Corona-Impfung

Virologe Krammer erfreut über schnelle Entscheidung zu Kindervakzin

Die gestern erfolgte Zulassung des Corona-Impfstoffs von BioNTech/Pfizer für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren bewertet der in den USA tätige Virologe Florian Krammer sehr positiv. Die Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA sei sogar früher gekommen als von vielen erwartet. „Es ist gut, dass das jetzt schneller gegangen ist“, so der Österreicher.

red/Agenturen

In den USA gibt es die Notfallzulassung schon seit Ende Oktober. Mittlerweile wurden dort rund 2,6 Mio. Kinder geimpft. Bisher geschah dies ohne größere Auffälligkeiten, was die Nebenwirkungen betrifft. Dass nun für die Altersgruppe neben der auch bereits seit kurzem etwa in Wien angebotenen Off Label-Option bald eine zugelassene Variante bereit steht, „finde ich gut und wichtig“, sagte Krammer.

Freilich bezieht sich die EMA-Entscheidung auf den Kinderimpfstoff von Biontech/Pfizer, der auf einer neuen Formulierung basiert, die durch entsprechende Verdünnung so angepasst wird, dass die für Kinder vorgesehene Dosis von zehn Mikrogramm leichter in 0,2 Milliliter verabreicht werden kann. Der Unterschied zur Erwachsenenimpfung liegt nicht im Wirkstoff, sondern in der Verabreichung. Wer die Off Label-Impfung an Kinder verabreicht, muss statt der dreifach höheren Dosis von 0,3 Milliliter für Über-Zwölfjährige die reduzierte Kinder-Dosis in 0,1 Milliliter verabreichen.

„Das ist aber für jemanden, der mit Impfungen gut umgehen kann, kein Problem“, zeigte sich Krammer überzeugt. In der für Ende des Jahres angekündigten Kindervariante enthalten dann 0,2 Milliliter die richtige Menge an Wirkstoff, was leichter zu verabreichen ist. „Ich sehe da aber nicht so große Unterschiede. Es ist einfach etwas schwieriger 0,1 anstatt 0,2 Milliliter zu verimpfen“, so der Wissenschafter, der von keinen Unterschieden bei der Immunantwort oder die Sicherheit gegenüber der „Off Label“-Variante ausgeht.

Impfpflicht zweischneidiges Schwert

Die für Februar angekündigte allgemeine Impfpflicht in Österreich bewertet der Forscher von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York zweischneidig. Während im Gesundheitsbereich weitgehender Konsens in der wissenschaftlichen Gemeinde herrscht, dass es hier eine Pflicht braucht, sei das bei der generellen Impfpflicht komplexer. „Ich hätte es schöner gefunden, wenn man positive Kampagnen gehabt und man Leute davon überzeugt hätte, sich impfen zu lassen“, sagte Krammer: „Jemand zu etwas zu zwingen, ist nie eine gute Idee.“

Angesichts der „extrem dramatischen“ vierten Welle in Österreich und der noch immer recht niedrigen Durchimpfungsrate sei der Vorstoß als „kontroversielles letztes Mittel“ nicht unbedingt eine schlechte Idee. Man hätte aber zuvor deutlich mehr Überzeugungsarbeit leisten müssen.

Der nun „löchrige Lockdown“ werde Wirkung zeigen, glaubt der Wissenschafter, der hofft, dass sich jetzt mehr Leute impfen lassen. Eine fünfte Welle könne aber niemand ausschließen. Die momentan sehr instabile Situation zeige aber, dass man schnell reagieren müsse und nicht Wochen nach Beginn einer deutlich negativen Entwicklung erst Maßnahmen setzt, die mehrere Wochen davor eine solche Eskalation verhindert hätten. „Wenn die Fallzahlen anfangen hinauszugehen, muss man handeln - und zwar sofort.“

 

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