Deutschland

Spahn für Organspende als Unterrichtsthema

Die Offensive des deutschen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für mehr Organspenden in Deutschland soll auch in die Schulen Einzug halten. Ein unter Federführung der Deutschen Stiftung Organtransplantation erarbeiteter Initiativplan sieht laut einem Bericht der „Rheinischen Post“ (Dienstagsausgabe) vor, das Thema langfristig in die Lehrpläne der Schulen aufzunehmen.

red/Agenturen

„Da eine Entscheidung gegen die Organspende mit der Vollendung des 14. Lebensjahres und die Entscheidung für die Organspende im Alter von 16 Jahren getroffen werden kann, ist es sinnvoll, bereits in der Schule mit der Aufklärungsarbeit zu beginnen“, heißt es demnach in dem Plan. Auf diese Weise könnten mögliche Berührungsängste mit dem „mitunter tabuisierten Thema“ frühzeitig verhindert oder abgebaut werden. Demnach sollen auch Migranten und Senioren gesondert angesprochen werden.

Spahn sagte der „Rheinischen Post“, eine „differenzierte Ansprache verschiedener Zielgruppen“ helfe, die Organspende zu einer „Selbstverständlichkeit“ zu machen. In der Diskussion um Organspenden wirbt der Gesundheitsminister für die sogenannte Widerspruchslösung. Demnach soll künftig jeder Bürger als Organspender gelten, solange er dem nicht ausdrücklich widerspricht. Das Vorhaben ist aber nicht unumstritten.

Spahns Vorschlag stieß sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft auf starke Reaktionen. Die von ihm vorgeschlagene Widerspruchslösung sei zwar „ein starker Eingriff in die Freiheit”, alle bisherigen Versuche, die Zahl der Organspender zu erhöhen, seien aber erfolglos geblieben, wies Spahn die Kritik zurück. „Drei Menschen sterben jeden Tag, weil das Organ, das sie sehnsüchtig erwartet haben, nicht kam”, sagte er kürzlich im ARD-Morgenmagazin.

Widerspruchslösung weit verbreitet in Europa

Mit seinem Vorstoß folgt Deutschland dem Beispiel von vielen europäischen Ländern. Unter Experten wird die von Spahn vorgeschlagene Regelung als „Widerspruchslösung mit Einspruchsrecht“ bezeichnet. Praktiziert wird sie etwa in Belgien, Estland, Finnland, Litauen und Norwegen.  Die radikalere Form, ohne Verwandtenbefragung, ist noch weiter verbreitet. Sie gilt in Bulgarien, Frankreich, Irland, Italien, Lettland, Liechtenstein, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Polen, Portugal, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, der Türkei, Ungarn und Zypern. Wer sich dort aufhält und verunfallt ist ein potentieller Organspender, es gilt immer das Recht des Gastlandes.

In Österreich ist eine Organentnahme dann zulässig, wenn den Ärzten keine Erklärung vorliegt, mit der der Verstorbene oder, vor dessen Tod, sein gesetzlicher Vertreter eine Organspende ausdrücklich abgelehnt hat. Eine Erklärung liegt auch vor, wenn sie in dem Widerspruchsregister eingetragen ist. In der Praxis würden Krankenanstalten auch in Fällen, in denen kein Widerspruch vorliegt, versuchen, die Zustimmung der Angehörigen einer hirntoten Person vor der Organentnahme zu erhalten.

Organtransplantation
Seit Jahren herrscht ein Mangel an Spenderorganen. In Deutschland standen zuletzt 9.400 Patienten auf den Wartelisten für eine Organtransplantation.
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