| Aktualisiert:
Coronavirus

Massiver Anstieg bei den Neuinfektionen: Fast 4.000

Die Corona-Infektionszahlen steigen in Österreich weiter massiv an und kratzen stark an der 4.000er-Marke. Innerhalb der vergangenen 24 Stunden sind laut Gesundheits- und Innenministerium (Stand: Freitag, 9.30 Uhr) 3.895 Neuansteckungen registriert worden, die meisten mit 1.022 in Wien. Damit sind die Zahlen wieder am Niveau von Anfang Dezember, wo es täglich rund 3.800 Infektionen gab.

red/Agenturen

Auch die Zahl der Menschen in Spitalsbehandlung ist weiter auf einem hohen Level. Österreichweit mussten am Freitag 2.151 Patienten in Krankenhäusern behandelt werden. Das sind um 83 mehr als noch tags zuvor und bedeutet ein Plus von vier Prozent. Besonders in Wien mit 648 Hospitalisierten und in Niederösterreich mit 456 Patienten ist die Belegung besonders hoch. In Wien sind innerhalb der letzten 24 Stunden 37 und in Niederösterreich sieben Neuaufnahmen verzeichnet worden.

Zugenommen hat auch die Zahl der Intensivpatienten. Derzeit müssen 463 Patienten intensivmedizinisch behandelt werden, 17 bzw. 3,8 Prozent mehr als noch am Donnerstag. Auch hier hat die Bundeshauptstadt die meisten Patienten zu stemmen. In Wien liegen 165 Menschen wegen Covid-19 auf einer Intensivstation.

Mittlerweile haben seit Beginn der Pandemie 9.200 Menschen eine Corona-Infektion nicht überlebt. Seit Donnerstag wurden 22 weitere Todesopfer gemeldet. Pro 100.000 Einwohner sind bisher bereits 103,4 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. Innerhalb der vergangenen Woche wurden 176 Todesfälle registriert.

Aktuell 35.000 Corona-Kranke in Österreich

In Österreich haben bisher 530.288 Menschen eine Corona-Infektion durchgemacht, 486.088 haben sich davon wieder erholt. Aktuell laborieren exakt 35.000 Menschen an SARS-CoV-2. In den vergangenen 24 Stunden sind 1.245 aktiv Erkrankte hinzugekommen. Somit kamen nach Berechnungen der vergangenen sieben Tag täglich durchschnittlich 600 aktiv Erkrankte hinzu. Wien lag mit über 1.000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages wieder an der Spitze, in Niederösterreich kamen 834, in Oberösterreich 688, in der Steiermark 486, in Tirol 310, in Salzburg 191, in Kärnten 180, im Burgenland 121 und in Vorarlberg 63 Neuansteckungen hinzu.

Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner stieg am Freitag somit von 245 auf 249,3. Dieser Wert ist vor allem im Osten recht hoch: In Wien lag die Inzidenz bei 317,9, in Niederösterreich bei 294,2 und im Burgenland bei 264,2. Zum Vergleich: In Vorarlberg lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 95,2, in Kärnten bei 186,5, in der Steiermark bei 196,2, in Oberösterreich bei 220,2, in Tirol bei 224,9 und in Salzburg allerdings auch schon bei 273,5.

Bisher wurden mehr als 1,4 Millionen Impfungen durchgeführt. 1.064.647 Menschen (zwölf Prozent der Gesamtbevölkerung) wurden bisher geimpft, 375.787 (4,2 Prozent) sind bereits vollimmunsiert.

Anschober: „Wir müssen Teil der Lösung sein“

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) appellierte angesichts des Anstiegs der Neuinfektionen an die Bevölkerung, auf Reisen zu Ostern zu verzichten, physische Treffen zu vermeiden und die Schutzmaßnahmen einzuhalten. Am Gründonnerstag startet zudem in Ostösterreich die sechstägige „Osterruhe“. „Eine ungebremste Reisetätigkeit könnte zu jenem Infektionsschub führen, der in Spitälern von einer extremen Belastung zu einer Überlastung führen könnte. Daher braucht es jetzt Verantwortung von uns allen - wir alle müssen in den nächsten Wochen Teil der Lösung sein, um harte Triagen in Österreichs Spitälern weiterhin zu vermeiden.“ Die Intensivabteilungen der Wiener Spitäler seien bereits an der Grenze ihrer Kapazitäten, warnte Anschober.

