Ärzte ohne Grenzen

Zustände in spanischen Altersheimen angeprangert

Vor dem Hintergrund erneut zunehmender Corona-Infektionszahlen hat die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen die Zustände in spanischen Seniorenwohnheimen scharf kritisiert. Dringende Maßnahmen seien nötig, um die Bewohner besser zu schützen und zu verhindern, dass es in diesen Einrichtungen in Zukunft wieder eine hohe Zahl von Todesfällen in Zusammenhang mit Covid-19 gebe, warnte die Organisation.

red/Agenturen

Während der Pandemie habe es eine „inakzeptable Vernachlässigung“ der Insassen von Altersheimen gegeben, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Die Virusausbreitung habe ein strukturelles Defizit an Ressourcen, medizinischer Aufsicht und Notfallplanung in den Altersheimen landesweit aufgedeckt.

Nach Angaben des Madrider Ministeriums für Gesundheit starben zwischen dem 6. April und dem 20. Juni 27.359 Bewohner in den mehr als 5.000 Altersheimen des Landes. Diese hohe Sterblichkeit war laut Bericht die Folge ernster Mängel beim Management der Pflegeheime sowie in der Koordination zwischen den verschiedenen Behörden und Betreibern.

Im Bericht wird unter anderem ein Feuerwehrchef zitiert, der Desinfektionsaktionen in Altersheimen geleitet habe. Heimmitarbeiter hätten aus „Angst, die Kontrolle zu verlieren“, die Senioren gegen deren Willen zum Teil in den Zimmern eingesperrt, heißt es. „Es gab viele geschlossene Türen, zum Teil mit Schlüssel abgeschlossen, und Menschen, die (an den Türen) klopften und inständig darum baten, rausgehen zu dürfen. Ein Horror“.