Prävention

Vorsorge bei Eierstock- und Prostatakrebs vernachlässigt

Eierstockkrebs gehört wie das Prostatakarzinom zu den häufigsten Krebsarten in Österreich. Der erste Lockdown wegen der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 hat jedoch „zu einer dramatischen Reduktion der gynäkologischen Krebsdiagnosen geführt“, warnte Christian Marth von der Innsbrucker Uniklinik für Frauenheilkunde am Donnerstag in einem Pressegespräch von AstraZeneca. Vorsorgeuntersuchungen sollten nicht aufgeschoben werden, eine Selbsthilfeplattform unterstützt Betroffene.

red/Agenturen

Der Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) ist „ein stiller Killer“, ohne klare Symptome, erläuterte Marth. Bauchschmerzen, Verdauungsbeschwerden und ein wachsender Bauchumfang können darauf hindeuten. Jede 70. Frau erkranke im Lauf ihres Lebens daran. Laut Daten der Statistik Austria seien im Jahr 2017 in Österreich 706 Neuerkrankungen und 477 Todesfälle durch Eierstockkrebs registriert worden. Diese Krebsart hat eine „hohe Mortalität“, betonte Marth.

Der Rückgang der Diagnosen im ersten Lockdown bedeutet laut dem Mediziner „eindeutig“, dass nicht viel weniger Erkrankungen aufgetreten sind, sondern dass diese „einfach nicht diagnostiziert“ wurden. „Im Sommer sind die Diagnosen wieder gestiegen, aber wir haben das mit Sicherheit nicht alles kompensieren können“, sagte Marth. Zudem seien Diagnosen oft deutlich verzögert gestellt worden, was die Prognose für die Patientinnen verschlechtert.

Bis zu 15 Prozent erblich bedingt

Die rechtzeitige Vorsorge ist auch beim Prostatakarzinom wichtig, betonte Gero Kramer von der MedUni Wien. Es handle sich um den häufigsten Krebs bei Männern. 2017 sind fast 5.700 Personen neu daran erkrankt und 1.260 Betroffene verstorben, erläuterte der Urologe. Rund zehn bis 15 Prozent der Prostata- und Eierstockkrebsfälle sind erblich bedingt. Verantwortlich dafür sind Veränderungen in einem der beiden Gene BRCA1 oder BRCA2, die sowohl Frauen als auch Männer in sich tragen können.

Wenn eine Mutter Brustkrebs hat, dann bedeutete das für ihren Sohn eine Risikoerhöhung um 20 Prozent in Bezug auf ein Prostatakarzinom, erläuterte Kramer. Die Vorsorgeuntersuchung muss daher „individualisiert und risikoadaptiert sein“. Männer mit Familienanamnese oder BRCA-Mutation sollten schon ab 40 Jahren zur Vorsorge, also zehn Jahre früher als üblich, betonte der Mediziner. Das Prostatakarzinom sei ebenfalls ein „stiller Krebs“, weil es sehr langsam wächst. Die Symptome reichen von Beschwerden beim Harnlassen, Knochenschmerzen (z.B. in der Wirbelsäule) über Abgeschlagenheit bis zum Gewichtsverlust.

Zum Weltkrebstag am 4. Februar hat das Pharmaunternehmen AstraZeneca daher die Kampagne „New Normal, Same Cancer - Neuer Alltag, Gleicher Krebs“ ins Leben gerufen. So soll dazu motiviert werden, auch während der Pandemie regelmäßig zur Vor- und Nachsorge zu gehen, hieß es bei der Pressekonferenz. Dabei hilft die Online-Patientenplattform Selpers.com. Diese bietet u.a. zwei kostenlose Schulungen zu Brust- und Eierstockkrebs, zwei weitere zum Gentest und zum Prostatakrebs sind in Entwicklung, berichtete Iris Herscovici von Selpers.com. Dabei werde etwa erklärt, wie die Mutation vererbt werden kann, wie hoch diese Wahrscheinlichkeiten sind und wer sich in einer Familie testen lassen sollte.

 

Prostata Bildgebende
In Österreich sind rund 65.000 Menschen aktuell an Prostatakrebs erkrankt.
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