Justiz

Kepler Klinikum: Einigung mit entlassenem Herzchirurg

Eine Einigung gab es jetzt zwischen dem Kepler Klinikum in Linz und jenem Arzt, der Anfang Mai vor Ende einer Herzoperation Krankenhaus verlassen hatte, um in seine Privatordination zu fahren. Der Patient überlebte die Operation nicht. Als Konsequenz gab es für den Arzt die fristlose Entlassung, die gestern Abend allerdings zurückgenommen wurde. 

red/Agenturen

Der Herzchrirug hatte umgehend Klage gegen seine fristlose Entlassung eingereicht. Einerseits hätte eine Obduktion ergeben, dass das Verhalten des Arztes nicht in Zusammenhang mit dem Tod gestanden sei. Andererseits hätte eine Entlassung sofort erfolgen müssen.

Gestern Abend einigte man sich nun mit der Universitätsklinik auf eine „einvernehmliche Auflösung des Dienstverhältnisses mit 11.05.2020, dies aufgrund der langjährigen verdienstvollen Tätigkeit des Oberarztes in der Krankenanstalt und der letztlich gegebenen Einsicht, dass er während der Herzoperation die Krankenanstalt nicht hätte verlassen dürfen.“ so Anwalt Dorninger via Presseaussendung.

Ärztlicher Leiter sieht „massiven Vertrauensbruch“

Zur Vorgeschichte: Er hätte den OP-Saal nicht verlassen sollen, sagte der langjährige, renommierte Mediziner in einem Bericht der „Oberösterreichischen Nachrichten" und der „Kronen Zeitung". Dennoch stünde das Ableben des 77-Jährigen nicht im Zusammenhang mit seiner Abwesenheit, wie eine spitalsinterne Untersuchung ergeben habe. Der Anwalt des Arztes, Klaus Dorninger sah darin einen triftigen Grund, warum einerseits die Entlassung vor dem Arbeitsgericht nicht halte. Andererseits habe sein Mandant, für den die Unschuldsvermutung gilt, aus dem selben Grund auch vor den Ermittlung der Staatsanwaltschaft wegen grob fahrlässiger Tötung nichts zu befürchten.

Als Chirurg in Bereitschaft hätte er auch ablehnen können, als ihn daheim das Spital telefonisch über den anstehenden heiklen Eingriff bei einem Aortenriss informierte. Dem pflichtete Ferdinand Waldenberger, ärztlicher Leiter des KUK, auch bei. Dennoch trage er als Oberarzt ab der Zusage die volle Verantwortung für die Operation. Das Verhalten des Arztes sei laut Waldenberger ein „massiver Vertrauensbruch gegenüber dem Patienten und gegenüber dem Spital". Waldenberger selbst steht momentan in der Kritik, und zwar wegen seiner angeblich „fragwürdigen Führungsmethoden“, wie das Nachrichtenmagazin „profil“ berichtete.

Die Klinikleitung hatte den Oberarzt jedenfalls erst drei Tage nach dem Vorfall offiziell suspendiert und weitere drei Tage später erst entlassen. Darin sah Anwalt Dorninger einen Fehler, da eine Entlassung sofort hätte erfolgen müssen. Laut KUK-Leiter Waldenberger habe man die Entlassung erst am Montag ausgesprochen, um dem Mediziner Gelegenheit für eine ausführliche Stellungnahme zu geben, die er am Wochenende verfasst hatte.

 

WEITERLESEN: