APA-Faktencheck

Virale Falschbehauptungen über Klinikum Kirchdorf

Der bei Impfgegnern beliebte Mythos, dass Geimpfte bei Covid-19-Erkrankungen genauso gefährdet seien wie Ungeimpfte, wird von selbigen oftmals zu untermauern versucht, indem sie auf vermeintlich aufgedeckte Manipulationen bei Patientenzahlen hinweisen. So kursieren vor allem in Messenger-Diensten Informationen mit großer Reichweite (1), wonach im Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Kirchdorf bei diesen Zahlen getrickst werde.

red/Agenturen

„Befehlsausgabe an die Aufnahme. Alle Ungeimpften und positiv Getesteten werden auf die Intensiv aufgenommen! Ungeachtet welcher Vitalzustand!“, wird dort behauptet. Verwiesen wird dabei auf einen Dr. Oswald Schuberth, der Ärztlicher Direktor in Kirchdorf sein soll.

Einschätzung

Sowohl das Krankenhaus als auch die Oberösterreichische Gesundheitsholding GmbH dementieren die Gerüchte. Schuberth ist nicht mehr Ärztlicher Direktor und bereits seit dem Jahr 2019 in Pension.

Überprüfung

Die geteilte Telegram-Nachricht vom 26. Oktober ist nicht mehr abrufbar, kann sich aber in den geteilten Beiträgen weiterhin lesen lassen. Der dabei erwähnte Dr. Schuberth ist allerdings nicht mehr Ärztlicher Direktor des Pyhrn-Eisenwurzen Klinikums Kirchdorf, wie ein Blick auf die Homepage der Oberösterreichischen Gesundheitsholding GmbH (OÖG) zeigt (2). Demnach belegt Dr. Michael Hubich diese Funktion. Eine OÖG-Sprecherin bestätigte zudem auf APA-Anfrage, dass Schuberth bereits seit 2019 in Pension sei.

Generell würden die kursierenden Informationen nicht der Wahrheit entsprechen. „Diese Behauptung ist frei erfunden und entbehrt jeder Grundlage“, sagte die Sprecherin. Es seien auch schon Unterlassungsaufforderungen über soziale Medien an User geschickt worden, welche die Behauptung geteilt hatten.

Derzeit würden in Kirchdorf acht von 54 Covid-Patienten auf der Intensivstation liegen, Ende Oktober seien es sechs von 36, Mitte Oktober fünf von 22 und Anfang Oktober vier von 19 gewesen. Eine drastische Umverteilung in Richtung Intensivpatienten ist anhand dieser Daten nicht zu erkennen.

„Patientinnen und Patienten in der Intensivstation werden dort auf Grund einer schweren Erkrankung behandelt und nicht auf Grund von wirtschaftlichen Faktoren“, bezog das Phyrn-Eisenwurzen Klinikum auf Facebook Stellung (3). Es handle sich um „Falschnachrichten“.

Nach Informationen der OÖG-Sprecherin gibt es zudem klare Richtlinien bei der Definition und Zählung von Corona-Intensivpatienten. Diese würden nur als Corona-Intensivpatienten klassifiziert, wenn sie die typischen Symptome aufweisen und positiv getestet seien. Lande aber etwa ein Herzinfarktpatient auf der Intensivstation, der zufälligerweise auch einen positiven Coronatest aufweist, werde er nicht als Corona-Intensivpatient gezählt.

 

Links

(1) Beitrag in Telegram-Gruppe: http://go.apa.at/7Q3l5sRu (archiviert: https://perma.cc/L4UD-XFXS)

(2) Ärztliche Direktion Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum: http://go.apa.at/S3JDTGqm (archiviert: https://archive.md/79okX)

(3) Statement auf Facebook: http://go.apa.at/PyRcrxqA (archiviert: archive.md/0Rfu4)

Artikel in den OÖN: http://go.apa.at/CiUCCc2x (archiviert: perma.cc/6NYX-EFBP)

Faktencheck der AFP: http://go.apa.at/1D1tY2eK (archiviert: archive.md/4SVvf)

Intensivstation
Aktuell werden 75 Intensivbetten für Covid-19 und 175 Intensivbetten für andere Krankheitsbilder betrieben. Insgesamt kann man auf 333 ICU-Einheiten aufstocken.
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