Europas Kinder- und Jugendpsychiater tagen in Wien

Die Vertreter eines für die Gesundheit Heranwachsender potenziell lebensentscheidenden medizinischen Fachgebiets tagen in Wien: Ab dem Wochenende (30. Juni bis 2. Juli) findet in Wien der Kongress der Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (ESCAP) statt. Rund 1.600 Fachleute werden daran teilnehmen.

red/Agenturen

„Es wird neben 23 Keynote-Vorträgen mehr als 500 mündliche und etwa 400 Poster-Präsentationen geben. Die Themen umfassen auch Traumatisierungen, psychische Probleme von Kindern als Flüchtlinge, biologisch ausgerichtete kinder- und jugendpsychiatrische Forschungsprojekte, die Sozialpsychiatrie“, sagte der Kongressorganisator Andreas Karwautz von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Wien. ADHS, Essstörungen und viele andere Forschungsgebiete stehen ebenfalls auf dem Programm. „Daneben habe ich mich bemüht, vier weitere Themen in das Programm zu bringen: Bedeutung der Psychotherapie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Suizidprävention sowie Substanzabhängigkeit und deren Prävention.“

Schließlich komme noch eine medizinhistorisch brisantes Thema zur Sprache: Die Person des Wiener Kinderarztes Hans Asperger, nach dem ein Syndrom als eine Variante von Autismus benannt wurde. Der Namensgeber des „Asperger-Syndroms“ hat laut Historikern aktiv mit dem NS-Euthanasieprogramm am Wiener Spiegelgrund kooperiert.

Weiterhin Nachholbedarf

In Österreich ist die Kinder- und Jugendpsychiatrie seit Jahren auch im Mittelpunkt einer versorgungspolitischen Debatte, weil weiterhin Fachärzte fehlen, besonders in der niedergelassenen Praxis und mit Kassenvertrag. „Unser Fach gibt es erst seit 2007. Wir halten in Österreich derzeit bei etwa 180 Kinder- und Jugendpsychiatern und bekommen pro Jahr etwa 15 dazu. Auch wir haben ein Pensionierungsproblem“, sagte Karwautz. Man ersetze derzeit jene Kinder- und Jugendpsychiater, welche in den Ruhestand treten und lege bei den Zahlen jeweils etwas zu.

Ausreichend sei die Zahl der Kinder- und Jugendpsychiater in Österreich aber weiterhin nicht, betonte der Experte. „Für die intramurale Versorgung stehen derzeit etwa 50 Prozent der Plätze zur Verfügung, wobei sich die Verteilung über das Land als sehr heterogen erweist. Die extramurale Versorgung ist derzeit zu etwa 25 Prozent ausgebaut“, schrieben Karwautz und seine Fachkollegin und Co-Autorin Charlotte Hartl in einer Studie zur Versorgungssituation im Jahr 2017.

Derzeit gibt es Österreich 27 Kinder- und Jugendpsychiater in niedergelassener Praxis mit Kassenvertrag. In Wien sind es laut Karwautz sechs, was „lächerlich“ sei. „Wir bräuchten rund 25, wenn man Wien mit Millionenstädten wie Berlin oder Hamburg vergleicht.“ In Niederösterreich seien beispielsweise acht Kinder- und Jugendpsychiater mit Kassenvertrag tätig. Die Probleme lassen sich nicht sehr schnell ändern, weil es auch von den langen Ausbildungszyklen für Fachärzte hängt. Es gibt auch Diskussionen über die Zahl der Ausbildungsstellen.

Kinder
In Österreich ist die Kinder- und Jugendpsychiatrie seit Jahren auch im Mittelpunkt einer versorgungspolitischen Debatte, weil weiterhin Fachärzte fehlen, besonders in der niedergelassenen Praxis und mit Kassenvertrag.
iStock PeopleImages