Schweinegrippe & Co
Schweinegrippe & Co

Zoonosen - Ständig neue Pandemie- „Kandidaten"

Zoonosen sind nichts Neues. Seit 1997 gab es weltweit mehr als ein Dutzend „neuer“ Krankheitserreger, die vom Tierreich stammten und – mehr oder weniger häufig – Infektionen beim Menschen verursacht haben. Das neueste – mögliche – Beispiel: ein neues „Schweinegrippe“-Virus (A/H1N1), das in China neben vielen anderen weiteren Influenzavirus-Varianten entdeckt worden ist.

red/Agenturen

Je nach Virus kommen unterschiedliche Tierarten als „Verursacher“ der Misere infrage. Die meisten „neuen“ Influenza-Viren, welche den Menschen infizieren können, stammen von Vögeln („Geflügelpest“ etc.) oder Schweinen bzw. entstehen durch Co-Infektion. Für Beunruhigung sorgte beispielsweise vor Jahren die „Vogelgrippe“ (A/H5N1), die aber nur bei engem Kontakt von Menschen mit Geflügel übertragen wird. Andererseits war die Mortalität beim Menschen im Fall des Falles relativ hoch.

Zumeist ist es sprichwörtlich ein „Schwein“, das die neuen Grippeviren macht: Die Evolution spielt dabei irgendwie Lotto bis Roulette. Durch Neukombination der Erbsubstanz verschiedener Virusstämme (Re-Assortment) – auch aus verschiedenen Tierarten (Vögel, Schweine) – tauchen neue Influenza-Erreger auf.

Ostasien gilt als klassische Brutstätte für neue Influenza-Viren: Ein Reservoir für Erreger sind etwa Wasservögel (Wandervögel), die beispielsweise in Reisfeldern herumstaksen. Hausgeflügel wird über Exkremente infiziert. Das Hausschwein wiederum ist für Grippeerreger von Vögeln und vom Menschen ein idealer Wirt mit Co-Infektionen, im Rahmen derer ein Gen-Reassortment (Vermischung oder Neuverteilung, Anm.) geschehen kann. Und wenn dann auch noch Tier und Mensch ganz eng zusammenleben, ist es relativ einfach, dass es zum Überspringen von Viren kommt.

Hier eine Liste des Wiener Impfstoffexperten Otfried Kistner, der lange Jahre in der Entwicklung von Vakzinen, auch gegen Influenza (darunter gegen das 2009/2010-Pandemievirus), gearbeitet hat:

  • 1997 Influenza A/H5N1: Hongkong
  • 1999 Influenza A/H9N2: Hongkong and China
  • 1999 West Nile Virus: USA
  • 2002 SARS: China
  • 2003 Influenza A/H5N1: in China und weiteren acht asiatischen Ländern
  • 2003 Influenza A/H7N7: Niederlande
  • 2006 Chikungunya: La Reunion, Asien und Italien
  • 2009 Influenza A/H1N1 Pandemie: global
  • 2012 MERS (Middle East Respiratory Syndrome): vor allem Saudi-Arabien, Naher Osten
  • 2013 Influenza A/H7N9: China
  • 2013 Influenza A/H10N8: China
  • 2013 Influenza A/H6N1: Taiwan
  • 2014 Influenza A/H5N6: China
  • 2018 Influenza A/H7N4: China
  • 2019 SARS-CoV-2: China

 

Zahl der möglichen Varianten unbegrenzt

Die Zahl der möglichen Varianten bei den Influenzaviren ist in dem Lotto-Spiel der Evolution praktisch unbegrenzt. Es kommt nämlich auf die Kombination von Veränderungen bei den beiden Virus-Oberflächenbestandteilen Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N) an. In der Tierwelt gibt es 16 Hämagglutinin-Varianten (H1 bis H16) und neun Neuraminidase-Varianten (N1 bis H9). Beim Menschen pathogen (krankheitserregend, Anm.) sind bisher H1 und H3 sowie N1 und N2.

2003 sind wegen einer Geflügelpest-Epidemie durch A(H7N7) in den Niederlanden, in Deutschland und in Belgien rund 30 Millionen Hühner getötet worden. Es kam zu 80 Infektionen bei Menschen, nur in drei Fällen konnte eine Übertragung von Mensch zu Mensch belegt werden.

Die leichte Übertragung von Mensch zu Mensch ist das entscheidende Faktum für das Entstehen einer Influenza-Pandemie, wie es 2009/2010 bei der „Schweinegrippe“ A(H1N1) geschah. Laut allen Forschungen dürfte dieses Virus mit hoher Infektiosität beim Menschen, aber relativ geringer Gefährlichkeit trotz Todesfällen und schweren bis schwersten Verläufen, durch eine Neukombination zwischen Schweine-Viren aus Eurasien und Nordamerika entstanden sein.

Entscheidend für die Kontrolle „neuer“ Erreger aus dem Tierreich sind gerade solche Forschungen, wie sie offenbar sei Jahren in China durchgeführt werden. „China verfolgt die Entwicklungen in dieser Angelegenheit genau. Wir werden alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Ausbreitung eines jeglichen Virus zu verhindern“, erklärte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Zhao Lijian, am Dienstag zu der neuen Studie. Noch entscheidender wäre ein schnelle Reagieren, wenn es wirklich zu vermehren bemerkbaren Influenza-Erkrankungen durch das Virus in China käme.

 
© medinlive | 25.10.2020 | Link: https://www.medinlive.at/index.php/gesellschaft/zoonosen-staendig-neue-pandemie-kandidaten