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Geberkonferenz Impf-Allianz

Impfstoff als „öffentliches Gut", Erwartungen weit übertroffen

Im Kampf gegen Infektionskrankheiten sind bei einer internationalen Geberkonferenz umgerechnet rund 7,8 Milliarden Euro für die globale Impf-Allianz Gavi zugesagt worden. Die Erwartungen wurden damit am Donnerstag um mehr als eine Milliarde übertroffen. Bei der Geberkonferenz für das internationale Impfbündnis Gavi hat UN-Generalsekretär Antonio Guterres auf die faire Verteilung eines Corona-Impfstoffs gedrungen. Wenn eine Vakzine gegen den Erreger vorliege, solle dieser wie „ein weltweit öffentliches Gut“ betrachtet werden,so Guterres.

red/Agenturen

Mithilfe des Geldes sollen innerhalb der kommenden fünf Jahre 300 Millionen Kinder gegen Krankheiten wie Polio, Typhus und Masern geimpft werden. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte allein für die Brüsseler Behörde 300 Millionen Euro zu. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte an, den französischen Beitrag auf 500 Millionen Euro zu verdoppeln. Der Gastgeber der Online-Konferenz Großbritannien ist nach Angaben von Premierminister Boris Johnson mit einer Zusage von 1,65 Milliarden Pfund (rund 1,85 Milliarden Euro) größter Gavi-Geldgeber. Von privater Seite sagte Microsoft-Gründer Bill Gates umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro durch die Bill and Melinda Gates Stiftung zu. Deutschland beteiligt sich mit 600 Millionen Euro, wie die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer Videobotschaft angekündigte.

Einig waren sich die Teilnehmer der Konferenz darin, dass Impfstoffe für alle Menschen zugänglich sein müssen. „Einsatzbereite Impfstoffe müssen in aller Welt bezahlbar, verfügbar und frei zugänglich sein", forderte Merkel. Das bekräftigte auch von der Leyen: "Es sollte keine Rolle spielen, wo man geboren ist oder wie wohlhabend die eigene Familie ist. Das Recht auf Impfung ist universell", sagte die EU-Kommissionschefin.

Durch die Coronavirus-Pandemie drohe die Ausbreitung anderer Infektionskrankheiten ebenfalls wieder zuzunehmen, warnte Merkel. Deutschland habe zur Eindämmung von Covid-19 bereits Investitionen von 100 Millionen Euro zugesagt. Sobald ein Impfstoff verfügbar sei, müssten die Voraussetzungen geschaffen sein, eine globale Impfkampagne zu starten, fuhr die Kanzlerin fort. Dafür sei es wichtig, Gesundheitsakteure wie Gavi zu stärken. Auch Frankreich will 100 Millionen Euro zusätzlich bereitstellen, sobald ein Impfstoff gegen Covid-19 verfügbar ist.

Impfstoff vielleicht Ende des Jahres

Angesichts der Suche nach einem Corona-Impfstoff sagte Johnson, Länder, Pharmaunternehmen und internationale Partner wie die Weltgesundheitsorganisation WHO müssten dabei in einem noch nie da gewesenen Maße miteinander kooperieren. Man müsse Gavi dazu nutzen, künftige Impfstoffe für alle Menschen auf der Welt bezahlbar und verfügbar zu machen.

Dazu hätten sich zahlreiche Staats- und Regierungschefs auch schon bekannt. Zugleich erinnerte der UN-Generalsekretär daran, dass wegen der Coronavirus-Pandemie andere wichtige Impfprogramme ins Stocken geraten seien. Jedes fünfte Kind sei weltweit gar nicht geimpft und 20 Millionen weitere nur zum Teil. „Lassen Sie uns sichere Mittel finden, um weiter zu impfen“, appellierte Guterres.

Die Konferenz findet inmitten internationaler Spannungen statt. US-Präsident Donald Trump hatte vergangene Woche angekündigt, die Zusammenarbeit der USA mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu beenden. Zudem gibt es Befürchtungen, die USA könnten versuchen, sich einen Corona-Impfstoff exklusiv zu sichern. Trump sagte am 4. Juni in einem kurzen Redebeitrag bei der Gavi-Konferenz, das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 habe bewiesen, dass es keine Grenzen kenne. Der Erreger sei „hinterhältig, er ist gemein, aber wir werden uns zusammen darum kümmern“.

Die Pharmaindustrie macht jedenfalls Hoffnung auf ein baldiges Ende der Corona-Pandemie. Ein Impfstoff oder sogar mehrere gegen das neuartige Virus könnten bis Ende des Jahres einsatzbereit sein, heißt es aus der Branche. Doch selbst wenn dies tatsächlich gelingt, sind noch einige große logistische Herausforderungen zu meistern, um weltweit massenhaft gegen das Coronavirus impfen zu können. Auch deshalb wurde die Online-Geberkonferenz angesetzt. Bis Jahresende könnten gleich mehrere Corona-Impfstoffe bereitstehen, sagte Pascal Soriot, Chef von AstraZeneca, in der Vorwoche.

 

Gavi - Breites Bündnis für Impfkampagnen in aller Welt

Die Global Alliance for Vaccines and Immunisation (Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung) mit Sitz in Genf wurde angesichts stagnierender Impfraten im Jahr 2000 als öffentlich-private Partnerschaft gegründet. In dem Bündnis arbeiten Regierungen von Industrie- und Entwicklungsländern, Impfstoffhersteller, Forschungseinrichtungen, Institutionen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das UN-Kinderhilfswerk Unicef sowie Nichtregierungsorganisationen zusammen. Zugleich zählt Gavi zu den wichtigsten Geldgebern der WHO.

Das langfristige Ziel von Gavi lautet, allen Kindern weltweit Zugang zu Impfungen zu verschaffen. Daher finanziert sie Impfprogramme in Entwicklungsländern und stärkt die dortigen Gesundheitssysteme. Etwa ein Dutzend Impfungen gegen vermeidbare lebensgefährliche Krankheiten werden derzeit von Gavi gefördert, darunter die gegen Tetanus, Keuchhusten, Masern, Rotaviren, Pneumokokken und Polio (Kinderlähmung).

 

Antonio Guterres
UNO-Generalsekretär Antonio Guterres erinnerte daran, dass wegen der Coronavirus-Pandemie andere wichtige Impfprogramme ins Stocken geraten seien.
U.S. Mission Photo_Eric Bridiers