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Coronavirus

Strenge Maßnahmen nach neuem Ausbruch in Peking

Infolge der neuen Corona-Welle in Peking haben sich 21 weitere Menschen in der Stadt mit dem Virus infiziert. Seit dem Ausbruch auf einem Pekinger Großmarkt vor eine Woche wurden damit 158 Infektionen in der chinesischen Hauptstadt gemeldet. Das geht aus Zahlen der staatlichen Gesundheitskommission vom Donnerstag hervor. Die Zahl der neuen Infektionen fiel damit niedriger aus als am Vortag, als noch 31 Fälle gemeldet wurden. Zahlreiche Inlandsflüge von und in die chinesische Hauptstadt wurden am Mittwoch gestrichen, damit entfielen rund 70 Prozent aller geplanten Flüge. Die Schulen blieben geschlossen.

red/Agenturen

Damit reagiert man in China auf einen weiteren Coronavirus-Ausbruchs, der seinen Ursprung auf einem Pekinger Großmarkt hatte. Weiters dürfen etwa Hochrisiko-Patienten Peking nicht verlassen.

Seit Dienstag sind auch alle ausgehenden Taxi-Fahrten und andere Fahrdienste gestrichen, zudem zahlreiche Fernbusverbindungen in die benachbarten Provinzen Hebei und Shandong. Bahnbedienstete wurden staatlichen Medien zufolge aufgefordert, Tickets für Fahrten von und nach Peking voll zurückzuerstatten, offenbar um die Bürger zu ermutigen, auf Reisen zu verzichten.

Die Finanzmetropole Shanghai forderte für bestimmte Reisende aus Peking eine zweiwöchige Quarantäne. Laut der lokalen Gesundheitskommission wurden unterdessen in der Hauptstadt 27 neue Infektionen nachgewiesen. Vier Infizierte meldete Pekings Nachbarprovinz Hebei, eine weitere lokale Erkrankung gab es laut offiziellen Angaben in der südwestchinesischen Provinz Sichuan. Zudem wurden landesweit acht „importierte Fälle“ gemeldet, die bei Reisenden aus dem Ausland erkannt worden waren.

Nachdem China über viele Wochen kaum noch neue Erkrankungen gemeldet hatte, war es vergangene Woche auf dem Großmarkt Xinfadi in der chinesischen Hauptstadt zu einem Ausbruch gekommen, was Ängste vor einer neuen Virus-Welle schürte. Allein seit Sonntag meldete Peking knapp 100 Infektionen.

In Teilen Pekings strenge Ausgangskontrollen

Schon am Montag hatten die Behörden in mehreren Stadtbezirken Pekings wieder Beschränkungen eingeführt, etwa die Schließung von Schulen und Sportplätzen, Sicherheitskontrollen und Körpertemperaturmessungen in Einkaufszentren und Büros. Zudem mussten sich Zehntausende Menschen Corona-Tests unterziehen. Die Bewohner wurden aufgerufen, Menschenmengen zu meiden. Begrenzt wurde auch die maximal erlaubte Anzahl von Fahrgästen in Bussen, Zügen und U-Bahnen. Masken müssen wieder getragen werden. Die Behörden forderten Schulen auf, Heimunterricht zu ermöglichen.

27 Wohnviertel sind abgeriegelt worden, sie dürfen nur nach einer Fiebermessung und Registrierung betreten werden. Ein Wohnviertel in der Nähe des betroffenen Xinfadi-Großmarktes gilt als besonderes Risikogebiet. Der Markt ist um ein Vielfaches größer als der Tier- und Fleischmarkt in Wuhan, der als Ausgangsort des neuartigen Virus SARS-CoV-2 gilt und wo der Ausbruch des Erregers zu einer kompletten Abriegelung der Elf-Millionen-Metropole geführt hatte.

Experten zufolge dürfte der Virus-Ausbruch in Peking besser zu lokalisieren und unter Kontrolle zu halten sein. Einige Provinzen berichteten aber bereits über Neuinfektionen im Zusammenhang mit dem Pekinger Großmarkt und verhängten Quarantäne-Regeln für Reisende aus der Hauptstadt.

Die jüngsten Fälle sind nach Einschätzung des deutschen Virologen Jonas Schmidt-Chanasit allerdings nicht der Beginn der gefürchteten zweiten Welle der Pandemie. „Eine zweite Welle zu postulieren wäre jetzt übertrieben", sagte Schmidt-Chanasit am Mittwoch dem Radiosender Bayern 2. Ein Ausbruch, wie jetzt in China, könne jederzeit auftreten. „Das hat mich nicht überrascht. Aber wir sehen jetzt auch, wie gut China darauf reagiert", sagte er. Die ergriffenen Gegenmaßnahmen wirkten überzeugend. China versuche mit sehr strikten Maßnahmen, den lokalen Ausbruch unter Kontrolle zu bringen. Das scheine gut zu funktionieren. Darüber hinaus sei der Ausbruch in Peking nicht überraschend, da „ein Großteil der Bevölkerung in China natürlich wie bei uns noch nicht immun" sei.

Der Xinfadi-Markt lieferte vor seiner Schließung rund 90 Prozent des Gemüses und Obsts der 20-Millionen-Metropole. Der Direktor des Marktes sowie zwei Beamte der Pekinger Lokalregierung mussten infolge des Ausbruchs ihre Posten räumen.

Peking Finanzdisktrikt
Für den Zugang zu einem möglichen Corona-Impfstoff hat China den Ländern Lateinamerikas und der Karibik einen Kredit von einer Milliarde US-Dollar zugesagt.
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