Forscher: Antibiotikaresistente Keime besiedeln Spitäler permanent

Bakterien mit Antibiotika- und Desinfektionsmittel-Resistenzen halten sich trotz strenger Hygiene über Jahre hinweg in Krankenhäusern, berichtet ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung. Sie sind weit verbreitet, leben auf verschiedensten Oberflächen und können wohl geschwächte Patienten infizieren.

red/Agenturen

Ein Team um Niranjan Nagarajan von der Universität Singapur nahm an 179 Stellen rund um 45 Betten in einem Krankenhaus in Singapur Proben. Die Forscher sequenzierten das bakterielle Erbgut daraus, um dahinter zu kommen, welche Bakterien dort leben und wogegen sie gefeit sind. An der Studie, die in der Fachzeitschrift „Nature Medicine“ veröffentlicht wurde, war auch Alexandra Graf vom Fachbereich Bioinformatik der Fachhochschule Campus Wien beteiligt.

Die Forscher fanden einerseits viele Antibiotika- und Desinfektionsmittel-resistente Keime im Waschbecken-Abfluss und Wasserhahn, erklärte Graf. Es ist schon länger als Problem bekannt, dass multiresistente Bakterien dort in sogenannten Biofilmen leben. Das sind gallertartige Schleimschichten, die sie schützen und wo sie über feine Kanäle Stoffe austauschen.

Andererseits haben die Forscher viele Mikroben auf Oberflächen gefunden, wo oft Hautkontakt mit den Patienten stattfindet, zum Beispiel auf den Fingerpulsmessgeräten, der Bettreling, Nachtkästchen und Beistelltischen sowie Türschnallen. Dort sind die bakteriellen Lebensgemeinschaften nicht so stabil, es gibt mehr Kommen und Gehen verschiedener Organismen, denn dort werden sie öfter weggewischt, aber offensichtlich ebenso oft wieder aufgebracht. Sie tragen ebenso wie die Biofilm-Bakterien viele Antibiotika- und Desinfektionsmittel-Resistenzen, meist aber in anderer Kombination, so Graf.

Gesteigerte Hygiene reicht nicht aus 

Demnach gibt es in den Krankenhäusern zwei wichtige und gefährliche Kommunen an multiresistenten Keimen, die sich dort jahrelang halten. Ob sie dort wirklich so lange überleben, oder immer wieder Nachschub erhalten und diese Stellen neu besiedeln, ist aber unklar, so Graf. Die Forscher haben das Erbgut dieser Keime auch mit jenem von Bakterien aus Patienten verglichen und kaum Unterschiede gefunden. Sie sind also offensichtlich durchaus medizinisch relevant.

„Die Studie zeigt, dass gesteigerte Hygiene nicht ausreicht, die Probleme mit multiresistenten Keimen in den Griff zu bekommen“, meint die Forscherin. Ziel sollte sein, nicht unbedingt die Zahl der Mikroorganismen zu reduzieren, aber auf alle Fälle jene der Krankheitserreger und der Bakterien mit Resistenzen. Dabei sollte man verschiedenste Umstände berücksichtigen: Das Raumklima habe zum Beispiel einen großen Einfluss auf die Mikrobenwelt, also die Feuchtigkeit und Temperatur in den Zimmern sowie die Durchlüftung.

Österreich steht bezüglich Antibiotika-resistenter Bakterien nicht schlecht da, berichtet sie. Der Einsatz von Antibiotika sei durch die Verschreibungspflicht gut reglementiert. Das ist wichtig, weil ungerechtfertigte Einnahmen dieser Medikamente die Resistenzbildung unnötig fördert. Eine Bachelorarbeit an der FH habe eine Abnahme der Vorfälle mit resistenten Bakterien in den vergangenen acht Jahren gezeigt.

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Resistenzen können sich entwickeln, wenn bei einem Antibiotikaeinsatz einige Bakterien überleben. Diese resistenten Bakterien können sich vermehren.
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