Europäischer Drogenbericht

Heroinkonsum ist rückläufig

Was allerdings zunehmen dürfte, ist die Kokainproblematik. Mehr illegale Drogen werden beschlagnahmt. Die US-Opioid-Epidemie hat bisher nicht auf Europa durchgeschlagen, doch es gibt mehr hoch wirksame synthetische Opioide. Drogen sind vor allem eine Angelegenheit junger Erwachsener. Dies zeigt der am Donnerstag in Brüssel vorgestellte europäische Drogenbericht 2019.

red/Agenturen

„Der aktuelle Bericht zeigt die komplexe Natur des europäischen Drogenphänomens", erklärte Dimitris Avramopoulos, EU-Kommissar für Inneres, bei einer Pressekonferenz in Brüssel. Drogengebrauch ist immer von lokalen Gegebenheiten, kulturellen und sozialen Einflussfaktoren bestimmt.

Alex Goosdeel, Direktor der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA/Lissabon), ergänzte: „Die Herausforderungen (...) nehmen zu. Es gibt nicht nur Anzeichen für eine erhöhte Verfügbarkeit etablierter pflanzlicher Drogen wie Kokain, sondern auch einen wachsenden Markt, auf dem synthetische Drogen und die Herstellung von Drogen innerhalb von Europa von zunehmender Bedeutung sind. Dies zeigt sich an den Problemen im Zusammenhang mit dem Konsum hochpotenter synthetischer Opioide, an neuen Herstellungsverfahren für MDMA (Ecstasy; Anm.) und Amphetamin sowie an den aktuellen Entwicklungen bezüglich der Verarbeitung von Morphin zu Heroin innerhalb der Grenzen Europas."

Die EMCDDA geht davon aus, dass in der EU rund 96 Millionen Menschen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren zumindest einmal illegale Drogen eingenommen haben. Das sagt über die Drogenproblematik aber nichts aus, weil solche Zahlen keinen aktuellen Konsum widerspiegeln und Summationswerte nur zahlenmäßig beeindrucken können. Bei den Erwachsenen insgesamt (15 bis 64 Jahre) konsumieren 7,4 Prozent (24,7 Millionen Menschen) zumindest einmal im Jahr Cannabis (junge Erwachsene zwischen 15 und 34 Jahren 14,4 Prozent oder 17,5 Millionen Menschen).

Opioidkonsum: 50 Prozent in Substitutionstherapie

Beim Ecstasy-Konsum innerhalb eines Jahrs sind nur 0,8 der Erwachsenen, aber 1,7 Prozent der jungen Erwachsenen betroffen. Kokain innerhalb des vorangegangenen Jahres haben 1,2 Prozent der Erwachsenen, davon 2,1 Prozent bei den jungen Erwachsenen, benutzt. Hoch riskanten Heroin(Opioid)konsum haben derzeit rund 1,3 Millionen Menschen oder 0,4 Prozent der Erwachsenen in der EU, wovon rund 50 Prozent (654.000) in Substitutionstherapie sind.

Aus diesen Daten wird klar, dass illegale Drogen vor allem ein Phänomen der Jugend und der jungen Erwachsenen sind. Dann wird der Konsum zu einem hohen Prozentsatz wiedereingestellt. Positiv ist die Entwicklung beim hoch riskanten Opioidkonsum. Das ist vor allem Heroin. „Hochrisiko-Opioidkonsum: der Heroinkonsum geht in den meisten Ländern zurück", titelten die EMCDDA-Fachleute. „Laut den vorliegenden Trenddaten hat sich die Zahl der Heroin-Erstklienten von einem Höchststand im Jahr 2007 auf einen Tiefststand im Jahr 2013 mehr als halbiert und anschließend stabilisiert. Zwischen 2016 und 2017 ging die Zahl der Primärheroinkonsumierenden, die erstmals eine Behandlung aufnahmen in 16 der 27 Länder, für die Daten vorliegen, zurück.“ Das deckt sich auch mit den Entwicklungen in Österreich.

Drogen
Hoch riskanten Heroin(Opioid)konsum haben derzeit rund 1,3 Millionen Menschen oder 0,4 Prozent der Erwachsenen in der EU.
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