Zellforschung

Lithium könnte Zellen vor Schäden durch Bauchfelldialyse schützen

Mit Lithiumchlorid-Salzen könnten sich Wiener Forschern zufolge schädliche Nebeneffekte der vor allem bei Kindern mit Nierenversagen eingesetzten Bauchfelldialyse abfedern lassen. In Untersuchungen bei Mäusen konnte das durch die Dialyseflüssigkeiten beeinträchtigte Bauchfell entlastet werden. Im Fachblatt „Science Translational Medicine“ beschreiben die Forscher auch ein Protein als möglichen Ansatzpunkt, um beim Menschen therapeutisch einzugreifen.

red/Agenturen

Für Patienten, deren Nieren endgültig versagen, gibt es mehrere Optionen: Die Nierentransplantation, mit entsprechenden Wartezeiten bis zur Verfügbarkeit eines Spenderorgans, oder die Hämodialyse, die dreimal pro Woche eine Fahrt ins Dialysezentrum bedeutet. Dabei werden die sich im Blut ansammelnden Giftstoffe durch entsprechende Geräte direkt aus dem Blut gefiltert.

Die dritte Möglichkeit ist die Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse; PD), die zu Hause durchgeführt werden kann und an sich weniger belastend als die Hämodialyse ist. Ein erwachsener Patient füllt dabei mehrmals am Tag eine Dialyseflüssigkeit über einen Katheter in den Bauchraum. Durch die Bauchfellmembran treten Flüssigkeit und Stoffwechselendprodukte durch osmotischen Druck in die Dialyseflüssigkeit über und werden mit ihr wieder entfernt. Die Methode wird vor allem bei von Nierenversagen betroffenen kleineren Kindern sehr häufig angewendet.

Beimischung des Salzes hilft Zellen beim Überleben

Zwar ist die Bauchfelldialyse weniger belastend als die Hämodialyse, es gibt aber entscheidende Einschränkungen. Die Stoffe in den Dialyseflüssigkeiten führen nämlich zu Schädigungen des Bauchfells. Zellen können herausgerissen werden, was zu Entzündungen und Vernarbungen führen kann. Die Fähigkeit des Bauchfells als Membran zu fungieren kann nach kurzer Zeit beeinträchtigt sein, wenn körpereigene Schutzmechanismen gegen die Dialyseflüssigkeiten nicht wirksam werden. Seit 2016 widmet sich an der Medizinischen Universität Wien daher ein Christian Doppler (CD)-Labor für „Molekulare Stressforschung in der Peritonealdialyse“ dem Thema.

Das Team um Studien-Erstautorin Rebecca Herzog und Klaus Kratochwill hat der Dialyseflüssigkeit nun Lithiumchlorid-Salz (LiCl) hinzugefügt, das etwa auch in Medikamenten zur Stimmungsaufhellung eingesetzt wird. Über die Richtung des möglichen Effekts gab es zuvor unterschiedliche Befunde. Im Rahmen der neuen Studie zeigten die Wissenschafter nun bei Mäusen, dass das Beimischen des Salzes den beanspruchten Zellen beim Überleben helfen und den Abbau des Gewebe verzögern kann. Das geschah vor allem, weil das Salz einem bestimmten Protein - dem sogenannten Alpha B-Cristallin - entgegenwirkt, wie die Forscher herausfanden.

Unterdrückte man die Bildung des Proteins hatte dies bei den Mäusen positive Effekte. Auch bei Zellen, die von 20 kleinen Patienten mittels Biopsien entnommen wurden, zeigte sich, dass die Konzentration von Alpha B-Cristallin durch die Dialyseflüssigkeit erhöht wurde. Der Mechanismus dürfte demnach beim Menschen ähnlich ablaufen. Die Beigabe von Lithiumchlorid-Salz könnte daher zu einer umsetzbaren therapeutischen Strategie werden, um die Schädigung des Bauchfells zu bekämpfen, schreiben die Wissenschafter in ihrer Arbeit.

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