Magnetresonanz verbessert Prostatakrebs-Früherkennung

Mit jährlich rund 6.000 Neudiagnosen ist Prostatakrebs auch in Österreich die häufigste bösartige Erkrankung bei Männern. 2020 starben rund 1.400 Betroffene an der Erkrankung. Die Früherkennung wird durch oft zunächst nicht aussagekräftige Befunde erschwert. Jetzt könnte sich per Magnetresonanz-Untersuchung (MRT) eine deutliche Verbesserung der Treffergenauigkeit ergeben.

red/Agenturen

Bei der Jahrestagung des Verbandes der urologischen Fachgesellschaften Europas wurde vor kurzem eine schwedische Studie mit potenziell erheblicher Folgewirkung für das zukünftige Vorgehen in der Prostatakrebs-Früherkennung vorgestellt: Eine MRT-gesteuerte Biopsie könnte demnach in der Untersuchung auf ein Prostatakarzinom die Zahl sonst notwendigen Operationen halbieren, ohne dass gefährliche Erkrankungen übersehen werden.

Die Ausgangslage: Ein geregeltes Screeningprogramm mit Einladungen zur Untersuchung ähnlich dem Brustkrebsscreening für Frauen kann laut wissenschaftlichen Studien die Sterblichkeit durch Prostatakarzinomen um etwa ein Fünftel reduzieren. Doch solche Programme werden international kaum angeboten. Die PSA-Werte im Blut (Prostata-spezifisches Antigen) sind nicht aussagekräftig genug. Bei verdächtigen PSA-Konzentrationen wird jedenfalls eine Stanzbiopsie der Drüse notwendig. Ein relativ großer Teil der diagnostizierten Erkrankungen erweist sich schließlich als wenig gefährlich. Es kommt zu mehr Operationen mit Entfernung der Prostata und belastenden Folgen als an unbedingt erforderlich.

Die schwedischen Wissenschafter um Martin Eklund vom Karolinska Institut in Stockholm setzten daher vor Biopsien eine Magnetresonanzuntersuchung zur Feststellung allfälliger verdächtiger Gewebeneubildungen an. Außerdem kombinierten die Forscher das bildgebende Verfahren mit den sogenannten „Stockholm 3"-Parametern: Alter, Krankengeschichte der Familie, bestimmte Genvarianten und fünf Laborwerte aus Blutuntersuchungen (z.B. zwei PSA-Varianten und drei andere Proteine).

Nur noch bei 36 Prozent Biopsie erforderlich

An der Studie nahmen 1.532 Männer im Alter von 50 bis 74 Jahren teil, bei denen in einer Blutprobe ein verdächtiger PSA-Wert von drei Nanogramm pro Milliliter Blut oder mehr gefunden wurden. Die Teilnehmer wurden zwei unterschiedlichen Strategien zugeteilt. In der Gruppe mit herkömmlichem Vorgehen wurden 603 Männer zu den Biopsien eingeladen. 73 Prozent nahmen daran teil.

Im Vergleich dazu wurde bei 929 Männern vor der Biopsie nach den auffälligen PSA-Blutwerten sowohl eine Risikobestimmung nach den „Stockholm 3"-Kriterien als auch eine MRT-Untersuchung durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass nur noch bei 36 Prozent eine Biopsie erforderlich war. Außerdem wurden dabei nur noch drei statt sonst bis zu einem Dutzend Gewebeproben entnommen. Das führte auch zu einer Halbierung der Infektions-Komplikationen von vier auf zwei Prozent.

Mit der Häufigkeit der Diagnose eines gefährlichen Prostatakarzinoms bei 21 Prozent der Probanden unter Verwendung der neuen Strategie und bei 18 Prozent in der Gruppe der auf herkömmliche Weise betreuten zeigte sich, dass beide Verfahren in dieser Hinsicht ähnlich genau waren. Allerdings war mit der bildgebenden Untersuchung plus „Stockholm 3" die Rate der Biopsien halbiert worden. Gleichzeitig kam es mit der neuen Strategie zu um zwei Drittel weniger Diagnosen von „harmlosen" Prostatakarzinomen (in vier statt zwölf Prozent der Fälle). Damit konnten in diesen Fällen Operationen verhindert werden.

Die wissenschaftliche Arbeit ist auch im New England Journal of Medicine erschienen (2. September). Zusätzlich zu einer anderen europäischen und einer kanadischen Studie liegt damit laut dem Deutschen Ärzteblatt zum dritten Mal ein wissenschaftlicher Beweis für den Wert von MRT-Untersuchungen zur Früherkennung von Prostatakrebs vor. Die Österreichische Krebshilfe rät Männern ab 45 Jahren zu regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen beim Urologen. Die Intervalle sind altersabhängig. Auch die Laborparameter (PSA etc.) verändern sich mit dem Alter.