Etwas weniger Organtransplantationen in Österreich

Die Zahl der Organtransplantationen ist im vergangenen Jahr in Österreich etwas gesunken. Das geht aus dem am Donnerstag vom Koordinationsbüro für das Transplantationswesen bei der Österreich GmbH (GÖG) veröffentlichten Bericht für das Jahr 2019 hervor.

red/Agenturen

Im internationalen Vergleich befindet sich Österreich weiterhin an vorderer Stelle, was die lebensrettenden Eingriffe betrifft.“

2019 wurden in Österreich 720 Organtransplantationen durchgeführt (2018: 795). Davon wurden 630 (2018: 718) Transplantationen mit Organen Verstorbener durchgeführt, während 90 (2018: 77) transplantierte Organe von Lebendspendern stammten. Die Anzahl der Transplantationen pro Organ entspricht in etwa den durchschnittlichen Werten der letzten Jahre abgesehen von Nieren- und Pankreastransplantationen, deren Frequenzen deutlich zurückgegangen sind“, stellten die Experten fest.

Eine einzelne Ursache für die beobachtete Entwicklung lässt sich offenbar nicht identifizieren. Ein positiver Aspekt: Bei Kindern wurden seit dem Jahr 1971 bis Ende 2019 in Österreich insgesamt bereits 1.187 Organtransplantationen durchgeführt, wobei die Anzahl der Transplantationen in diesem Bereich in den Jahren 2008 bis 2018 konstant zwischen 30 und 40 pro Jahr lag. Im Jahr 2019 lag Österreich mit 49 Organtransplantationen bei Kindern über diesem Schnitt.

Im internationalen Vergleich der Spende- und Transplantationszahlen (Datenbasis 2018) liege Österreich dennoch im Spitzenfeld. Bei Lungentransplantationen hat Österreich, bezogen auf die Vergleichsländer die beispielsweise die höchste Frequenz pro Million Einwohner aufzuweisen (12,9/Million Einwohner).

Im Jahr 2019 wurden in Österreich 344 verstorbene Personen als potenzielle Organspenderinnen bzw. Organspender gemeldet, bei 180 davon wurde in der Folge die Organtransplantation auch durchgeführt. Im Vergleich dazu gab es im Vorjahr 349 potenzielle und 202 realisierte Organspenden. Pro Million Einwohner ging die Anzahl an Spendern von 22,9 im Jahr 2018 auf 20,3 im Jahr 2019 zurück. In vergleichbaren Ländern weist beispielsweise Belgien eine Organspenderhäufigkeit von etwa 27 pro Million Einwohner auf, Kroatien eine von etwa 30 pro Million Einwohner und Jahr. Deutschland ist mit einem Wert zwischen zehn und elf weit abgeschlagen.

852 Patienten 2019 in Österreich auf den Wartelisten für ein geeignetes Organ

Regional gab es in Österreich die meisten Organspender mit 35,7 pro Million Einwohner im Bundesland Kärnten, Salzburg mit 34,2 und die Steiermark mit 23,3 pro Million Menschen folgten.

Ende 2019 befanden sich insgesamt 852 Patienten in Österreich auf den Wartelisten für ein geeignetes Organ, im Vergleich zum Jahr davor waren es um drei Prozent mehr. „Die Wartezeit bis zur Identifizierung eines geeigneten Spenderorgans ist von Organ zu Organ verschieden. Während man auf eine Niere im Median 37,3 Monate wartet, liegen die Wartezeiten bei Herz (Median 3,3 Monate), Lunge (Median 3,9 Monate) und Leber (Median 1,6 Monate) weit unter einem Jahr. Die medianen Wartezeiten haben sich bei allen Organen gegenüber dem Vorjahr geringfügig verkürzt“, stellten die Autoren fest.

2019 ließen sich insgesamt 5.534 Personen in das seit 1995 existierende Organspende-Widerspruchsregister eintragen, 135 Personen daraus streichen. Die Gesamtzahl der per Ende 2018 als aktiv widersprechend eingetragenen Personen - abzüglich Streichungen und Todesfällen - betrage somit 49.774 Personen.

Im Jahr 2019 waren insgesamt rund 90.400 Stammzellspender im österreichischen Stammzellregister erfasst. Durch die internationale Vernetzung mit anderen Registern stehen derzeit weltweit rund 35,8 Millionen Stammzellspender zur Verfügung. Diese Therapie ist beispielsweise bei Leukämien oft lebensrettend. Für rund 90 Prozent der Patienten ohne passende Geschwisterspender konnte im Jahr 2019 ein Fremdspender gefunden werden. Die durchschnittliche Suchdauer bis zur Identifizierung einer passenden nichtverwandten Spenderin bzw. eines passenden nichtverwandten Spenders lag im Jahr 2019 bei durchschnittlich 27 Tagen.

2019 wurden insgesamt 630 Stammzelltransplantationen durchgeführt, im Vergleich zum Jahr davor stellte das einen Anstieg um rund 7,6 Prozent dar (https://transplant.goeg.at/Jahresbericht2019).

Vergangenen Oktober wurden in manchen Medien schwere Vorwürfe gegen das Lungentransplantationsprogramm am Wiener AKH (MedUni Wien) geäußert. Es handelt sich um eines der weltweit größten spezialisierten Zentren auf diesem Gebiet. Eine von MedUni Wien und AKH eingesetzte internationale Audit-Kommission fand schließlich „keine Hinweise auf systematische Fehler“. Es sei zu keinen Manipulationen oder Benachteiligungen österreichischer Patienten durch die umfangreichen internationalen Kooperationen und Hilfestellungen für Zentren im Ausland gekommen.