Delta-Variante

Virologe mit „Bauchweh" hinsichtlich Delta

Der Virologe Norbert Nowotny von der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat am Mittwoch vor der Delta-Variante des Coronavirus gewarnt. Diese zuerst in Indien aufgetretene Variante „scheint sich nicht an den Saisonalitätseffekt zu halten“, sagte er am Mittwoch im Gespräch mit dem TV-Nachrichtensender „Puls 24“. Sie sei hitzeresistenter und um 60 Prozent ansteckender als Alpha, die Variante, die auch als britische Mutante bezeichnet wird

red/Agenturen

„Dieses Virus könnte uns jetzt teilweise wieder den Sommer vermiesen“, befürchtet Nowotny. Nowotny warnte, dass es zu wenig Daten zur Delta-Variante gibt. „Wir müssen mehr Stichproben haben.“ Er sei sich sicher, dass die Dunkelziffer relativ hoch sei. Die Variante sei in Großbritannien vorherrschend. Darüber hinaus habe sie „überall in Kontinentaleuropa Fuß gefasst und könnte sich deutlich ausbreiten“. Die Zahlen würden derzeit jede Woche „um das Doppelte“ steigen.

Die Gegenstrategie liegt für Nowotny auf der Hand: „Wir bräuchten mehr Impfungen „, forderte der Experte. Es gebe „ganz klare Hinweise“, dass Vollimmunisierte sehr gut gegen die Delta-Variante geschützt seien. „Das Problem ist: Leider sind noch nicht so viele Menschen in Österreich komplett immunisiert.“ Dazu sollte es mehr PCR-Tests geben, die deutlich genauer als Antigen-Tests seien.

Eine Absage erteilte der Virologe in dem Zusammenhang Forderungen, dass Testzentren zugesperrt werden sollen. „Auf keinen Fall die Zentren schließen, sondern im Gegenteil erweitern“, wäre seine Devise. Verstärktes Monitoring bei Urlaubsrückkehrern wäre eine weitere Maßnahme.

Manche Öffnungsschritte „überdenken“

„Bauchweh“ verursachen Nowotny geplante weitere Öffnungsschritte, vor allem Großevents, die wieder erlaubt werden sollen. „Es könnte sein, dass die Regierung manche Öffnungsschritte überdenken sollte“, sagte der Experte im Hinblick auf Öffnungen von Clubs.

Auch zum geplanten weiteren Verlauf der Fußball-EM zeigte sich der Virologe skeptisch. Er sei sich nicht sicher, dass die Austragung von Halbfinale und Finale im Londoner Wembley-Stadion halten werde, sagte er angesichts der Infektionszahlen in Großbritannien. Die Spiele ohne Fans abzuhalten, wäre ein „Lösungsansatz, den keiner will“. Auch die Verlegung in ein anderes Land sei angesichts der Infektionsentwicklung keineswegs sicher.