Coronakrise

Anschober will verstärkt screenen, USA mit vielen Neuinfektionen

Noch 17 der insgesamt 82 hospitalisierten Covid-19-Erkrankten in Österreich sind am Samstag auf einer Intensivstation behandelt worden. Eine so geringe Anzahl an Intensivpatienten wurde zuletzt Ende März vom Gesundheitsministerium vermeldet. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) warnte im Ö1-„Mittagsjournal“ mit den Worten „das Virus ist nicht auf Urlaub“ jedoch vor sorglosem Verhalten.

red/Agenturen

16.968 Menschen in Österreich sind seit Beginn der Corona-Epidemie im Land positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden. 672 Tote gab es seitdem im Zusammenhang mit Covid-19, 15.839 vormals Erkrankte gelten als wieder genesen, berichtete das Innenministerium am Montag (Stand 9.30 Uhr). 437 galten mit Stand 8.00 Uhr noch als aktiv Erkrankte. Die 82 Personen, die noch im Krankenhaus sind, bedeuten jedenfalls, dass sich die Zahl in den vergangenen zwei Wochen halbiert hat. Die Anzahl der belegten Intensivbetten liegt bei 17.

Um im Zukunft neue Cluster zu verhindern, kündigte Anschober ein großes Screening bei Menschen mit „schwieriger Lebenssituation“ an. Konkret nannte er prekäre Lebens- und Arbeitssituationen als einen Bereich „wo normalerweise nicht hingeschaut wird“, derzeit arbeite man mit dem Arbeitsinspektorat aus, wo das Screening im Juni dann starten wird. „Wir müssen derzeit erkennen, dass besonders prekäre Arbeitsverhältnisse hier ein Problem darstellen können“, so Anschobers Lehre aus den Infektionsfällen in Postverteilzentren in Wien und Niederösterreich.

Aus dem bisherigen Verlauf der Pandemie in Österreich habe man zudem gelernt, dass es bei der Schutzausrüstung nicht gut gelaufen sei. Daher gelte es Bevorratung an Schutzkleidung und ähnlichem für zumindest zwei bis drei Monate zu realisieren - und im Bereich der Medikamente autarker zu werden. Was eine befürchtete zweite Welle betrifft, so sagte Anschober gegenüber der „Tiroler Tageszeitung“, er sei „sehr optimistisch“, dass es in Österreich zu keiner solchen kommen werde, wenn man SARS-CoV-2 weiterhin ernst nimmt.

Gros der Neuinfektionen in Wien

Das Gros der Neuinfektionen verbucht Wien, wo über das Wochenende insgesamt 61 Menschen positiv getestet wurden. Die Entwicklung in der Bundeshauptstadt seit Samstagfrüh lässt sich laut einem Sprecher des medizinischen Krisenstabs der Stadt auf familieninterne Ansteckungen zurückführen. Eine größere Cluster-Bildung gebe es nicht. Beobachten will man allerdings in den kommenden Tagen, ob es zu Auffälligkeiten im Zusammenhang mit der Anti-Rassismus-Demo am vergangenen Donnerstag kommt. Daran hatten 50.000 Menschen teilgenommen, wobei der Mindestabstand bzw. die Maskenpflicht teils nicht eingehalten wurden. Für einen etwaigen Niederschlag in der Virus-Statistik ist es aber noch zu früh.

Von Sonntag auf Montag wurden aus den übrigen Bundesländern folgende Zahlen an Neuinfektionen übermittelt: Burgenland, Kärnten, Salzburg, Steiermark und Tirol wiesen keine neuen Fälle auf, in Vorarlberg und Oberösterreich gab es jeweils einen Fall, in Niederösterreich waren es drei.

Von Samstag auf Sonntag hatten Burgenland, Kärnten, Salzburg, Steiermark, Tirol und Vorarlberg keine neuen Fälle registriert. In Niederösterreich war eine Person mit einer Neuansteckung dazugekommen, in Oberösterreich waren es drei.

In Wien lag die Zahl der bisher insgesamt nachgewiesenen SARS-CoV-2-Infektionen mit Stand Montag, 10.00 Uhr, bei 3.464, gegenüber Samstagfrüh war das ein Zuwachs von 61 Fällen. Am Sonntag waren keine Zahlen veröffentlicht worden. In diesem Zeitraum sind zudem keine Menschen im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung verstorben. Die Zahl der Todesfälle blieb somit mit 173 unverändert. 2.986 Erkrankte sind inzwischen wieder genesen.

Zwischen Optimismus und Skepsis

Die Österreicher gewöhnen sich indes langsam wieder an ein normales Leben in der neuen Normalität: Zumindest die Hälfte (53 Prozent) kehrte nach dem Ende des coronabedingten Stillstands am 15. Mai wieder in ein Wirtshaus oder ein Restaurant ein, ein Drittel will diesem Beispiel bald folgen, wie eine Gallup-Umfrage unter 1.000 Personen ergeben hat.

