Coronavirus

Steiermark bleibt vorerst ohne strengen Lockdown

Der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) hat am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Graz betont, dass er derzeit einen strengeren Lockdown in der Grünen Mark nicht begründen könnte und es daher vorerst auch keinen geben wird: „Das kann sich aber rasch ändern“, mahnte er. LHStv. Anton Lang (SPÖ) appellierte an die Bevölkerung, auch zu Ostern die Maßnahmen „nicht zu vergessen“.

red/Agenturen

Schützenhöfer begründete die Entscheidung, sich vorerst keinem strengen Lockdown wie in den östlichen Bundesländern anzuschließen, mit der Sieben-Tages-Inzidenz, die momentan nach Vorarlberg die zweitbeste in Österreich sei. „Das wichtigste Ziel bleibt, die Spitalsbetten im Auge zu behalten“, sagte er bei dem Pressegespräch vor der Orangerie. Seine größte Sorge sei aber die Sorglosigkeit der Menschen: „Ob am Kaiser-Josef-Platz oder am Lendplatz, ich sehe Leute, die aufeinander picken. Ich frage mich, wozu wir Regeln haben.“ Wenn sich jeder an die Grundregeln halten würde, wäre das „mehr als die halbe Maut“.

Wenn sich die Menschen nicht an die Maßnahmen halten, „dann werden wir den Lockdown nicht verhindern können“, meinte er weiter. Der LH appellierte an die Eigenverantwortung eines jeden einzelnen. Seitens des Landes will man weiterhin mit zusätzlichen Testangeboten in Hot-Spot-Gemeinden gegen eine rasante Ausbreitung vorgehen. Entscheidend bleibe aber, wann man die Menschen impfen könne. Das hänge von den Liefermengen ab. „Dass wir bis Ende Mai alle über 50 geimpft haben, bleibt wohl ein frommer Wunsch.“ Einmal mehr kritisierte Schützenhöfer die EU und sprach von einem „kollektiven Versagen“, das einzigartig in der Geschichte der Europäischen Union sei.

LHStv. Lang bereite das kommende schöne Wetter zu Ostern Sorge. Mit dem Einhalten der Maßnahmen sei ein wichtiger Schritt gesetzt, um sich zu schützen. Er zeigte sich enttäuscht über die manchmal recht geringe Anzahl an Menschen, die die kostenlosen Tests in ihren Gemeinden wahrnehmen.

Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) kündigte an, dass es nach Ostern in den Schulen und Kindergärten zu Verschärfungen der Maßnahmen kommen werde: Bisher galten Kontaktpersonen von infizierten Kindern unter zehn Jahren in Schulklassen und Kindergruppen als K2-Personen. Künftig sollen sie aber als K1-Kontaktpersonen gelten und daher strengere Auflagen bekommen. In den steirischen Spitälern sei die Lage „relativ stabil“. Derzeit befinden sich 260 Corona-Patienten auf Normalstationen und 56 in Intensivbetten. Der bisherige Höchststand an mit Corona-Patienten belegten Intensivbetten war im Herbst bei 127, so die Landesrätin. „Wir müssen aber genau hinschauen, rasch handeln und testen.“ Auch sie wünscht sich, dass mehr Personen die Testangebote annehmen.

Karlheinz Tscheliessnig, Vorstand der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) meinte, dass man im Vergleich zu Wien, Niederösterreich und dem Burgenland in den Spitälern in der Steiermark noch „Luft nach oben“ habe, man dürfe aber den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen, sollte sich die Situation verschlimmern. Eine Aussendung der FPÖ Steiermark am Mittwoch, wonach in den KAGes-Spitälern die Impfung mit AstraZeneca ausgesetzt worden sei, bezeichnete er als einen „Sturm im Wasserglas“. Tatsächlich sei zwar am Mittwoch ein Impftermin an einem Standort abgesagt worden, weil es nach den neuerlichen Diskussionen am Dienstag zu viele Abmeldungen gegeben habe. Bei einem Verantwortlichen im betroffenen Spital sei eine „Fehlinterpretation“ vorgelegen, weshalb es zu einem missverständlichen Email gekommen sei. Es werde bei der KAGes weiterhin AstraZeneca verimpft. Der abgesagte Termin werde nachgeholt.