Corona-Pandemie

Schweiz verzichtet zunächst auf schärfere Schutzmaßnahmen

Die Zahl der Neuansteckungen mit dem Coronavirus in der Schweiz stabilisiert sich – wenn auch auf hohem Niveau. Aus diesem Grund und trotz hoher Corona-Neuinfektionszahlen will die Schweizer Regierung jedoch die Schutzmaßnahmen vorerst nicht verschärfen. Gleichzeitig füllen sich die Intensivstationen. Eine Aufstockung scheint dieses Mal kaum möglich.

red/Agenturen

Die Zahl der Corona-Fälle sei in allen Altersgruppen stabil oder leicht rückläufig, schreibt die wissenschaftliche Taskforce des Bundes in ihrer neuesten epidemiologischen Lagebeurteilung vom Mittwoch. Einzig bei den Kindern unter zwölf Jahren werde ein Anstieg beobachtet. Am Mittwoch wurden dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) innerhalb von 24 Stunden 3.202 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet.

Zunächst keine schärferen Schutzmaßnahmen

Trotz hoher Corona-Neuinfektionszahlen will die Schweizer Regierung jedoch die Schutzmaßnahmen vorerst nicht verschärfen. „Die Zahl der Spitaleinweisungen von Corona-Patientinnen und -Patienten ist weiterhin hoch, hat in der letzten Woche aber nicht mehr zugenommen“, argumentierte die Regierung am Mittwoch. Es zeichne sich eine Stabilisierung der Infektionszahlen ab. Zudem ließen sich wieder mehr Menschen impfen. Deshalb werde von einer Verschärfung vorerst abgesehen. Im Raum stand etwa, Besuche in Restaurants oder Fitnesscentern nur noch für Geimpfte, Genesene oder Getestete zuzulassen.

Der 7-Tagesschnitt der Neuinfektionen habe sich damit in den letzten zwei Wochen bei durchschnittlich rund 2.500 pro Tag stabilisiert. Gleichzeitig registrierte das BAG drei neue Todesfälle. Diese Zahl lag in den letzten zwei Wochen jeweils zwischen eins und sechs pro Tag. Auch die Hospitalisierungen seien stabil und beträfen hauptsächlich Erwachsene im Alter von 35 bis 64 Jahren. Neu meldete das BAG 84 Spitaleinweisungen.

Personal fehlt

Insgesamt stehen in der Schweiz 866 Intensivbetten zur Verfügung, davon sind im Moment 190 noch frei. Allerdings könnten aufgrund vom fehlenden Fachpersonal nie alle zertifizierten Betten auch tatsächlich betrieben werden, teilte die Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) auf Anfrage mit. Nach Angaben der Gesundheitsdirektorinnenkonferenz (GDK) würde das Personal in der Schweiz für die konstante Betreuung von 750 bis 800 IPS-Betten reichen. Denn die Spezialistinnen und Spezialisten könnten auch nicht mehr zu Sondereinsätzen aufgeboten werden.

Das bestätigt die Geschäftsführerin des Pflegeberufsverbandes, Yvonne Ribi, auf Anfrage. Gegenüber dem SRF-Nachrichtenmagazin "10vor10" hatte sie erklärt, dass es mittlerweile zehn bis 15 Prozent weniger Pflegeexpertinnen Intensivpflege gebe, als noch zu Beginn der Pandemie.

Die Zahl beruhe auf Schätzungen von Expertinnen aus der Intensivmedizin, die täglich mit der Personalplanung zu tun hätten. Und im Gegensatz zu den vorherigen Wellen stehe auch weniger Zusatzpersonal zur Verfügung. "Werden trotzdem mehr Patienten auf den Intensivstationen hospitalisiert, muss mit Qualitätseinbussen gerechnet werden, sagte Ribi auf Anfrage.

Impfaufrufe: Appell an die Bevölkerung

Gleich wie die Bundespräsident Guy Parmelin und die Kantone appellierte deshalb auch sie an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen. Diese Maßnahme helfe am meisten, das Pflegepersonal zu entlasten und so eine Überlastung der Intensivstationen zu verhindern.

Parmelin sagte vor den Medien, jede und jeder habe das Recht, anders zu denken. Aber es beunruhige ihn, wenn Mitbürgerinnen und Politiker verunglimpft würden, weil sie anderer Meinung seien. Die Schweizer Politik baue auf die Verantwortung jedes einzelnen Bürgers und jeder einzelnen Bürgerin. Und diese müssten sich fragen, was sie selbst dazu beitragen könnten, um die Pandemie und die wirtschaftliche Krise zu beenden.

Die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli ging sogar soweit, Impfgegnern zu empfehlen, "eine Patientenverfügung ausfüllen, worin er bestätigt, dass er im Fall einer Covid-Erkrankung keine Spital-und Intensivbehandlung will. Das wäre echte Eigenverantwortung", sagte Rickli gegenüber den Tamedia-Zeitungen.

Bundesrat hilft Tourismus und SBB

Angesichts der unsicheren Entwicklung will der Bundesrat Teile des Gesetzes zur Bekämpfung der Corona-Pandemie über das Ende des Jahres 2021 hinaus verlängern. Er hat darum entschieden, dem Parlament vorsorglich einen Verlängerungsantrag zu stellen.

Von einem Hilfsprogramm soll die Tourismusbranche profitieren. Mit dem sogenannten „Recovery Programm“ sollen die Nachfrage wiederbelebt und die Innovationsfähigkeit erhalten werden. Insbesondere der Städte- und der Geschäftstourismus sowie auf internationale Gäste ausgerichtete Destinationen hätten unter der Corona-Krise stark gelitten.

Außerdem beschloss der Bundesrat, die Limite der SBB für kurzfristige Darlehen von 750 auf 950 Millionen Franken zu erhöhen und damit deren Finanzierungslücke zu stopfen. Damit sollen unter anderem die beschlossenen Investitionen gesichert werden.

 

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