Austrian Health Forum

Neue Versorgungsformen für chronisch Kranke

In der Umsetzung von telemedizinischen Anwendungen zur Versorgung chronisch kranker Patienten werden in der Steiermark innovative Schritte gesetzt, wie am Austrian Health Forum, das noch bis zum 26. Juni in Schladming stattfindet, zu erfahren war. Tele-Monitoring bei Herzinsuffizienz, telemedizinische Versorgung von Diabetikern und Bluthochdruckpatienten sowie Tele-Visite bei Hauterkrankungen sind einige der aktuellen Projekte, die bei der Expertentagung angesprochen wurden.

red/Agenturen

„Digitalisierung im Gesundheitsbereich ist eine gute Möglichkeit, die Gesundheitsversorgung noch qualitätsvoller und effektiver anbieten zu können. Uns als Gesundheitsfonds ist es wichtig, dass die erfolgreich erprobten Technologien nun auch in Anwendung gebracht werden“, unterstrich Bernd Leinich, Geschäftsführer des Gesundheitsfonds Steiermark, durch welchen die steirischen eHealth-Projekte koordiniert werden. Er stellte erfolgreiche Initiativen vor, und legte dar, inwieweit durch telemedizinische Anwendungen bessere Versorgungsqualität für chronisch Kranke erzielt werden kann.

„HerzMobil Steiermark“ ist ein IT-basiertes Versorgungsprogramm für Patientinnen und Patienten mit schwerer Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt. Es wird mit der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft KAGes als auch mit niedergelassenen Internisten umgesetzt: Die speziell geschulten Patienten können dabei von zuhause aus ihrem Arzt über das Mobiltelefon und eigener App regelmäßig ihre medizinische Daten (Blutdruck, Blutzucker, Herzfrequenz etc.) übermitteln. Wenn Grenzwerte überschritten werden, benachrichtigt das System das Betreuungsteam, welches die notwendigen Schritte - wie etwa eine Anpassung der Medikation - setzt. Entwickelt wurde die telemedizinische Lösung vom Austrian Institute of Technology (AIT) gemeinsam mit den Ländern Tirol und Steiermark. Bis Ende 2022 soll es laut dem steirischen Gesundheitsfonds landesweit umgesetzt sein.

Allgemeinmedizin telemedizinisch am Vormarsch

Im Rahmen des Pilotprojektes „Telemonitoring Mürztal“ werden in der Region Mürztal Patienten mit Diabetes mellitus und mit Hypertonie telemedizinisch betreut. Hier wurde - ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem AIT - ein Tool entwickelt, womit die Patienten mithilfe eines elektronischen Tagebuchs ihre Messwerte festhalten und unkompliziert an den behandelnden Arzt weiterleiten können. Die konsequente Dokumentation ermögliche wiederum ein nachhaltiges Controlling und - wenn nötig - eine rasche Therapieanpassung. Zusätzlich werden etwa auch Körpergewicht und Blutdruck erfasst, die in die Gesamtbewertung mit einbezogen werden können. Das engmaschige Monitoring hat die Stabilisierung der Erkrankung, die Steigerung der Lebensqualität, Leistungsfähigkeit sowie der Compliance zum Ziel. Das Projekt läuft bis Ende September 2021.

Auch Hauterkrankungen befinden sich im Vormarsch, die Häufigkeit des Melanoms nimmt zu, der Weg zum Dermatologen ist aber mitunter weit und die Wartezeit auf einen Termin lang. Mithilfe der Tele-Dermatologie soll es jetzt im Bezirk Liezen anders werden: Dabei können Allgemeinmediziner eine Erstdiagnose stellen. Diese wird samt detaillierter Fragestellung und professionellen Bildern über ein sicheres Portal zu den am Projekt beteiligten Hautärzten geschickt. Lange Anfahrten und Wartezeiten auf Termine bleiben dadurch erspart.

Machine learning und Co.

Finanziert wird das Projekt über den Gesundheitsfonds Steiermark und die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) Steiermark. Entwickelt wurde es von Experten der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie der Med-Uni Graz, koordiniert wird es von der Ärztekammer für Steiermark. Das Projekt ist bis Ende 2021 befristet und es ist geplant im Bezirk Liezen auch zukünftig eingesetzt zu werden, wie Leinich berichtete. Über eine steiermarkweite Anwendung wird demnächst verhandelt werden.

Weitere eHealth-Projekte für Patienten mit chronischen Wunden (Tele-Wundmanagement) oder auch die Entwicklung von Online-Therapieformen zur Rehabilitation onkologischer HNO-Patienten im gewohnten sozialen und häuslichen Umfeld wurden im Rahmen der Steirischen Digitalisierungsoffensive 2020 bereits bewilligt, berichtete Leinich. Ebenso steht ein Konzept zur Prävention von Herz- und Nierenerkrankungen mithilfe von Laborwerten, Machine Learning und Web-App in den Startlöchern. Die letztgenannten Projekte werden innerhalb der kommenden drei Jahre mit insgesamt 530.000 Euro gefördert, wie es vonseiten des Gesundheitsfonds Steiermark hieß.

„In der Umsetzung von eHealth-Projekten zur Versorgung chronisch Kranker ist die Steiermark ein Vorreiter in Österreich“, wie der Geschäftsführer des steirischen Gesundheitsfonds sagte. Er sieht jedoch einen Bedarf an besserer Vernetzung und Abstimmung der Systempartner, um die Innovationen letztlich auch großflächig umzusetzen. „Uns würde es freuen, wenn eine bundesweite Abstimmung unter der Koordination des Gesundheitsministeriums möglich wäre“, schloss Leinich.