Vorgeburtliche Bluttests auf Downsyndrom dürfen nicht zur Regel werden

Ein Bündnis aus Verbänden hat davor gewarnt, vorgeburtliche Bluttests auf das Downsyndrom zur Regeluntersuchung zu machen. „Mit den neuen Methoden der Pränataldiagnostik geraten Eltern von Kindern mit Behinderung immer stärker unter Rechtfertigungsdruck", erklärte die Bundesvereinigung Lebenshilfe und mehrere Downsyndrom-Verbände am Freitag zum bevorstehenden Welt-Downsyndrom-Tag.

red/Agenturen

Bei Menschen mit Behinderung verstärke sich zudem die Angst, in dieser Gesellschaft nicht gewollt zu sein. Hintergrund sind Bestrebungen, die vorgeburtlichen Bluttests in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufzunehmen. Bereits heute werden die seit 2012 erhältlichen Tests als Selbstzahlerleistung angeboten, auf Antrag können die Kosten auch von Krankenkassen übernommen werden.

Eine parteiübergreifende Gruppe von Bundestagsabgeordneten äußerte starke Vorbehalte gegen standardmäßige vorgeburtliche Bluttests. Die Parlamentarier forderten eine breite Debatte über die ethischen und gesetzgeberischen Konsequenzen. Kritiker der Pränataldiagnostik warnen, dass die Tests zu steigenden Abtreibungszahlen bei Kindern mit Downsyndrom führten.

Der Deutsche Bundestag will voraussichtlich noch im Frühjahr über das Thema debattieren, bevor der Gemeinsame Bundesausschuss darüber entscheidet, ob diese vorgeburtlichen Untersuchungen gesetzliche Kassenleistung werden.

Der Bluttest diene keiner medizinischen Behandlung, erklärten die Verbände. Sie schafften nicht einmal Klarheit darüber, ob tatsächlich ein Downsyndrom vorliege. Etwa jedes fünfte Ergebnis sei fehlerhaft.

Wenn ein Downsyndrom - auch Trisomie 21 genannt - diagnostiziert werde, führe das jedoch in den allermeisten Fällen zur Abtreibung des Kinds. Das Bündnis kündigte für den Tag der Bundestagsdebatte Aktionen in ganz Deutschland an.

Mädchen Trisomie
„Mit den neuen Methoden der Pränataldiagnostik geraten Eltern von Kindern mit Behinderung immer stärker unter Rechtfertigungsdruck", erklärte die Bundesvereinigung Lebenshilfe und mehrere Downsyndrom-Verbände.
DenKuvaiev