Zehnter Polio-Fall in Afghanistan in diesem Jahr bestätigt

In Afghanistan haben Gesundheitsbehörden den zehnten Fall von Kinderlähmung (Polio) in diesem Jahr bestätigt. Der jüngste Fall betreffe ein zweijähriges Mädchen in der südlichen Provinz Urusgan, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums, Merdschan Rasik, am Donnerstag.

red/Agenturen

Alle zehn Fälle seit Januar seien in Gebieten im Süden und Osten des Landes aufgetreten, die von den radikalislamischen Taliban oder der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kontrolliert würden, sagte Rasik. Afghanistan ist eines von ganz wenigen Länder, in denen Polio noch vorkommt. Die Zahl der Erkrankungen ist laut Gesundheitsministerium zuletzt gestiegen: von 13 Fällen 2016 auf 21 im Jahr 2018. Kinderlähmung bedroht vor allem Kleinkinder. Eine von 200 Infektionen führt laut WHO zu dauerhaften Lähmungen. Bis zu 10 Prozent der gelähmten Kinder sterben. Ein Heilmittel gibt es nicht, nur die vorbeugende Impfung bietet Schutz.

Dem Sprecher zufolge würden die Taliban die Impfteams nicht in die von ihnen kontrollierten Gebiete lassen, weil sie fürchteten, Impfhelfer würden für die Regierung spionieren. Seit Mai 2018 habe man rund eine Million Kinder nicht impfen können, vor allem im Süden. Dort würden sich aber auch Eltern weigern, ihre Kinder impfen zu lassen. Es halte sich der Glaube, Impfungen führten zu Unfruchtbarkeit.

Im April hatten die Taliban der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die die Polio-Impfkampagne in Afghanistan koordiniert, Schutzgarantien entzogen.