Coronakrise

Zahl der Genesenen in Österreich bei über 10.000

Die Anzahl der nach einer Infektion mit dem Coronavirus wieder erholten Patienten hat die 10.000er-Marke überschritten. Wie es Samstagvormittag aus dem Innenministerium hieß, sind nun 10.214 Menschen nach einer Covid-19-Erkrankung wieder genesen. Gesundheitsminister Anschober warnt allerdings vor allzu großer Sorglosigkeit. Die SPÖ ortet unterdessen Regierungsstreitigkeiten.

red/Agenturen

208 Erkrankte werden österreichweit derzeit auf einer Intensivstation betreut. Dies sind um 19 weniger als 24 Stunden davor. Das Innenministerium meldete 14.671 bestätigte Infektionen mit SARS-CoV-2. Der 24-Stunden-Anstieg lag demnach bei 0,7 Prozent im Vergleich zum Vortag. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hatte Freitag berichtet, dass die Zunahme seit Tagen bei durchschnittlich einem Prozent liege und von einer „sehr stabilen und erfreulichen Situation“ gesprochen. „Aktiv“ erkrankt sind 4.014 Österreicherinnen und Österreicher. Dies sind 417 bzw. 9,4 Prozent weniger als am Freitag.

Von den 855 aufgrund einer Virus-Erkrankung hospitalisierten Personen befinden sich die meisten in Niederösterreich (207) gefolgt von Wien (161), Tirol (125) und der Steiermark (118). Im Burgenland (17), Kärnten (16) und Vorarlberg (23) sind es in Summe nur 56 Menschen, die in Spitälern liegen. Angestiegen ist leider die Zahl jener Menschen, die mit oder an einer Infektion gestorben sind. 443 Opfer sind zu beklagen. Die meisten Todesfälle gibt es weiterhin in der Steiermark mit nun 99, in Wien (88), Tirol (85) und in Niederösterreich (80).

Phase 2: Kommende Wochen besonders wichtig

Anschober sieht den rückläufigen Trend an mit dem Coronavirus infizierten Personen in Österreich positiv, hat aber gleichzeitig gewarnt. „Das darf uns nicht sorglos machen. Konsequentes Handeln ist weiterhin höchst erforderlich, jede und jeder muss weiterhin ein Teil der Lösung sein“, sagte Anschober am Samstag mit Blick auf die jüngsten Zahlen.

Noch nicht enthalten sind selbstredend bei den Neuinfektionszahlen, die so niedrig wie seit Langem nicht sind, allerdings die Auswirkungen des ersten Öffnungsschrittes der Geschäfte vom vergangenen Dienstag. Neuinfektionen würden erst mit einer Verzögerung von zehn bis 14 Tagen in der Statistik sichtbar werden, warnte Anschober.

„Dadurch werden die Zahlen der nächsten Woche besonders wichtig. Aber der stabile Trend der letzten Wochen sollte uns bestärken, Hoffnung geben und Mut machen, konsequent den bisherigen Weg der räumlichen Distanzierung, des Mindestabstands, der Hygienebestimmungen und der anderen Maßnahmen fortsetzen“, so der Gesundheitsminister.

SPÖ: Machtspielchen fehl am Platz

Währenddessen hat die SPÖ die Regierung am Samstag für ihr derzeitiges Verhalten in Bezug auf die Corona-Gesetze gerügt. Nach der Aufforderung von Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) an Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne), er solle etwaige Unrechtmäßigkeiten rasch klären, orten die Sozialdemokraten einen Regierungsstreit „auf offener Bühne“. Machtspielchen seien jetzt aber fehl am Platz.

„In der Lockerungsphase öffnen offenbar nicht nur die Geschäfte wieder, sondern auch der Regierungsstreit wird öffentlich ausgetragen“, teilte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch seine Beobachtungen am Samstag in einer Aussendung mit. „Während viele Menschen in Österreich im Unklaren gelassen werden, wann die Schulen wieder öffnen, streitet die Regierung auf offener Bühne“, kritisierte er.

„Gesundheitsminister Rudolf Anschober zeigt sich nach verwirrenden und fehlerhaften Erlässen kritikfähig und setzt eine hochrangige Expertengruppe zur Prüfung der Verfassungskonformität ein“, analysierte Deutsch das Geschehen und sagte weiter: „Das ist offenbar zu viel des Guten für den selbst ernannten obersten Krisenmanager (Kanzler Sebastian, Anm.) Kurz. Er schickt seine Verfassungsministerin aus, um Anschober die alleinige Verantwortung zuzuschieben und ihn anzupatzen.“ Laut dem SPÖ-Bundesgeschäftsführer sind diese „Streitigkeiten und Machtspielchen“ gerade in Krisenzeiten „völlig fehl am Platz“, sagte er.

Ein weiteres Anliegen deponierte Deutsch am Samstag, nämlich seine Sorge um Familien, Frauen, Alleinerziehende und Kinder. In diesem Bereich warf er der Bundesregierung im Umgang mit der Coronakrise große Versäumnisse vor. Deutsch fehlt etwa ein konkreter Fahrplan zur Wiedereröffnung von Schulen und Kindergärten. Weiters kritisierte er, wie Kanzler Kurz „die Bevölkerung in oberlehrerhafter Manier auf eine 'neue Normalität' einschwören“ wolle. Diese sei in Wirklichkeit ein Rückfall in die Vergangenheit, wo Frauen und Kinder ihren Platz zuhause haben, befürchtet der Bundesgeschäftsführer.

 

Rudi Anschober
Ein Appell zu Vorsicht und Vernunft im Urlaub und Zuhause kommt von Gesundheitsminister Anschober.
Andreas_Balon