Institut für Molekulare Pathologie

Resistenzen bei Krebs-Ersttherapie gefährden zweiten Angriff

Führen Mediziner eine zielgerichtete Krebstherapie durch, bis der Tumor dagegen resistent ist, gefährdet das eine nachfolgende Immuntherapie, berichten Forscher des Instituts für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien im Fachjournal „Nature Cancer“. Dann sind nämlich wichtige Immunzellen (dendritische Zellen) geschwächt. Die zielgerichtete Therapie sollte demnach kurz gehalten oder die Immuntherapie bei früh erkannten Tumoren vorgezogen werden, meinen sie.

red/Agenturen

Eine gerne angewendete Strategie gegen bösartige Geschwüre ist es, ihr Wachstum zunächst mit einer zielgerichteten Krebstherapie zum Stoppen zu bringen, und dann das Immunsystem anzustacheln, die Tumorzellen auszurotten, so die Forscher um Anna Obenauf in einer Aussendung des IMP: „Die Kliniker geben die zielgerichtete Therapie oft zuerst und hören erst damit auf, wenn sie Resistenzen beobachten, um eine Immuntherapie anzuwenden, die den Job beenden soll.“ Das funktioniert aber nicht immer wie gewünscht, denn bei einigen Patienten wächst der Tumor dann einfach wieder weiter.

Bei Mäusen angewendet

Die Forscher haben diese Therapiefolge bei Mäusen mit Hauttumoren angewendet. „Bei der zielgerichteten Therapie entwickelten die Hauttumore in 75 bis 80 Prozent der Fälle eine Resistenz, was recht alarmierend ist“, so Studienautorin Lisa Haas. Dadurch wird aus irgend einem Grund die Zusammensetzung der Immunzellen im Tumor beeinflusst. Sie haben weniger dendritische Zellen, und die übriggebliebenen funktionieren nicht richtig. „Das Resultat war, dass die Immuntherapie das Immunsystem nicht effektiv wachrütteln konnte und die Tumorzellen unbemerkt weiterwachsen konnten“, erklären die Forscher.

Es sei daher wichtig, dass man bei der zielgerichteten Therapie unbedingt Resistenzen vermeidet. Nur dann könne eine nachfolgende Immuntherapie effektiv wirken. „Man sollte sie als Erstbehandlung auf eine kurze Zeit beschränken“, schrieben sie: Bei früh entdeckten Krebsgeschwüren wäre es auch besser, wenn die Immuntherapie die erste Attacke gegen den Tumor durchführt, damit keine Resistenzen sie behindert. „Eine gute Nachricht ist auch, dass bereits klinische Versuche laufen, wie man die dendritischen Zellen aktivieren könnte, um die Effektivität der Immuntherapie zu verbessern“, so Haas.