Hinterbliebene brachten in Bergamo Anzeigen ein

50 Angehörige von Coronavirus-Toten haben am Mittwoch in der schwer betroffenen lombardischen Stadt Bergamo Anzeige bei den Staatsanwälten wegen Fahrlässigkeit eingebracht. Der Bürgerverband „Noi Denunceremo“ („Wir klagen an“) demonstrierte vor dem Justizpalast der lombardischen Stadt. Einige Demonstranten zeigten Fotos ihrer verstorbenen Angehörigen oder Urnen mit deren Asche.

red/Agenturen

Angeführt wird der Verband von der Rechtsanwältin Consuelo Locati, die wegen des Coronavirus ihren Vater verloren hat. Circa 200 Anzeigen wegen Fahrlässigkeit sollen gegen Unbekannt eingebracht werden. „Die Anzeigen richten sich nicht gegen das Gesundheitspersonal in den Krankenhäusern, das alles Erdenkliche zur Rettung von Menschenleben getan hat, sondern gegen die Politiker, die viele Lügen erzählt haben“, sagte Locati nach Medienangaben.

In Bergamo laufen bereits einige Untersuchungen wegen der vielen Coronavirus-Todesopfer seit Ausbruch der Epidemie am 20. Februar. Die lombardischen Regionalbehörden werden unter anderem beschuldigt, die Gemeinden Nembro und Alzano Lombardo bei Bergamo Anfang März nicht zur Sperrzone erklärt zu haben, obwohl hier zahlreiche Todesopfer und Infektionsfälle gemeldet worden waren. Weil diese beiden Gemeinden nicht abgeriegelt wurden, habe sich die Infektion in der ganzen Region stark verbreitet, lautet der Vorwurf.

Gedenktag für Coronavirus-Opfer

In der Region Lombardei wurden seit Ausbruch der Epidemie mehr als 16.000 Todesopfer gemeldet. Die Provinz Bergamo war das Epizentrum der Coronavirus-Krise in Italien. „Wir haben im März und April fürchterliche Zeiten erlebt. Heute ist die Lage wesentlich entspannter. Wir wissen aber, dass die Gefahr noch nicht gebannt ist und dass wir weiterhin umsichtig sein müssen“, sagte der Bürgermeister Bergamos, Giorgio Gori, im Interview mit RAI 3.

Staatspräsident Sergio Mattarella wird am 28. Juni nach Bergamo reisen, um an einem Gedenktag für die Coronavirus-Opfer teilzunehmen. Der Präsident wird am Friedhof der lombardischen Stadt einem Konzert mit Gaetano Donizettis „Messa da Requiem“ beiwohnen, das von der Gemeinde gemeinsam mit der Stiftung „Teatro Donizetti“ organisiert wurde. Der Komponist stammte aus Bergamo.

„Die Beteiligung des Präsidenten am Gedenktag für die Covid-19-Opfer aus Bergamo ist eine Geste, die wir sehr schätzen. In den akutesten Wochen der Epidemie hat uns Mattarella stets zur Seite gestanden“, sagte der Bürgermeister von Bergamo. Am 2. Juni hatte Mattarella den Nationalfeiertag mit einem Besuch in der lombardischen Kleinstadt Codogno begangen. Hier war am 20. Februar der erste Covid-19-Fall gemeldet worden.

Epidemiologische Lage verbessert sich

Die Lage entspannte sich allmählich auch in anderen norditalienischen Regionen. In Venetien gab es am Dienstag keinen einzigen Covid-Patienten mehr auf der Intensivstation. Lediglich vier neue Infektionsfälle wurden in den vergangenen 24 Stunden in der Region gemeldet, 6.500 genesene Patienten wollen der Plasma-Bank ihr Blut spenden, berichtete Venetien-Präsident Luca Zaia.

Die epidemiologische Lage verbessert sich auch in der Region Emilia Romagna. „Der Krieg ist noch nicht zu Ende, doch die dramatischsten Tage sind vorbei. Die Emilia Romagna war die nach der Lombardei am stärksten betroffene Region, inzwischen haben wir italienweit die höchste Zahl von Genesenen“, betonte der Präsident der Region Emilia Romagna, Stefano Bonaccini.

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