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Coronavirus

Rückgang bei Todesfällen in Italien, Frankreich, Spanien

Den vierten Tag in Folge hat Spanien einen Rückgang bei der Zahl der neuen Corona-Todesfälle verzeichnet. In den vergangenen 24 Stunden starben 637 Corona-Infizierte. Dies entspricht dem niedrigsten Anstieg bei den Todesfällen seit 13 Tagen. Französische Ärzte warnten ungeachtet erster positiver Tendenzen im Land vor Euphorie. Die deutsche Regierung treibt unterdessen offenbar die Planungen für die Lockerung der Einschränkungen wegen der Pandemie voran.

red/Agenturen

Fast 85 Prozent der Todesfälle in Europa wurden aus Italien, Spanien, Frankreich und Großbritannien gemeldet. In Italien starben 15.877 Infizierte - so viele wie in keinem anderen Land der Erde.

Der Verdacht, dass es eine hohe Dunkelziffer bei Covid-19-Todesfällen gibt, wird in Italien durch eine Datenauswertung in der besonders stark betroffenen Provinz Bergamo genährt. Viele Patienten erlägen dem Virus ohne ärztliche Untersuchung zu Hause und gingen damit nicht in die offizielle Statistik ein, folgerten die Lokalzeitung „L'Eco di Bergamo“ und die Unternehmensberatung InTwig aus amtlichen Daten. Demnach gab es in der Provinz diesen März mit 5.400 Toten sechs Mal so viele wie im März 2019. Damit könnten bis zu 4.600 der Toten an oder mit Covid-19 gestorben sein. Das wären mehr als doppelt so viele wie in den Statistiken (2.060), die nur Tote in Spitälern zählen.

Am Sonntag hatte es in Italien der geringste Zuwachs bei den Todesfällen seit dem 19. März gegeben, als 427 Tote registriert wurden. „Das sind gute Nachrichten, aber wir sollten weiterhin auf der Hut sein“, sagte der Chef des Zivilschutzes, Angelo Borreli, Journalisten. „Die Kurve beginnt abzuflachen und die Zahl der Toten fängt an zu sinken“, sagte der Direktor von Italiens Obersten Gesundheitsinstitut (ISS), Silvio Brusaferro. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, könne über eine Lockerung der Ausgangssperren nachgedacht werden.

Frankreich mahnt zur Vorsicht: zu früh für „Siegesrufe“ 

Frankreich hatte am Sonntag den niedrigsten Anstieg bei Corona-Todesfällen seit einer Woche registriert. Für „Siegesrufe“ sei es jedoch zu früh, sagte der Leiter der Notfallabteilung am Pariser Krankenhaus Georges Pompidou, Philippe Juvin, am Montag dem Sender BFM-TV. Ähnlich äußerte sich der Generaldirektor der Pariser Krankenhausgesellschaft AP-HP, Martin Hirsch, im Radiosender France Inter.

357 Krankenhauspatienten starben binnen 24 Stunden an der Lungenkrankheit Covid-19, wie die Gesundheitsbehörden mitteilten. Die Gesamtzahl der Todesfälle erhöhte sich auf 8.078. Damit sei nicht der Höhepunkt der Epidemie erreicht, sondern allenfalls „ein Plateau“, sagte Hirsch. „Ein Plateau kann zwischen zwei Bergen liegen, und unser Ziel ist, dass kein zweiter Berg kommt“, betonte er. Juvin sagte, die Lage in Paris sei zwar „nicht mehr außer Kontrolle, aber immer noch sehr angespannt“.

Auch die Zahl der Einweisungen auf die Intensivstationen in Frankreich ging mit 140 zurück. Dort wurden aber immer noch knapp 7.000 Menschen behandelt.

Spanien: niedrigster Anstieg bei Todesfällen seit 13 Tagen

Aus Spanien kamen ebenfalls Zeichen der Hoffnung in der Krise: Bereits den viertenTag in Folge ging die Zahl der neu gemeldeten Corona-Toten zurück. Wie die Behörden am Montag in Madrid mitteilten, starben 637 Menschen in den vergangenen 24 Stunden an der Lungenkrankheit Covid-19. Dies entspricht dem niedrigsten Anstieg bei den Todesfällen seit 13 Tagen. 

Insgesamt starben in Spanien bisher mehr als 13.000 Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion; Auch die Ansteckungsrate verlangsamt sich den Angaben des Ministeriums vom Montag zufolge. Demnach stieg die Zahl der Infizierten in den vergangenen 24 Stunden um 3,3 Prozent. Am Vortag hatte dieser Wert noch bei 4,8 Prozent gelegen.

Insgesamt sind in Spanien nach der offiziellen Zählung mehr als 135.000 Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert. Am schwersten von der Pandemie betroffen ist in Spanien der Großraum Madrid. An zweiter Stelle folgt Katalonien.

Deutschland: Lockerungen werden forciert

Die deutsche Regierung treibt offenbar die Planungen für die Lockerung der Einschränkungen wegen der Pandemie voran. Als erstes sollten der Einzelhandel, Restaurants und in bestimmten Regionen die Schulen wiedereröffnet werden, heißt es in einem Konzeptpapier des Innenministeriums, das der Nachrichtenagentur Reuters am Montag vorlag. Großveranstaltungen und private Feiern müssten aber vorerst verboten bleiben.

Sobald ausreichend Masken vorhanden seien, solle eine Pflicht zum Tragen in Bussen und Bahnen, in Fabriken und Gebäuden eingeführt werden. Bestimmte Wirtschaftszweige könnten zunächst als „Inseln“ den Betrieb wieder aufnehmen, wenn sie nicht zu viel Kundenkontakt vorsehen. Als Voraussetzung nennt das Papier, dass die Ansteckungsrate unter eins bleibt.

Der Zuwachst der neu mit dem Coronavirus infizierten Personen schwächte sich in der Schweiz ab. Das Gesundheitsamt meldete 552 neue Fälle. Insgesamt werden damit 21.652 Infektionen festgestellt. Am Vortag hatte das Plus noch 822 betragen. Bisher starben 584 Menschen an einer Covid-19-Erkrankung.

In Serbiens führendem Krankenhaus für Herzoperationen sind 81 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Bei 14 Patienten, elf Ärzten und 56 weiteren Mitarbeitern sei das Virus Sars-CoV-2 nachgewiesen worden, sagte der Direktor der Belgrader Klinik, Milovan Bojic, am Montag dem Fernsehsender Prva. Insgesamt seien 250 Menschen getestet worden. Das Virus sei offenbar von zunächst symptomfreien Patienten eingeschleppt worden.

Das Institut für Herz- und Kreislauferkrankungen im Belgrader Stadtteil Dedinje gilt als eines der fachlich angesehensten Krankenhäuser in Serbien. Im vergangenen Jahr wurden dort 2.500 Operationen am offenen Herzen ausgeführt.

In Amerika, wo bereits mehr als 10.000 Corona-Tote gemeldet wurden, hat der oberste Gesundheitsbeamte Jerome Adams die Bürger auf weitere harte Tage eingestimmt und die Pandemie mit den Anschlägen vom 11. September und dem Angriff auf Pearl Harbor im Zweiten Weltkrieg verglichen. Mit mehr als 337.200 verzeichneten Infektionen sind die USA mit großem Abstand das Land mit den meisten Infektionen.

   In Japan soll in sieben der 47 Präfekturen für einen Monat der Ausnahmezustand verhängt werden. Ein entsprechendes Dekret kündigte Ministerpräsident Shinzo Abe für Dienstag an. Eine derart drastische Einschränkung des öffentlichen Lebens wie in anderen Staaten solle es trotz des Ausnahmezustands nicht geben. Vielmehr wolle er sicherstellen, dass die Wirtschaftsaktivität so weit wie möglich aufrechterhalten wird.