Coronavirus

Die „Magic Bullet" fehlt nach wie vor

Monatlich prüft das Austrian Institute for Health Technology Assessment (AIHTA) welche Evidenz es zur Wirksamkeit und Sicherheit von möglichen Covid-19-Medikamenten gibt. Die Bilanz nach 35 Arzneimitteln, die seit April 2020 beobachtet wurden, ist nicht besonders gut, denn einen echten Hoffnungsträger gibt es bisher immer noch nicht. Weder Bamlanivimab noch REGN-COV2, das auch Ex-Präsident Donald Trump bekam, entpuppten sich als ausreichend wirksam.

red/Agenturen

Bei diesen Medikamenten war das Interesse besonders groß, auch deshalb, weil der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Ende Jänner 2021 mitgeteilt hatte, dass er ein 400 Millionen Euro teures Kontingent der beiden in Europa noch nicht zugelassenen Medikamente einkaufen werde. In den USA erhielten die Therapeutika bereits im November 2020 von der FDA eine Notfallzulassung. „Die vorläufigen Ergebnisse aus den noch laufenden klinischen Studien deuten darauf hin, dass die Antikörper-Medikamente die Viruslast von nicht-hospitalisierten Patienten zwar reduzieren können, eine auf Evidenz basierende Empfehlung ist derzeit aber nicht möglich“, so das Fazit von Claudia Wild, der Leiterin des AIHTA.

„Das Medikament muss über eine Infusion verabreicht werden und bedarf also zumindest einer Spitalsambulanz, trotzdem die Patienten nur leicht erkrankt sind und eigentlich zu Hause bleiben sollen“, ergänzte die Expertin die zusätzlichen logistischen Probleme - und für bereits schwerer Erkrankte ist der Antikörper-Cocktail ausdrücklich nicht vorgesehen.

Das Wirken des AIHTA zeigt, dass Österreichs Politik aus der Causa „Tamiflu“ gelernt hat. Zur Erinnerung: Im Jahr 2009, während der Schweinegrippe-Pandemie, wurden voreilig große Mengen vom weitgehend wirkungslosen Grippemittel „Tamiflu“ eingekauft. Ein solcher Fehler wurde rund elf Jahre später nicht mehr gemacht: „In Österreich hat die Politik sehr früh erkannt, dass uns die Covid-19-Pandemie längerfristig beschäftigen wird und das AIHTA damit beauftragt, ein 'Horizon Scanning' von Covid-19-Medikamenten durchzuführen“, sagt Claudia Wild.

Altbekanntes Dexamethason senkt Mortalität

Seit April 2020 evaluiert das Institut kontinuierlich, welche Covid-19-Therapeutika sich in der klinischen Prüfung befinden und welche Evidenz es zu Wirksamkeit und Sicherheit der Arzneimittel gibt. Dadurch soll gewährleistet sein, dass die Beschaffung von Covid-19-Medikamenten evidenzbasiert erfolgt. Bisher wurden 35 potenzielle Kandidaten genauer beobachtet, für jene Medikamente, die EU-weit entweder bereits zugelassen sind oder sich im Zulassungsprozess befinden, hat das AIHTA im Rahmen der Europäischen Zusammenarbeit EUnetHTA Frühbewertungen zu vier Medikamente durchgeführt, neben den bereits erwähnten REGN-COV2 und Bamlanivimab waren dies noch Remdesivir und Dexamenthason.

Ernüchternd sind die vorläufigen Ergebnisse zu Remdesivir, da zeigen die Daten, dass das Mittel zwar eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes etwas verzögern kann, eine Behandlung mit Remdesivir verhindert aber wahrscheinlich keine Todesfälle durch Covid-19. Die besten Ergebnisse ließen sich für Dexamethason, einem „alten“ und lang bekannten Kortikosteroid, beobachten. Damit konnte bei Patienten und Patientinnen, die eine Sauerstofftherapie benötigten, die Mortalität signifikant gesenkt werden. Keine Vorteile durch Dexamethason zeigten sich hingegen bei Covid-19-Patienten, die nicht künstlich beatmet wurden.

Mit dem „Horizon Scanning“ sollen außerdem medikamentöse „Irrlichter“ identifiziert werden, die häufig durch mediale Hypes entstehen. So wurde etwa das Asthma-Medikament Budesonid in der Berichterstattung zahlreicher Medien vorschnell als Heilmittel in der Pandemie gefeiert. Die AIHTA-Analyse zeigte allerdings, dass die derzeitige Datenlage nicht ausreicht, um eine positive Wirkung im Fall einer Covid-19-Erkrankung verlässlich nachweisen zu können.

Die EU-Kommission hat sich in ihrer neuen Behörde „HERA“ (Health Emergency Preparedness and Response Authority) darauf geeinigt, dass sie ein Portfolio von zehn potenziellen Covid-19-Therapeutika zusammenstellt und bis Juni 2021 darunter die fünf vielversprechendsten ermittelt. Anschließend wird das AIHTA gemeinsam mit mehr als 80 Partnern in ganz Europa in EUnetHTA eine Frühbewertung der fünf ausgewählten Medikamente durchführen. „Mit diesem Prozess soll sichergestellt werden, dass EU-weit nur jene Medikamente eingekauft werden, die tatsächlich auch einen Nutzen haben“, erklärt Wild. Deklariertes Ziel von HERA ist es, dass bis Oktober 2021 die Zulassung von drei neuen Therapeutika zur Behandlung von Covid-19 erfolgt.

 

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