Ärztekammer
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„Nationaler Schulterschluß" gegen Ärztemangel gefordert

ÖÄK-Vizepräsident Johannes Steinhart rief am Dienstag in einer Pressekonferenz Politik und Sozialversicherungen auf, der ärztlichen Bestandssicherung und der Nachwuchsförderung höchste Priorität einzuräumen. Gerade die Coronakrise habe gezeigt, wie wichtig die niedergelassenen Ärzte als erste Ansprechpartner seien.

red/Agenturen

Steinhart begründete seine Forderung mit der Altersstruktur der Ärzte. Von den insgesamt 18.753 Ärzten mit Ordination wird jeder vierte (25,83 Prozent) in fünf Jahren und jeder zweite (47,48 Prozent) in zehn Jahren in Pension gehen. Die Ärztekammer hat einen altersbedingten jährlichen Nachbesetzungsbedarf von 969 Ärzten errechnet, allein um die pensionsbedingten Abgänge in niedergelassenen Bereich kompensieren zu können. Dabei sei der zusätzliche Bedarf durch eine größer und älter werdende Gesellschaft noch gar nicht berücksichtigt.

Noch etwas schlechter sieht die Situation bei den 7.205 Ärzten mit ÖGK-Vertrag aus. Hier werden in fünf Jahren 28 Prozent und in zehn Jahren 52 Prozent das Pensionsalter erreicht haben. Einzelne Facharztbereiche sind dabei besonders bedroht. Von den 394 praktizierenden Frauenärzten mit ÖGK-Vertrag werden in fünf Jahren fast 40 Prozent und in zehn Jahren 61 Prozent das Pensionsalter erreichen. Bei den 235 HNO-Ärzten sind es in fünf Jahren 28 Prozent und in zehn Jahren ebenfalls 61 Prozent, bei den 158 Lungenfachärzten in fünf Jahren 34 Prozent und in zehn Jahren 59 Prozent. Und von den 3.862 niedergelassenen Allgemeinmedizinern werden in fünf Jahren 28 Prozent und in zehn Jahren 48 Prozent in Pension gehen.

Kompensationszahlungen für Lockdownausfälle

Steinhart bekräftigte als Folge dieser Entwicklung seine Forderungen nach mehr Geld für das Gesundheitssystem und nach besseren Rahmenbedingungen, um junge Ärzte gewinnen zu können. Außerdem bedürfe es international konkurrenzfähiger Arbeitsbedingungen, um Ärzte in Österreich halten zu können bzw. sie nach Österreich zu bekommen. Neben mehr Kassenstellen wünscht sich der Vizepräsident auch für eine Übergangszeit, das Pensionsalter von 70 Jahren für Kassenärzte aufzuheben. Und zu den Rahmenbedingungen gehört für Steinhart auch, dass die niedergelassenen Ärzte für ihre Umsatzeinbußen während des Shutdowns Kompensationszahlungen bekommen. Die meisten Praxen hätten zwar geöffnet gehabt, aber Patientenrückgänge um bis zu 90 Prozent verzeichnet.

 
© medinlive | 26.11.2020 | Link: https://www.medinlive.at/index.php/gesundheitspolitik/nationaler-schulterschluss-gegen-aerztemangel-gefordert