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Coronavirus

Fußball-EM: Virologe: Gefüllte Stadien senden „falsche Signale“

Der deutsche Virologie-Professor Ortwin Adams aus Düsseldorf sieht in gefüllten Stadien während der Fußball-EM die falschen Signale. „Wir spielen auf Risiko vor allem gegenüber zwei Gruppen: den Patienten, die dann doch mit Covid auf den Intensivstationen landen, und denjenigen, die sie versorgen müssen“, sagte Adams der „Rheinischen Post“. Letztlich seien laut dem Virologen aber alle in der Gesellschaft betroffen.

red/Agenturen

Adams erwartet, dass die Corona-Infektionszahlen für den Beginn einer neuen Welle noch jahrelang genau überwacht werden müssen. „Es wird noch einige Jahre so weitergehen. Mit hoffentlich abnehmender Intensität und weniger Aufwand an Maßnahmen“, sagte Adams auf die Frage, wie lange die Bevölkerung und die Behörden im Umgang mit der Pandemie noch wachsam sein sollten.

Für die Halbfinals und das Endspiel im Londoner Wembley-Stadion sollen 60.000 Zuschauer zugelassen werden. Weil die Corona-Zahlen durch die Delta-Variante zuletzt in Großbritannien wieder stiegen, ist der Schritt umstritten. Auch in St. Petersburg, wo am Freitag das Viertelfinale zwischen Spanien und der Schweiz ausgetragen wurde, waren die Zahlen zuletzt gestiegen.

Corona-Situation in Tokio gibt vermehrt Anlass zur Sorge

Die Corona-Situation in Tokio drei Wochen vor Eröffnung der Olympischen Spiele gibt weiteren Anlass zur Sorge. Tokio-Gouverneurin Yuriko Koike sagte am Freitag, dass der Anteil der Virus-Mutationen unter den Infektionen zunimmt und Vorsicht geboten sei. Demnach sei die Frage auch aktueller, ob einheimische Zuschauer tatsächlich zugelassen werden sollen. Jedenfalls soll der Verkehr in der Metropole während der am 23. Juli beginnenden Spiele um 30 Prozent reduziert werden.

Olympia-Organisationschefin Seiko Hashimoto wiederum bat um Verständnis für die wegen der Corona-Situation strengen Richtlinien während der Spiele. Speziell bezog sie sich auch auf die eingeschränkte Bewegungsfreiheit der Medien, forderte aber gleichzeitig zum Einhalten der ausgegebenen Verhaltensmaßnahmen und -vorschriften („Guidelines“) auf.

Auch Hashimoto meinte, dass es nicht um jeden Preis Spiele mit Zuschauern werden müssen. Wichtiger sei, dass das Großereignis sicher und mit einer minimalen Belastung des medizinischen Systems abgehalten werden. Das Organisationskomitee sei für die Option vorbereitet, die Spiele vor leeren Rängen ablaufen zu lassen. Aktuell sind bis zu 10.000 Zuschauer in den Stadien zugelassen, aber nicht mehr als 50 Prozent des Fassungsvermögens einer Arena.

Option: Keine Zuschauer abends

Laut Informationen der Tageszeitung Yomiuri vom Freitag gibt es Überlegungen, für die abendlichen Events keine Zuschauer zuzulassen. Diese Forderungen hatten die Gouverneure der nahe Tokio gelegenen Präfekturen von Chiba und Saitama gestellt, wo ebenfalls Olympia-Wettkämpfe stattfinden werden. Gespräche von Koike, Spitzen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und des Organisationskomitees in der Zuschauerfrage sind für nächsten Donnerstag angesetzt.

Koike hatte ihre Amtsgeschäfte zuletzt wegen Erschöpfung ruhen lassen. Nun von ihrem Krankenhausaufenthalt zurückgekehrt, entschuldigte sie sich für ihre Abwesenheit so knapp vor den Spielen. In Japan gab es bisher rund 800.000 Corona-Infektionen sowie 14.770 Todesfälle. Nur 23 Prozent der Bevölkerung haben zumindest eine Impfung erhalten, lediglich neun Prozent sind vollimmunisiert.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat indes ihre Erkenntnisse aus den Zuschauermassen und Menschenansammlungen bei der Fußball-EM gezogen und zur Vorsicht gemahnt. „Wenn das Virus da ist und keine Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, wird sich das Virus ausbreiten“, sagte WHO-Corona-Expertin Maria van Kerkhove. „Wir empfehlen jedem dringend, bei allem Tätigkeiten Vorsicht walten zu lassen. Die Entscheidungen eines jeden hat Konsequenzen - gute und schlechte.“

Koike hatte ihre Amtsgeschäfte zuletzt wegen Erschöpfung ruhen lassen. Nun von ihrem Krankenhausaufenthalt zurückgekehrt, entschuldigte sie sich für ihre Abwesenheit so knapp vor den Spielen. In Japan gab es bisher rund 800.000 Corona-Infektionen sowie 14.770 Todesfälle. Nur 23 Prozent der Bevölkerung haben zumindest eine Impfung erhalten, lediglich neun Prozent sind vollimmunisiert.

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Rund 60.000 Zuschauer sollen für die Halbfinale und das Endspiel im Londoner Wembley-Stadion zugelassen werden.
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