sierning eingerichtet. „Um diesen Spagat in der Versorgung bewältigen zu können, ist eine Entlastung der Akut-Spitäler und damit für die dort tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erforderlich“, meinten LH Thomas Stelzer und seine Stellvertreterin Christine Haberlander (beide ÖVP).

Insgesamt befanden sich am Dienstag 656 Corona-Kranke in oberösterreichischen Spitälern, 134 von ihnen benötigten eine intensivmedizinische Betreuung, um drei mehr als am Vortag. Allerdings ging die Anzahl der Patienten auf den Normalstationen um 51 auf 522 zurück.