Psychologie

Wann der Mensch Covid-19-Regelverstöße eher zugibt

Umfragen und Studien zur Einhaltung der Covid-Eindämmungsmaßnahmen gibt es mittlerweile viele. Die Unsicherheit, wie weit Menschen tatsächlich anzugeben bereit sind, dass sie etwa da und dort die vorgeschriebene Maske nicht aufsetzen, schwingt immer mit. Gibt man Befragten eine Möglichkeit, bei solchen Antworten ihr Gesicht zu wahren, traue man sich auch eher zuzugeben, dass Maßnahmen nicht befolgt werden, berichten Forscher in einer auch in Österreich durchgeführten Studie.

red/Agenturen

Das Problem der sozialen Erwünschtheit beim Antwortverhalten ist in der Wissenschaft oder Meinungsforschung hinlänglich bekannt. Im Kern tendieren viele Menschen dazu, Fragen eher sozusagen „richtig“ zu beantworten, auch wenn es eigentlich nicht ihrer Einstellung oder eigentlichen Vorgehensweise entspricht. In Bezug auf die Maßnahmen zur Coronakrise und ihren schwerwiegenden Auswirkungen allerorts gibt man vielleicht noch weniger gerne zu, dass man sehr wohl eine Familienfeier gegeben oder einen Vertrauten umarmt hat.

Anmoderation der Frage beeinflusst Antwort

Ein Forschungsteam um Jean-Francois Daoust von der University of Edinburgh (Großbritannien) hat in einer im Fachblatt „Plos One“ veröffentlichten länderübergreifenden Studie gezeigt, dass mehr Menschen darüber berichten, eine Maßnahme nicht eingehalten zu haben, wenn die Anmoderation der Fragen etwas anders gestaltet war. Jeweils einer Gruppe pro Land wurden die Fragen zur Maßnahmeneinhaltung direkt gestellt. Bei der anderen Gruppe war den Fragen ein Text vorangestellt, der sozusagen Hintertürchen offen ließ. So wurde entweder erwähnt, dass nicht alle Menschen ihr Verhalten tatsächlich geändert haben und dass viele auch ihre Herangehensweise ändern wollten, das aber aus verschiedenen Gründen nicht tun konnten.

In letzterer Gruppe fielen die Antworten erstaunlich unterschiedlich aus: Alle zwölf Länder übergreifend lag der Anteil jener, die bejahten, dass sie etwa die Maske beim Einkaufen auch mal abnehmen, um neun Prozentpunkte höher. Zwölf Prozentpunkte höher war das Bekenntnis dazu, sich bei Treffen zu Begrüßungen ohne entsprechenden Abstand hinreißen zu lassen. Dass man eine nicht ganz coronaregelkonforme Familienveranstaltung oder ein Freundestreffen veranstaltet hat, gaben plötzlich um 16 Prozentpunkte mehr Befragte zu. An eine Teilnahme an einer Veranstaltung, auf der Abstandsregeln nicht durchgehend eingehalten wurden, erinnerten sich auch deutlich mehr Befragte unter der „gesichtswahrenden“ Bedingung (plus 14 Prozentpunkte).

Österreich tanzt aus der Reihe

Dieser Effekt ging in 47 von 48 Bedingungen in diese Richtung. Die einzige Ausnahme betraf ausgerechnet Österreich: Die Frage, ob man die Maske beim Einkaufen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln abgenommen oder gar ohne diesen Aktivitäten nachgegangen ist, bejahten etwas mehr direkt gefragte Österreicher als jene Teilnehmer, denen die Angabe besagte Hintertür offen ließ. Warum hier ausgerechnet Österreich bei ausgerechnet dieser Frage aus der Reihe tanzt, könne er ehrlich gesagt nicht herleiten, wie Studienleiter Daoust erklärte. In der erwarteten Richtung am größten seien die „Hintertür“-Effekte hierzulande in Bezug auf die Frage zu den nicht coronakonformen Treffen und zur Teilnahme an derartigen Veranstaltungen, so der Forscher.

Der insgesamt eindeutige Effekt bleib auch bestehen, wenn verschiedene Altersgruppen verglichen wurden, es fanden sich auch keine signifikanten Unterschiede bezüglich des Geschlechts und des Bildungsniveaus. Laut den Studienautoren sollten diese Erkenntnisse in zukünftige Erhebungen zur Einhaltung und Akzeptanz von Covid-19-Maßnahmen berücksichtigt werden.

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