Nicht nur in Österreich, auch in Europa, stiegen die Infektionszahlen stark an. Vor allem wird der Anteil der britischen Mutationsvariante an diesen steigenden Infektionszahlen immer größer - B.1.1.7. dominiert laut Gesundheitsministerium mittlerweile in ganz Österreich, in Ostösterreich liegt ihr Anteil je nach Region bereits bei 80 bis 95 Prozent. Diese Variante ist ansteckender, sie führt schneller zu schweren Erkrankungen und sie erhöht die Zahl jener Betroffenen, die so schwer erkranken, dass sie intensivmedizinisch betreut werden müssen, drastisch.

1.400 positive Antigentests an Schulen in der letzten Woche

Zwischen Freitag vergangener Woche und diesem Donnerstag wurden an den Schulen 1,7 Mio. „Nasenbohrer“-Tests durchgeführt, 1.405 waren laut Bildungsministerium positiv. Seit der Vorwoche wird an den Schulen nicht nur zwei-, sondern dreimal pro Woche getestet, um Sars-CoV-2-Infektionen aufzudecken. In der Steiermark, Kärnten, Tirol und Vorarlberg ist der erste Freitags-Test wegen des Landesfeiertags allerdings ausgefallen.

Unter jenen Fällen, die zwischen vergangenem Freitag und diesem Donnerstag per Antigenschnelltest identifiziert wurden, waren der überwiegende Teil Schülerinnen und Schüler (1.130). Weitere 275 Fälle wurden unter dem Lehr- und Verwaltungspersonal entdeckt, das sich dabei zusätzlich zur wöchentlichen Berufsgruppentestung testen kann. Der Anteil an positiven Ergebnissen ist mit 0,08 Prozent unter allen Getesteten ebenso hoch wie in den Wochen davor. Die Ergebnisse der aktuellen Testrunde vom heutigen Freitag liegen dem Bildungsministerium noch nicht vor.

Nach Bundesländern wurden auch diesmal bei weitem die meisten Fälle in Wien (599) entdeckt, trotz des zusätzlichen Testtags sind das allerdings immerhin sieben weniger sind als in der Woche davor. Zuwächse gab es in der ersten Woche mit drei Tests indes in Niederösterreich (von 195 in der Vorwoche auf 234), in Oberösterreich (diesmal 147 nach 139 in der Vorwoche), ebenso im Burgenland (61 nach 49 in der Vorwoche). In Salzburg wurden hingegen trotz dritter Testrunde weniger Positive entdeckt (Rückgang von 100 in der Vorwoche auf diesmal 82).

23 Schulen hierzulande aktuell geschlossen

Gestiegen sind die Zahlen in jenen Bundesländern, in denen wegen des schulfreien Freitags keine dritte Testrunde stattgefunden hat und wo die Zahlen damit direkt vergleichbar sind: In der Steiermark gab es seit vergangenem Freitag 145 positive Nasenbohrertests (Vorwoche: 134), in Kärnten 61 (Vorwoche: 53), in Tirol 60 (Vorwoche: 43) und in Vorarlberg 16 (Vorwoche: 6). Österreichweit sind derzeit 23 Schulen (Vorwoche: 24) wegen gehäufter Corona-Fälle behördlich geschlossen.

Laut den Wiener Gesundheitsbehörden sind in der Regel 40 Prozent der Antigentests falsch-positiv, das Ergebnis wird also beim aussagekräftigeren PCR-Test nicht bestätigt. Umgekehrt werden mit den eingesetzten „Nasenbohrer“-Tests bei Weitem nicht alle Infizierten aufgespürt. Beim aktuellen Durchgang der Schul-Gurgelstudie wurden bei den von den Schüler selbst durchgeführten Schnelltests zwischen einem Fünftel und einem Viertel der per PCR-Test identifizierten Fälle ebenfalls entdeckt.

Maximal 931 Intensivbetten für Covid-Patienten in Österreich

Österreichweit sind maximal 931 Intensivbetten für Covid-19-Patienten verfügbar. Insgesamt gibt es in allen neun Bundesländern 1.852 Betten auf Intensivstationen, geht aus den Daten der Ampel-Kommission hervor. Mit Stand Mittwoch waren davon noch 524 verfügbar - für Covid-Infizierte waren es 340, 450 waren belegt. Innerhalb einer Woche können weitere 141 Intensivbetten für schwerkranke Corona-Patienten bereitgestellt werden. Das ergibt höchstens 931 Betten für Covid-Kranke.

