Corona-Impfung

BCG empfiehlt bessere Datenanalyse für effizientere Impfkampagne

Österreich könnte den knappen Impfstoff wesentlich effizienter nutzen. Dazu müsste die vorhandenen Daten besser ausgewertet, die richtigen Bevölkerungsgruppen als erste geimpft werden, sagt Heike Dorninger, Partnerin bei der Beratungsgruppe Boston Consulting Group (BCG). So habe eine Krankenkasse in Deutschland nachgewiesen, dass mit 500.000 richtig priorisierten Impfdosen der gleiche Schutzeffekt erreicht werden könne wie bei der derzeitigen Verteilung mit 3 Millionen.

red/Agenturen

„Die besten Entscheidungen fallen auf Basis einer guten Analyse der Daten“, so Dorninger. Sie empfiehlt ein „Dashboard“, also einen transparenten Überblick, der laufend aktualisiert angibt „wie viel Impfstoff gibt es, wo sind die Menschen aus den Risikogruppen, wer hat welche Termine“. Damit könnte man Verteilung und Nutzung des knappen Impfstoffs optimieren und die Verschwendung minimieren.

Aber auch in anderen Bereichen, etwa der Versorgung von Diabetespatienten könnte man mit einer genaueren Datenanalyse Risiken früher erkennen und negative Auswirkungen verhindern - etwa die Zahl der Amputationen verringern.

Österreich habe eine gute Ausgangslage und - im Vergleich zu Deutschland - relativ zentralisierte Daten. Außerdem seien mit ELGA, dem e-Rezept oder digitalen Impfpässen schon wichtige Schritte in Richtung Digitalisierung gemacht. Auch sei die Bereitschaft in der Bevölkerung Daten zumindest anonymisiert zu teilen, wenn es dem Gemeinwohl dient, mit 44 Prozent Zustimmung relativ hoch. „Darauf kann man gut aufbauen“, so Dorninger.

Österreich „hebt Gefahren überproportional hervor“

Auch BCG-Partner Michael Widowitz verwies in einem gemeinsamen Pressegespräch darauf, dass Österreich in der Digitalisierung zwar nur im europäischen Mittelfeld liege, aber doch vieles positiv geklappt habe - etwa wenn es um digitale Rezepte ging, um die Nutzung von Lernplattformen und Videokonferenzen. Allerdings neige man in Österreich manchmal dazu, Gefahren überproportional hervorzuheben. So sollte Datenschutz „aktiv gemanagt aber nicht als Bewahrungselement hochstilisiert werden“. Meist fehle es nicht an Daten sondern „am Mut, Prozesse neu zu denken“.

Wobei BCG-Österreich-Chef Lukas Haider der österreichischen Wirtschaft attestiert, im Umgang mit der Krise eine differenzierte Blickweise je nach Branche entwickelt zu haben. Weite Bereiche der Wirtschaft hätten gelernt, mit Vorsichtsmaßnahmen und Restriktionen umzugehen. Man denke sehr über die Perspektiven nach der Krise nach. „Das ist eine deutlich weniger kurzfristige Betrachtung als 'Schanigärten ja oder nein'“.