Gerichtssache
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Ärztin in Leoben wegen grob fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen

Eine Ärztin des LKH Hochsteiermark ist am Donnerstag im Landesgericht Leoben wegen grob fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe sowie vier Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Die Medizinerin soll im Oktober 2019 eine 18-jährige Patientin mit einer Zyste im Gehirn trotz schwerer Kopfschmerzen und Erbrechen nach Hause geschickt haben, da sie nur Migräne diagnostizierte. Die Jugendliche starb.

red/Agenturen

Die junge Frau war im Oktober des Vorjahres in einem Krankenhaus in der Obersteiermark Patientin und verbrachte etwa eine Woche stationär, weil sie eine gutartige Kolloidzyste im Gehirn hatte. Sie wurde am 23. Oktober am späten Vormittag entlassen, doch zu Hause bekam sie schwere Kopfschmerzen und Übelkeit, sodass sie erbrechen musste. Daher suchte sie noch am selben Tage am Abend wieder das Spital in Bruck an der Mur auf und ging zur Neuroambulanz.

Die angeklagte Ärztin hatte damals Dienst und erkannte keine Gefahr, sondern diagnostizierte eine Migräne-Attacke. Sie schickte die Patientin samt Medikamenten und Verhaltensregeln wieder nach Hause. In der Nacht von 24. auf 25. Oktober starb die 18-Jährige dann allerdings. Laut Obduktionsbericht an einer Gehirnschwellung. Die Staatsanwaltschaft warf der Angeklagten vor, sie hätte die Patientin aufgrund der zuvor diagnostizierten Kolloidzyste stationär aufnehmen und überwachen müssen. Dann wäre auch der lebensbedrohliche Zustand erkannt worden.

Die Ärztin war am Donnerstag bei Gericht nicht geständig. Nach einem mündlichen Gutachten während der Verhandlung wurde die Angeklagte von Richter Roman Weiß aber schuldig gesprochen. Sie soll nun 14.400 Euro Strafe bezahlen. Die Haft wurde ihr für eine Probezeit von drei Jahren bedingt nachgesehen. Die Beschuldigte kündigte sofort Berufung an. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.

                                                   

 
© medinlive | 29.11.2020 | Link: https://www.medinlive.at/index.php/gesellschaft/aerztin-leoben-wegen-grob-fahrlaessiger-toetung-schuldig-gesprochen