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Vom richtigen Zeitpunkt und fehlendem Wissen

Der Welt-Anästhesie-Tag am 16. Oktober steht heuer im Zeichen der Patientensicherheit. International geht am selben Tag auch der erste „World Restart a Heart Day" über die Bühne.

red/Agenturen

„Jeder Mensch kann ein Leben retten!", lautet das Motto des "World Restart a Heart Day". Allein in Europa und den USA sterben jährlich rund 700.000 Menschen, weil sie bei einem akuten Herz-Kreislaufstillstand nicht rechtzeitig wiederbelebt werden. In Österreich erleiden pro Jahr ungefähr 12.000 Menschen einen akuten Kreislaufstillstand außerhalb eines Krankenhauses (Out-of-Hospital Cardiac Arrest – OHCA), davon mehr als 3.500 in Wien.

„Wir wissen, dass in diesen Fällen jede Sekunde zählt", so der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI), Rudolf Likar, dazu. „Wenn eine Laienreanimation rechtzeitig gestartet und damit die Zeit bis zur professionellen Reanimation überbrückt wird, kann etwa die Hälfte der von einem Herz-Kreislauf-Stillstand Betroffenen ein gutes Überleben ermöglicht werden. Wird auf das Eintreffen des professionellen Rettungsdienstes gewartet, sinkt dieser Prozentsatz auf unter zehn Prozent."

Frühzeitiger Reanimationsbeginn essentiell

Da das Gehirn schon nach drei bis fünf Minuten ohne funktionierende Sauerstoffversorgung beginnt eine schwerwiegende Schädigung zu erleiden, ist ein frühzeitiger Reanimationsbeginn durch Laien und Ersthelfer entscheidend für das Überleben, sagte KIaus Markstaller, Vorstand der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie in Wien (MedUni/AKH). „Der Start der Wiederbelebungsmaßnahmen bereits durch am Ort des akut lebensbedrohlichen Zwischenfalls anwesenden Laien noch vor dem Eintreffen der Rettung verdreifacht die Überlebensrate".

 „Zugewartet wird zumeist aus Unsicherheit und Unwissen. Kampagnen zur Bewusstseinsbildung und zum Training in Laienreanimation möglichst breiter Bevölkerungsschichten haben nachweislich Erfolge gebracht", betonte Markstaller. So zeigte sich nach Kampagnen im Rahmen der „KIDS SAVE LIVES"-Aktion in Deutschland unter Schülern zwischen acht und zwölf Jahren, dass beispielsweise in Deutschland der Anteil der Laienreanimation von unter 20 Prozent auf 42 Prozent (2017) gesteigert werden konnte.

Es muss nicht sofort Mund zu Mund beatmet werden

Die Empfehlungen für die Laienreanimation haben sich gerade in den vergangenen Jahren so verändert, dass die Anwendung vereinfacht wurde. So wird weniger Wert auf die Beatmung als auf die schnelle und richtige Herzmassage, also Kompression des Brustkorbes (Thoraxkompression), gelegt. Da bei einem akuten Kreislaufstillstand das Blut zunächst ja noch eine ausreiche Sauerstoffsättigung aufweist, ist die Wiederherstellung der Zirkulation des Blutes das primäre Ziel. Damit muss nicht sofort mit der Mund-zu-Mund-Beatmung begonnen werden, vor der Laien oft zurückschreckten.

Klaus Markstaller MedUniWien
Ein frühzeitiger Reanimationsbeginn durch Laien und Ersthelfer sei entscheidend für das Überleben, betont KIaus Markstaller, Vorstand der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie an der MedUni/AKH Wien.
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