Somit waren am Mittwoch österreichweit bereits 48,33 Prozent aller spätestens in einer Woche verfügbaren Intensivbetten für Covid-19-Erkrankte belegt. Die Expertenprognose rechnet mit 630 Intensivpatienten in der übernächsten Woche. Damit würden bereits 68 Prozent der maximal verfügbaren Betten benötigt werden.

Laut dem Bericht der Kommission waren Mitte der Woche noch 58 Prozent der insgesamt verfügbaren 2.112 Beatmungsgeräte frei. Besonders kritische Patienten mit schwerstem Lungenversagen werden an ECMO-Geräte angeschlossen. Das steht für Extrakorporale Membranoxygenierung. Das Gerät übernimmt die Lungenfunktion. Davon gibt es österreichweit 68 Maschinen. Am Mittwoch waren bereits 32 Prozent in Verwendung und somit 68 Prozent frei.

Auf den Normalpflegestationen gibt es in ganz Österreich 32.678 Betten. Davon waren am Mittwoch 22.003 von Patienten belegt, dazu kamen 2.961 erkrankte Covid-19-Infizierte. Für sie waren Mitte der Woche noch 2.961 Betten verfügbar.

2.076 Ärzte auf Österreichs Intensivstationen

Im Bericht der Ampel-Kommission, die sich für schärfere „Ost-Maßnahmen“ angesichts der sich zuspitzenden Entwicklung auch im Rest des Landes ausgesprochen hat, wurde auch ein Überblick über die Kapazitäten des Personals gegeben. Demnach gibt es österreichweit auf den Intensivstationen 2.073 Ärzte. Von ihnen waren diese Woche 2,5 Prozent im Krankenstand bzw. nicht arbeitsfähig. Covid-19-Patienten auf Intensivstationen bedeuten einen Mehraufwand in der Versorgung. Österreichweit gibt es auf den intensivmedizinischen Abteilungen der Spitäler 5.646 diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger. Von ihnen waren am Mittwoch 4,1 Prozent krank oder nicht arbeitsfähig. Das Personal im Gesundheitsbereich war laut dem österreichischen Covid-19-Impfplan in der ersten Phase immunisiert worden.

In der Vorwoche waren österreichweit 28,1 Prozent der Neuinfizierten symptomlos, ergab die Clusteranalyse. 75,6 Prozent infizierten sich über den Haushalt, gefolgt von 12,7 Prozent in der Freizeit, 4,6 Prozent in der Arbeit und 4,5 Prozent im Bildungsbereich. Der Altersdurchschnitt der Neuinfizierten war Anfang des Jahres bei 46,7 Jahre und sank bis Anfang März auf 38,2. Seit der Kalenderwoche zehn von 8. bis 14. März stieg er wieder an und lag diese Woche bei 39 Jahren.

Gab es seit Jahresbeginn einen Rückgang an Neuinfektionen und Todesfällen in Heimen - bedingt durch Impfungen und Schutzmaßnahmen, stieg die Sieben-Tagesinzidenz der über 65-Jährigen österreichweit zuletzt wieder, analysierte die Ampel-Kommission. In dieser Bevölkerungsgruppe haben nach den jüngsten Zahlen dieser Woche zumindest 26,78 Prozent eine erste Impfdosis erhalten. Bei der älteren Bevölkerung ab 80 Jahren waren es bis Mittwoch 60,12 Prozent.

Anschober setzt große Hoffnungen in „Grünen Pass“

Ende Juni, spätestens Anfang Juli sollen zwei Drittel der Österreicherinnen und Österreicher zumindest den ersten Stich der Corona-Schutzimpfung erhalten haben. Dieses Ziel hat Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Freitag vor Journalisten bekräftigt. Große Hoffnungen setzt der Minister in den „Grünen Pass“, wobei Anschober betonte, Österreich wäre diesbezüglich Vorreiter innerhalb der EU.

Die anderen Mitgliedstaaten müssten zeitnahe Ähnliches entwickeln und umsetzen, in weiterer Folge habe eine gegenseitige wechselseitige Anerkennung verankert zu werden. „Alles andere wäre völlig sinnlos“, sagte Anschober.

