Deutsche Corona-Warn-App steht zum Download bereit

Die deutsche Corona-Warn-App steht nach wochenlangen Verzögerungen seit diesem Dienstag zum Download bereit und wird heute offiziell vorgestellt. Unterdessen vereinbarten mehrere EU-Länder - darunter Österreich - technische Standards, um die Kontaktverfolgung von Infizierten über Ländergrenzen hinweg möglich zu machen.

red/Agenturen

Gesundheitsminister Spahn warb im ZDF-„Morgenmagazin“ für die Nutzung der freiwilligen Anwendung. „Dieses Virus zu bekämpfen, es einzudämmen, ist ein Teamspiel“, sagte er. Die Corona-Warn-App nutze die Bluetooth-Low-Energy-Technik, um den Abstand und die Begegnungsdauer zwischen Personen zu messen, die die App installiert haben, erklärte die Bundesregierung, in deren Auftrag die App entwickelt wurde.

Mit Hilfe der Bluetooth-Technologie soll die Anwendung aufzeichnen, wann und wie lange sich jemand in der Nähe eines anderen Smartphone-Nutzers aufgehalten hat, der auf seinem Gerät ebenfalls die App aktiviert hat. Wird jemand positiv auf das Coronavirus getestet oder hatte er bedenklichen Kontakt zu einen Infizierten, kann er über die App anonym die Nutzer warnen, mit denen er Kontakt hatte. Die Daten sollen anonymisiert und dezentral verarbeitet werden.

Spahn sagte, er wäre froh, wenn in den kommenden Tagen „viele Hunderttausende, idealerweise viele Millionen“ die App herunterladen würden. „Jeder, der mitmacht, ist ein Gewinn für sich und andere.“ Jeder einzelne Schritt sei „freiwillig, und jeder Schritt ist gut geschützt“. Vorwürfe, die App komme zu spät, wies Spahn zurück. Sie komme „gerade rechtzeitig“ für die Phase der Lockerung.

Werben für Nutzung und Mahnung zur Sorgfalt

„Sie herunterzuladen und zu nutzen, ist ein kleiner Schritt für jeden von uns, aber ein großer Schritt für die Pandemiebekämpfung“, sagte Kanzleramtschef Helge Braun am Dienstag in Berlin. Sie sei nach den Vorbereitungen nicht die erste Corona-App weltweit, sie sei aber die beste, lobte der Kanzleramtschef. Die Bürger könnten sich auf hohe Standards beim Datenschutz verlassen.

Justizministerin Lambrecht sagte die Bürger müssten aufpassen, dass sie nicht versehentlich falsche Apps installieren, die ihre Daten abgreifen wollten. Wichtig sei, dass die Nutzer die Anwendung ausschließlich aus den offiziellen App-Stores von Apple und Google herunterladen. Der Link ist auch über www.bundesregierung.de aufrufbar.

Besorgt zeigte sich Lambrecht darüber, dass sich gesellschaftliche Nachteile für Bürger ergeben könnten, welche die App nicht nutzen wollen. Der Zugang etwa zu Geschäften und Restaurants dürfe unter keinen Umständen von der Nutzung der App abhängig gemacht werden. Die Verbrauchschutzministerin kündigte an, die Bundesregierung werde „genau hinschauen“, ob es zu derartigen Praktiken komme. Die Opposition forderte erneut ein ergänzendes Gesetz.

Ähnlich wie bei der „Stopp Corona-App“ in Österreich werden Kontaktdaten nicht zentral gespeichert, sondern nur auf den Smartphones. Die App-Entwicklung lief über die Deutsche Telekom und den Softwarekonzern SAP, die Kosten liegen bei 20 Millionen Euro.

EU: Apps sollen Daten untereinander austauschen können

Die verschiedenen Corona-Apps der EU-Staaten sollen künftig Informationen untereinander austauschen können und so die Kontaktverfolgung von Infizierten über Ländergrenzen hinweg möglich machen. Darauf einigten sich mehrere EU-Länder - darunter Österreich -, wie die EU-Kommission am Dienstag mitteilte. Dabei sind alle Länder, deren Apps auf eine dezentrale Speicherung der Daten setzen.

Neben Österreich sind das rund 15 andere EU-Länder, sowie Liechtenstein und Norwegen. Davon hat bisher allerdings nur ein kleiner Anteil seine Apps gestartet. EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton betonte: „Nun, da wir uns der Reisesaison nähern, ist es wichtig, sicherzustellen, dass Europäer die App ihres eigenen Landes benutzen können, wohin auch immer sie in der EU reisen.“ Kontaktverfolgungs-Apps könnten hilfreich sein, die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Stella Kyriakides rief die EU-Bürger dazu auf, diese Apps zu nutzen.

Nach Angaben der EU-Kommission haben sich die teilnehmenden Länder auf eine Reihe technischer Details geeinigt. Die französische und die ungarische App sind nicht dabei, weil sie die gesammelten Daten zentral auf einem Server speichern und nicht dezentral auf den Handys. Andere Länder haben sich dagegen entschieden, eine App zur Kontaktverfolgung einzusetzen, oder haben diese Entscheidung noch nicht getroffen.

Corona-Warnapp Smartphone Einkaufszentrum
Corona-Warn-Apps sollen dabei helfen, Infektionsketten frühzeitig zu erkennen und zu durchbrechen.
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