Wie Forscher mit Flugdrohnen Malariaüberträger zurückdrängen

Dem Malaria-Erreger und anderen durch Stechmücken übertragenen Krankheiten fallen jährlich über eine Million Menschen zum Opfer. Ein Eindämmungsansatz ist es, sterile Männchen auszusetzen, um die Insekten zurückzudrängen. Ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung hat nun gezeigt, wie man das erfolgreich mit Flugdrohnen bewerkstelligen kann.

red/Agenturen

Bei der Kontrolle der Virusverbreitung wurde in den vergangenen Jahrzehnten schon viel versucht, der Effekt etwa von Kampagnen mit Insektenvertilgungsmitteln ließ bisher aber eher zu wünschen übrig. Seit einigen Jahren denkt man verstärkt über Ansätze nach, bei denen durch das kontinuierliche Aussetzen von zuvor durch Strahlung sterilisierten männlichen Steckmücken der Erreger zurückgedrängt wird (Sterile Insect Technique - SIT). Diese Tiere paaren sich nämlich trotzdem mit den Weibchen, produzieren dabei aber keine überlebensfähigen Nachkommen und die Mücken-Anzahl schrumpft mit der Zeit.

Allerdings gebe es bei vielen Stechmücken noch kaum tragfähige und kostengünstige Lösungen dafür, wie man die benötigten fortpflanzungsunfähigen männlichen Insekten so unter die Weibchen bringt, dass der gewünschte Effekt eintritt, schreibt das Wissenschafterteam im Fachblatt „Science Robotics“, das von Forschern vom Labor für Schädlingsbekämpfung (Insect Pest Control Laboratory) der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Seibersdorf (NÖ) und der Welternährungsorganisation FAO angeführt wurde. Bisher habe sich das gleichmäßige Verteilen der Tiere in der Luft als „Flaschenhals“ für SIT-Ansätze erwiesen, so der Erstautor der Studie, Jeremy Bouyer, in einem Statement gegenüber dem Fachblatt. Bouyer arbeitet in der von der IAEA und FAO gemeinsam betriebenen Forschungseinrichtung in Niederösterreich.

Drohnen-Einsatz gegen Stechmücken-Plage

Mit Hilfe einer Helikopter-Drohne, an der neben einer Kamera und Sensoren auch ein Behälter mit jeweils bis zu 50.000 sterilen Männchen der Stechmückenart Aedes aegypti angebracht war, gingen die Forscher daran, ihre automatische Methode zum Aussetzen der Tiere umzusetzen. Das taten sie in einem ländlichen Gebiet im östlichen Brasilien. Insgesamt setzten sie über 200.000 Individuen in unterschiedlichen Flughöhen und auf unterschiedlichen Flugrouten aus. In der Folge sammelten die Wissenschafter abgelegte Eier in dem Gebiet und analysierten diese.

Dabei zeigte sich, dass der Anteil an nicht lebensfähigen Eiern gegenüber der gleichen Stechmückenpopulation in einem angrenzenden Gebiet um über 50 Prozent erhöht war. Das sei ein Hinweis darauf, dass die mit der Drohne ausgebrachten sterilisierten Tiere hinsichtlich ihrer Attraktivität zur Fortpflanzung den potenten Konkurrenten offenbar um nichts nachstanden, so die Forscher. Die Verbreitung der Insekten könne so also eingedämmt werden.

Für Bouyer stellt die Arbeit einen „großen Durchbruch“ im Einsatz von SIT auf dem Gebiet der Stechmückenkontrolle dar. Es seien zwar noch einige Fragen zu klären und es brauche etwa auch noch leichtere Drohnensysteme - die Vorgehensweise funktioniere aber und sei günstiger und erfolgsversprechender als etwa das Verteilen der Insekten am Boden. Die Entwicklung solcher Ansätze sei vielversprechend hinsichtlich der Bekämpfung vieler durch Stechmücken übertragener Krankheiten, wie etwa Dengue, Zika, Chikungunya oder Gelbfieber, konstatierte auch Eric Rasmussen von der University of Washington (USA) in einem Kommentar zu der Arbeit von Bouyer und Kollegen.

Drohne Flugdrohne
Mit Hilfe von Drohnen werden sterilisierte männliche Stechmücken ausgesetzt.
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