Rund 80 Prozent der bestellten Schutzmasken noch nicht in Deutschland angekommen

Von den etwa zwei Milliarden Atemschutzmasken, die das deutsche Gesundheitsministerium weltweit eingekauft hat, sind bislang erst rund 600 Millionen in Deutschland angekommen. Rund 1,5 Milliarden Masken müssten bis zum Herbst noch eintreffen.

red/Agenturen

Die deutsche Bundesregierung wartet immer noch auf rund 80 Prozent der zwei Milliarden Atemschutzmasken, die sie weltweit wegen der Corona-Pandemie bestellt hat. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums legte am Samstag aktualisierte Zahlen vor: Bis Ende Juni würden rund 400 Millionen Masken an das deutsche Gesundheitswesen ausgeliefert, sagte er. Die restlichen 1,6 Milliarden Masken sollten „Zug um Zug in den nächsten Monaten“ ausgeliefert werden.

Das Ministerium bezog sich auf einen Bericht der Zeitung "Die Welt". Diese hatte berichtet, dass erst 600 Millionen Masken ausgeliefert worden seien und 1,5 Milliarden Masken erst noch bis Herbst eintreffen müssten. Diese vom Ministerium selbst genannten Zahlen aktualisierte der Sprecher nun.

Ministerium: Es gibt kein Maskenproblem

Die Ware wurde größtenteils in China bestellt. Empfänger in Deutschland sind zum einen die Bundesländer, welche die Masken dann an die Krankenhäuser weitergeben, und zum anderen die Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen, die sie an die niedergelassenen Ärzte verteilen.

Der Ministeriumssprecher sagte: „Die Lager der Kassenärztlichen Vereinigungen sind voll, die Lager der Länder sind voll, wir können zum Teil gar nicht mehr anliefern.“ Der Eindruck, dass es wegen der ausstehenden Lieferungen einen Masken-Engpass gebe, sei falsch.

Der Ministeriumssprecher betonte außerdem: „Wir haben momentan genug Masken.“ Es gebe in Deutschland „kein Maskenproblem“; nun gehe es darum, „eine Reserve aufzubauen“. Die Masken, deren Lieferung noch aussteht, sollten die Basis für die geplante „Nationale Reserve Gesundheitsschutz“ bilden, sagte er. „So sind wir in der akuten wie für künftige Pandemien noch besser gerüstet.“

Kritik an Versorgung mit Schutzausrüstung

Von der FDP kam Kritik am Vorsorgekonzept der Bundesregierung. Bereits in einer Risikoanalyse aus dem Jahr 2012 sei auf die Bedeutung von medizinischem Schutzmaterial hingewiesen worden, schrieb die „Welt“ weiter. Aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion gehe hervor, dass die Bundesministerien zum Stichtag 31. Dezember 2019 lediglich rund 150.000 Masken mit dem FFP-Qualitätsstandard und 1,9 Millionen einfache OP-Masken bereitgehalten hätten.

„Die Antworten offenbaren ein Desaster bei der Versorgung mit Schutzausrüstungen“, kritisierte FDP-Gesundheitsexperte Wieland Schinnenburg gegenüber der Zeitung. Zu Beginn der Corona-Pandemie seien gerade einmal 0,04 Prozent des Jahresbedarfs an Masken vorrätig gewesen.