Blutuntersuchung zur genauen Bestimmung von Darmkrebs-Risiko

Über die Bestimmung von sieben Mikro-RNAs (miRNAs) im Blut lässt sich das Risiko für Darmkrebs besser vorhersagen als mit herkömmlichen Methoden. Das ist offenbar auch bereits viele Jahre vor einer späteren Diagnose möglich. Dies haben Wissenschafter des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ/Heidelberg) jetzt in einer wissenschaftlichen Studie zeigen können.

red/Agenturen

„Darmkrebs kann weit besser als andere Krebsarten durch konsequente Früherkennung verhütet werden. Mit der Vorsorge-Darmspiegelung steht eine Technik zur Verfügung, um Darmtumoren und ihre Vorstufen frühzeitig zu identifizieren und bei der Untersuchung gleich zu entfernen“, schrieb das DKFZ am Montag in einer Aussendung. Ab 50 Jahren sollte jeder Mensch zumindest alle zehn Jahr zu einer solchen Untersuchung.

Allerdings ist die Beteiligung noch immer zu gering, um die Erkrankungszahlen stark zu drücken. Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum sagte: „Die Darmkrebs-Vorsorge könnte möglicherweise viel effektiver und gezielter eingesetzt werden, wenn wir die Möglichkeit hätten, das persönliche Erkrankungsrisiko mit einem Biomarker einzuschätzen."

In den vergangenen Jahren haben Wissenschafter bereits genetische sowie Lebensstil-basierte Risikoprofile entwickelt, deren Vorhersagekraft allerdings bisher begrenzt ist. Ein Team um Brenner hat nun ein neues, vielversprechendes Verfahren publiziert, mit dem das individuelle Erkrankungsrisiko einer Person genauer ermittelt werden konnte. Die Methode basiert auf der Messung sogenannter Mikro-RNAs im Blutserum.

Mikro-RNAs (miRNAs), bestehen aus nur 20 bis 25 Nukleotidbausteinen (Basen). Sie enthalten keinen Bauplan für Proteine, sondern steuern eine Vielzahl an Zellfunktionen. Viele miRNAs werden ins Blut abgegeben. Inzwischen kennen Wissenschafter bereits mehr als 1.000 verschiedene dieser erst in den 1990er-Jahren entdeckten Moleküle. miRNAs kontrollieren auch viele zelluläre Prozesse, welche die Krebsentstehung beeinflussen.

Die deutschen Wissenschafter identifizierten eine Serie von sieben miRNAs, die eng mit dem Auftreten von Darmkrebs korreliert. Dazu wurden zunächst insgesamt 41 miRNA-Kandidaten zur Testung ausgewählt, aus denen dann sieben durch Abgleich mit Informationen des Krebsregisters des deutschen Saarlands herausgefiltert wurden. Insgesamt 198 der rund 10.000 Teilnehmer einer Studie aus dem Register waren innerhalb von 14 Jahren nach der Blutentnahme an Darmkrebs erkrankt. Durch den Vergleich mit gesund Gebliebenen konnte ein Risikoscore ermittelt werden, der am engsten mit dem Auftreten von Darmkrebs in Beziehung stand.

Die Forscher verglichen das neue Verfahren mit dem bisher aussagekräftigsten genetischen Risikoscore, der auf 140 sogenannten Einzelnukleotid-Polymorphismen basiert, sowie mit einem Lebensstil-basierten Risikoprofil, das unter anderem Rauchverhalten, Körpergewicht oder den Grad der körperlichen Aktivität berücksichtigt. Dabei zeigte sich, dass das miRNA-Verfahren das individuelle Erkrankungsrisiko weitaus besser voraussagen konnte als die beiden anderen Methoden. So hatten Studienteilnehmer mit den höchsten Werten des miRN-Risikokoscores (höchste 20 Prozent) ein etwa 20-fach höheres Risiko im Vergleich zu Personen mit den niedrigsten Werten (niedrigste 20 Prozent). Für den genetischen Risikoscore ergab sich bei einem entsprechenden Vergleich ein deutlich geringerer, nur etwa vierfacher Unterschied.

"Die besondere Stärke unserer Studie ist die lange Laufzeit von inzwischen 14 Jahren“, wurde Janhavi Raut, die Erstautorin der aktuellen Studie zu diesem Thema, in „Nature Communications; https://rdcu.be/ctL1T) zitiert. „Die Blutproben der Teilnehmer wurden bereits viele Jahre vor der Darmkrebs-Diagnose gewonnen. Unsere Daten zeigen, dass die Änderungen im miRNA-Profil der Erkrankung um Jahre vorausgehen können."