Die innerstaatlich erforderlichen rechtlichen Voraussetzungen für den „Grünen Pass“ sind bereits im Nationalrat beschlossen und werden am kommenden Dienstag vom Bundesrat behandelt. Die technischen Voraussetzungen sind in Bearbeitung. „Erst wenn die technischen Standards final vorliegen, kann man in die Umsetzung gehen“, erläuterte Gerald Schimpf, Leiter des Coronavirus-Krisenstabs im Gesundheitsministerium.

Anschober kündigte an, der „Grüne Pass“ werde „flächendeckend bis Ende April“ die Ergebnisse der Testungen auf SARS-CoV-2 sowie den Genesenen-Status bei Personen, die eine Covid-19-Erkrankung überstanden haben, umfassen. Die Daten aus dem elektronischen Impfpass sollen dann „im Lauf des Juni“ dazukommen. Die Zertifikate für Getestete, Genesene und Geimpfte wird es in analoger und digitaler Form geben - letzteres nicht in Form einer App, sondern als QR-Code mit einem Link, der auf eine Validierungsseite führt. Die Gesundheitsdaten werden direkt in den QR-Code gespeichert, womit eine Überprüfung der Daten auch offline möglich ist. Auf EU-Ebene wäre noch zu klären, wie diese Datenfelder genau aussehen müssen, die einheitlich gestaltet werden sollten, um an den Grenzübergängen bei der Ein- und Ausreise eine rasche Überprüfung möglich zu machen, hieß es.

EU-weite Gültigkeit geplant, aber wohl nicht einfach

Ziel sei eine EU-weite Gültigkeit für die Zertifikate, betonte Anschober, wobei er einräumte, es sei „ein zäher Prozess, sich auf EU-Ebene zu verständigen“. Der Schutz der Daten sei gewährleistet, zumal keine EU-weite Datenbank angelegt wird. Auch in Österreich ist laut Anschober keine neue Datenbank erforderlich, die benötigten Informationen sind - etwa über den e-Impfpass oder das Epidemiologische Meldesystem (EMS) - bereits vorhanden.

Auf die Frage, wie lange der „Grüne Pass“ in Gebrauch sein wird, erwiderte der Gesundheitsminister, dies sei „abhängig von der Pandemie“. „Im Sommer“ werde man diese mit der Impfung „unter Kontrolle bringen“, zeigte sich Anschober zuversichtlich.

Eintrittstests für Handel könnten wackeln

Die vorerst von 7. bis 10. April geplanten Corona-Zutrittstests im Handel in Ostösterreich könnten indes möglicherweise noch am Bundesrat scheitern: SPÖ, FPÖ und NEOS wollen am Dienstag der Novelle des Epidemie- und Covid-Maßnahmengesetzes nicht zustimmen, die eventuell auch die rechtliche Basis für die Tests sein könnte. Unter den Fraktionen herrscht aber noch Unklarheit, ob Gesundheitsminister Rudolf Anschober die Tests nicht auch auf Basis des geltenden Gesetzes verordnen kann.

Im Bundesrat können SPÖ, FPÖ und NEOS mit einer hauchdünnen Mehrheit das Inkrafttreten der Novelle um acht Wochen verzögern. Alle drei Oppositionsparteien haben auf APA-Anfrage angekündigt, dies tun zu wollen. So sind die NEOS etwa vehement gegen die neuen Möglichkeiten, Ausgangsbeschränkungen zu verhängen. Die SPÖ hätte laut Angaben aus dem Klub zugestimmt, wenn auch sogenannte Wohnzimmertests als Eintrittstests für den Handel anerkannt werden. Nachdem ein entsprechender Antrag im Nationalrat aber abgelehnt worden ist, sehen die Roten den Zug abgefahren.

Ob das Gesundheitsministerium die Novelle überhaupt für die Eintrittstests im Handel als notwendig erachtet, oder diese auf Basis der aktuellen Regelungen zum „Betreten und Befahren von Betriebsstätten“ (Paragraf 3 Covid-19-Maßnahmengesetz) auf den Weg bringen will, war zunächst nicht in Erfahrung zu bringen.

WEITERLESEN:
Nationalrat: Neue Corona-Regeln
„Eine ungebremste Reisetätigkeit könnte zu jenem Infektionsschub führen, der in Spitälern von einer extremen Belastung zu einer Überlastung führen könnte.“ Gesundheitsmininster Rudi Anschober