Weniger Optimismus zeigt ein Aufruf von Wissenschaftern und Ärzten an die britische Regierung, das Land auf eine mögliche zweite Infektionswelle im Winter vorzubereiten. Großbritannien gehöre zu den Ländern mit den höchsten Todesraten, betonten die Experten in einem im „Guardian“ veröffentlichten Schreiben.

In einigen anderen Ländern hat die erste Welle ihren Höhepunkt vielleicht noch gar nicht erreicht: Indien meldet am Samstag etwa einen Anstieg der festgestellten Infektionen 257.486. Damit überholte das Land Italien und liegt Montag früh laut Johns Hopkins Daten auf dem weltweiten Rang fünf hinter den USA, Brasilien, Russland und Großbritannien.

Mit 13 Corona-Toten in den vergangenen 24 Stunden in Krankenhäusern hat Frankreich unterdessen die niedrigste tägliche Todeszahl seit Mitte März verzeichnet. Insgesamt sind seit Beginn der Epidemie 29.155 Menschen in Krankenhäusern und Pflegeheimen gestorben, wie die Statistik der Regierung am Sonntag angab.

Niedriger war der Wert demnach zuletzt am 14. März mit zwölf Toten vor Beginn der strengen Ausgangsbeschränkungen. Diese traten am 17. März in Kraft. Die Toten in den Altersheimen im Land werden derzeit nicht mehr täglich angegeben.

USA mit wieder steigenden Zahlen

In Russland stieg die Zahl der festgestellten Infektionen auf 467.073 und die Totenzahl um  5.851. Das Robert-Koch-Institut meldet 407 bestätigte Neuinfektionen für Deutschland womit die Summe auf 185.750 stieg, insgesamt wurden 8.685 Todesfälle registriert.

Beunruhigend sind die zahlen aus den USA: Dort stieg die Zahl der Corona-Neuinfektionen auf den höchsten Stand seit Mitte Mai gestiegen. Das Zentrum für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten (CDC) meldete am Sonntag 29.214 neue Fälle, womit die Zahl nun insgesamt bei rund 1,92 Millionen liegt. Am Samstag betrug die Zahl der Neuinfektionen 29.034, am Freitag 20.555 und am Donnerstag 14.676.Die Zahl der neuen Toten sinkt hingegen nach zwei Tagen mit Zuwächsen wieder. Die CDC gibt sie am Sonntag mit 709 an, womit die Gesamtzahl bei 109.192 liegt. Am Samstag hatte es 1.128 neue Todesfälle gegeben, am Freitag 1.035 und am Donnerstag 827.

Neuseeland erklärt sich für Coronavirus-frei und hebt alle Beschränkungen auf

Ein Land gibt es im internationalen Reigen, dass sich gar schon für virusfrei erklärt: Neuseeland hat alle Beschränkungen innerhalb des Landes aufgehoben. Nur die Einreisebeschränkungen würden beibehalten, sagte Regierungschefin Jaconda Ardern in einer Fernsehansprache am Montag. Abstandsregeln und Einschränkungen für öffentliche Versammlungen fielen hingegen weg. „Wir sind zuversichtlich, dass wir die Übertragung des Virus in Neuseeland vorerst gestoppt haben“, sagte Ardern. Die Neuseeländer hätten sich „auf eine beispiellose Weise zusammengeschlossen, um das Virus zu vernichten“.

Neuseeland hatte zur Eindämmung des Virus strikte Ausgangsbeschränkungen verhängt, die sieben Wochen lang dauerten und im Mai endeten. Die letzten verbliebenen Corona-Restriktionen - etwa für die Größe von Menschenansammlungen - wurden nun auch aufgehoben. Jetzt können auch Clubs und Theater ohne Beschränkungen wieder öffnen. Auch Sportveranstaltungen, wie das beliebte Rugby, können wieder vor Publikum stattfinden.

Das Gesundheitsministerium hatte zuvor mitgeteilt, es gebe keine aktiven Infektionsfälle mehr im Land. Der - zumindest vorerst - letzte Coronavirus-Patient in Neuseeland zeigte nach Angaben des Ministeriums 48 Stunden lang keine Symptome und gilt deshalb als genesen. Als sie diese Nachricht erfahren habe, habe sie mit ihrer Tochter einen kleinen Tanz in ihrem Wohnzimmer hingelegt, erzählte Ardern.

Der neuseeländischen Wirtschaft komme die Aufhebung der Beschränkungen zugute, sagte Ardern. „Wir haben jetzt einen Vorsprung bei der wirtschaftlichen Erholung“, da Neuseeland nun „eine der offensten, wenn nicht sogar die offenste Volkswirtschaft der Welt wird“, sagte sie. Insgesamt wurden in dem Land mit seinen fünf Millionen Einwohnern nach offiziellen Angaben 1154 Coronavirus-Infektionsfälle und 22 Todesfälle gezählt.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober am 15. Mai 2020 bei Pressestatement zu den Maßnahmen gegen die Krise im Bundeskanzleramt
Österreich verhalte sich mit diesen Plänen analog zu deutschen Bestimmungen, eine Reisewarnung gilt nur noch für den Kreis Gütersloh, so Gesundheitsminister Anschober.
BKA / Christopher Dunker