Deutschlands Gesundheitsminister Spahn wirbt für Organspenden

Zum Tag der Organspende hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Menschen zu einer persönlichen Entscheidung über eine Organspende aufgefordert. „Über 9000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan“, sagte Spahn am Freitag in Berlin und appellierte an die Bürger: „Wichtig ist, dass Sie eine Entscheidung treffen.“ Nach einer Umfrage der Barmer ist die grundsätzliche Bereitschaft zur Organspende gestiegen.

red/Agenturen

Zum Tag der Organspende am Samstag, der wegen der Corona-Epidemie erstmals nur online mit zahlreichen Aktionen begangen wird, soll bundesweit auf das Thema aufmerksam gemacht werden. Dieser Tag sei „ein guter Anlass“, daran zu erinnern, dass sich die Menschen informieren und einen Organspendeausweis ausfüllen, betonte Spahn.

Zwar sei das Interesse, offenbar beflügelt durch die monatelange Debatte über die sogenannte Widerspruchslösung, so groß wie nie zuvor. Es gehe aber darum, „aus dieser grundsätzlichen Bereitschaft“ eine konkrete Entscheidung zu machen durch Ausfüllen des Organspendeausweises, sagte der Minister.

Spenderzahlen in ersten fünf Monaten trotz Corona-Pandemie gestiegen

Die Spenderzahlen stiegen in den ersten fünf Monaten dieses Jahres nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) trotz der Corona-Krise. Von Januar bis Mai erhöhte sich die Zahl der Spender, die nach dem Tod ihre Organe zur Verfügung stellten, gegenüber dem Vorjahreszeitraum um acht Prozent, wie Axel Rahmel, medizinischer Vorstand der DSO, sagte. Die Zahl der transplantierten Organe stieg in dem Zeitraum von 1254 auf 1300.

Vor allem im Januar und Februar hätten sich die Zahlen um fast 30 Prozent gesteigert. Wegen der Corona-Krise sei es anders als in anderen Ländern in Deutschland nicht zu einem Einbruch gekommen, sagte Rahmel. „Das ist ein sehr ermutigendes Signal für die Menschen auf der Warteliste.“

In einer Umfrage der Barmer erklärten 32 Prozent der Befragten, dass sie auf jeden Fall zur Organspende bereit seien. Ein Jahr zuvor waren es mit 23 Prozent noch deutlich weniger gewesen. Zugleich sank die Zahl derer, die eine Organspende bestimmt ausschließen von 16 Prozent auf neun Prozent. Befragt wurden im Mai tausend Menschen. Vor allem junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren zeigen demnach mit 43 Prozent eine deutlich höhere Spendenbereitschaft.

Auch die Nachfrage nach Organspendeausweisen zog in diesem Jahr an. Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) wurden von Januar bis Ende April rund 2,23 Millionen Organspendeausweise bestellt. Das war ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum. Zudem wurden 72.500 Ausweise aus dem Internet heruntergeladen und damit rund 30.000 mehr als im Vorjahr. Bislang hat etwa ein Drittel der Bundesbürger seinen Entschluss in einem Organspendeausweis dokumentiert.

Die Bundesärztekammer forderte, bei der Aufklärung über Organspenden nicht nachzulassen. „Offensichtlich hat die intensive gesellschaftliche und politische Debatte Anfang des Jahres über die Neuregelung der Organspende dieses wichtige Thema etwas stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt“, erklärte Ärztepräsident Klaus Reinhardt.

Die Entscheidung für oder gegen eine Organspende ist in Deutschland nach wie vor freiwillig. Nach einer neuen Gesetzesregelung sollen die Bürger künftig bei Behördengängen und Arztbesuchen stärker zu einer Entscheidung ermuntert werden. Ein Vorstoß von Spahn zur Einführung der Widerspruchslösung, mit der jeder als Spender gelten sollte, sofern er nicht widerspricht, scheiterte.