Publikation

Tumor-Umgebung soll auf „feindlich“ umgeschaltet werden

Bösartige Tumore sind wesentlich von einer sie tolerierenden Umgebung abhängig. Das amerikanisch-österreichische Biotech-Unternehmen Hookipa hat jetzt Daten aus einem Mausmodell mit einer neuen Immuntherapie gegen Melanomerkrankungen veröffentlicht. Mit einem Virus-abgeleiteten Vektor soll die Tumor-Umgebung auf „feindlich“ geschaltet werden.

red/Agenturen

Das Unternehmen mit Hauptsitz in New York und Zweitsitz in Wien wurde 2011 vom Schweizer Medizin-Nobelpreisträger Rolf Zuckernagel und Mitarbeitern gegründet und beschäftigt sich vor allem mit der Entwicklung neuer Immuntherapien. In Nature Communications wurden vor wenigen Tagen von einer Schweizer Studiengruppe die Ergebnisse mit einer möglichen neuen Immuntherapie gegen das Melanom unter Verwendung einer „Genfähre“ auf der Basis eines Arenavirus (Lymphocytic Chorionmengitis Virus - LCMV) publiziert. Es geht dabei um die Beeinflussung der Umgebung von Tumoren, um die Abwehrkräfte zu stärken.

„Die Mikroumgebung von Tumoren ist eine komplexe Mischung aus Tumorzellen, Immun-, Endothel- und Bindegewebezellen. Mit Krebs in Verbindung stehende Fibroblasten (Bindegewebezellen; Anm.) werden generell als die Tumore fördernd angesehen“, schrieben Sandra Ring (Institut für Immunbiologie am Kantonsspital St. Gallen) und ihre Co-Autoren in der wissenschaftlichen Zeitschrift. Es sei aber auch möglich, dass bestimmte Fibroblasten eine Rolle bei der Kontrolle des Wachstums von Tumoren durch das Immunsystem haben könnten.

Der an Mäusen ausgetestete mögliche Therapieansatz: Die Wissenschafter konstruierten einen Gen-Vektor aus dem LCM-Virus. Diese „Genfähre“ (artLCMV-TRP2) sollte infizierte Zellen zur Bildung des Melanom-assoziierten Antigens TRP2 veranlassen. Auf TRP2 sollte wiederum das Immunsystem mit einer Abwehrreaktion gegen das Melanom reagieren. Die Wissenschafter: „Das Zellen nicht schädigende LCM-Virus infiziert eine ganze Reihe von Zellen inklusive weiße Blutkörperchen, Epithel- und Endothelzellen (beides Hautzellen; Anm.) sowie Bindegewebszellen.“ Gleichzeitig verursache eine Infektion eine starke Immunantwort.

Therapie führte zu Tumor-Rückbildung

In der Versuchsreihe wurden Mäusen zunächst Melanomzellen injiziert, die zur Bildung von Tumoren in der Haut und zur Metastasenbildung in der Lunge führten. Dann bekamen die Tiere einmal eine Injektion des LCMV-Vektors mit dem TRP2-Antigen. Die Wissenschafter: „Die in den Tumor erfolgte Therapie bei Melanomen (...) mit artLCMV-TRP2 führte bei allen Mäusen zu einer Rückbildung des Tumors und bei 60 Prozent von ihnen zu einer langfristigen Heilung. Das geschah dosisabhängig.“ Wurde der Vektor hingegen in den Blutkreislauf verabreicht, zeigte sich keine Wirkung.

Darüber hinaus wurde auch ein langfristig schützender Effekt erzielt. Mäuse, die behandelt worden waren, zeigten nach neuerlicher Injektion von Melanomzellen kein Tumorwachstum mehr. Die Wirkung wird von den Wissenschaftern auf mehrere Faktoren zurückgeführt: vermehrte Bildung von CD8-positiven „Killerzellen“, die spezifisch auf das Melanom reagieren, verringerte Erschöpfung der in der Tumorumgebung auftauchenden Immunzellen, sowie die vermehrte Bildung von das Abwehrsystem stimulierenden CD4-positiven Helferzellen. Außerdem dürfte die Therapie bei den Tieren zu einem lang anhaltenden Immungedächtnis geführt haben.

Bei den Arbeiten handelt sich es um klassische präklinische Studien. Hookipa hat mehrere ähnliche Projekte auf der Basis von Virus-abgeleiteten Vektoren in klinischen Studien mit Krebspatienten in Arbeit. Dabei geht es zum Beispiel um Karzinome des Rachenraumes, die durch HPV16-Viren (Human Papilloma Virus) hervorgerufen werden.

 

Neuroblastom
Ein amerikanisch-österreichisches Biotech-Unternehmen veröffentlichte Daten zu neuer Immuntherapie.
Histopathology specimen of neuroblastoma (HE stain). Neuronal cells are beginning to maturate, Jensflorian/flickr