| Aktualisiert:
Coronavirus

Wirkung von UV-Licht auf Sars-CoV-2 weiterhin umstritten

Direkte Sonnenbestrahlung soll nach Angaben eines US-Regierungsberaters zum raschen Sterben des neuartigen Coronavirus führen. Wissenschafter der Regierung hätten in einem Experiment beobachtet, dass UV-Strahlen anscheinend den Erreger schnell töteten, sagte William Bryan, Wissenschafts- und Technologieberater des Heimatschutzministeriums, am Donnerstag bei einem gemeinsamen Briefing mit Präsident Donald Trump im Weißen Haus.

red/Agenturen

Die mutmaßlich tödliche Wirkung von UV-Strahlen auf den Erreger Sars-CoV-2 sei sowohl bei Verbreitung des Virus in der Luft als auch auf Oberflächen festgestellt worden, führte Bryan aus. Er schürte damit die Hoffnungen, dass die Ausbreitung des Erregers in den Sommermonaten nachlassen könnte. Das Experiment mit den UV-Strahlen fand laut Bryan im Nationalen Zentrum für die Analyse von Bio-Verteidigung und Gegenmaßnahmen im US-Bundesstaat Maryland statt.

Die Untersuchung wurde aber bisher nicht veröffentlicht und muss noch von anderen Wissenschaftern bewertet werden. Eine Schlüsselfrage dabei ist, welche Intensität und Wellenlänge das UV-Licht hatte und ob das Experiment die natürlichen Lichtverhältnisse im Sommer korrekt abbildete.

Zuletzt gab es ja vermehrt Berichte über die Wirkung von UV-Strahlung zur Bekämpfung des Virus. Für die UVC-Strahlung stimmt das prinzipiell für die Desinfektion von Gegenständen, für einen Laien ist die Verwendung von UVC-Strahlen etwa zur Desinfektion von Masken aber ungeeignet.

WHO rät von UV-Licht zur „Desinfektion“ ab

Es gibt drei Arten von UV-Strahlung: UVA, UVB und UVC. Die ersten beiden sind von der einfachen Sonneneinstrahlung bekannt. Sich übermäßig der Sonne auszusetzen ist schädlich für die Haut und kann Hautkrebs verursachen. Daher rät die Weltgesundheitsorganisation (WHO) davon ab, UV-Lampen zur Desinfektion der Hände oder anderer Hautbereiche in der Corona-Krise zu verwenden.

UVC ist noch gefährlicher, wird aber von der Ozonschicht davon abgehalten, auf die Erdoberfläche zu gelangen. Diese dritte Form ist theoretisch in der Lage, genetisches Material zu zerstören, zum Beispiel jenes von Viruspartikeln, berichtete die BBC. Daher könnte UVC-Strahlung für die Desinfektion von Gegenständen herangezogen werden. In einigen Bereichen in China passiert das sogar. Für Privatpersonen ist das aber nicht realistisch, denn es gibt noch keine Studien, die Aufschluss darüber geben, wie genau UVC auf das Coronavirus wirkt.

Eine Studie des Journal of Virological Methods aus dem Jahr 2004 untersuchte die Bestrahlung auf das mit dem SARS-CoV-2 verwandte SARS-Virus und kam zu dem Schluss, dass „mehr als 15 Minuten UVC-Behandlung das Virus inaktivierten, während UVA-Licht unabhängig von der Dauer der Exposition keinen Einfluss auf die Durchlässigkeit hatte.“ Diese Ergebnisse fehlen bei SARS-CoV-2. Unklar ist, wie lange hier das Virus der UVC-Strahlung ausgesetzt sein müsste. Zudem bräuchte es für die Verwendung entsprechende Ausrüstung und Training. Das Verwenden von UV-Strahlung zur Desinfektion von Masken oder anderen Gegenständen ist also höchst unsicher.

Auch sich oder einen Gegenstand der Sonneneinstrahlung - also der UVA oder UVB-Strahlung - auszusetzen, ist nicht zielführend. Denn auch hier ist die notwendige Dauer unklar, abhängige Faktoren sind zudem Tageszeit, Wetter, Jahreszeit und Ort. Und ist das Virus erst einmal im Körper, hilft sowieso keine UV-Strahlung mehr. US-Präsident Donald Trump hatte deshalb mit einer von ihm angeregten „Lichttherapie“ für Erkrankte einmal mehr für Kopfschütteln bei Experten gesorgt. Es gibt aber weiterhin Hoffnungen, dass die Ausbreitung des Erregers in den Sommermonaten nachlassen könnte.