Coronakrise

Berlin und Göttingen im Zentrum neuer Ausbrüche

Die Zahl der Corona-Infektionen in den unter Quarantäne gestellten Wohnblöcken in Berlin-Neukölln ist weiter gestiegen. Dem Ausbruch werden nun 85 Fälle zugerechnet, wie der Bezirk gestern mitteilte. Auch in Göttingen wurde ein kompletter Hochhauskomplex unter Quarantäne gestellt. Von der Maßnahme seien knapp 700 Menschen betroffen.

red/Agenturen

75 Kisten mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln seien zur Versorgung erster betroffener Haushalte in  Berlin verteilt worden. Mit einem weiteren Anstieg der Fallzahl wird gerechnet, da noch Tests bei Bewohnern der betroffenen Häuser laufen. Bisher wurden in dem Zusammenhang laut Bezirksstatistik 440 Tests vorgenommen. Neukölln hat knapp 370 Haushalte an sieben Standorten unter Quarantäne gestellt, um eine Ausbreitung von Sars-CoV-2 zu verhindern. Pro Haushalt leben einer bis zehn Bewohner - die genaue Zahl der Betroffenen ist nach Bezirksangaben unbekannt.

Aufgefallen war der Ausbruch am 5. Juni. Vermutet wird, dass er in Zusammenhang mit einer christlichen Gemeinde steht, deren Pfarrer an Covid-19 erkrankte. Unter den Gemeindemitgliedern seien zahlreiche Infizierte, sie hätten auch an einem Gottesdienst teilgenommen, hieß es.

Einen weiteren massiven Corona-Ausbruch haben die deutschen Behörden im niedersächsischen Göttingen festgestellt, dort wurde ein kompletter Hochhauskomplex unter Quarantäne gestellt. Von der Maßnahme seien knapp 700 Menschen betroffen, teilte die Stadtverwaltung am Donnerstag mit. Aus ersten Testergebnissen gehe bereits hervor, dass sich etwa hundert Bewohner infiziert hätten.

In dem Gebäudekomplex gebe es zudem „zahlreiche Kontaktpersonen und Querkontakte“ der Betroffenen. Der städtische Krisenstab habe deshalb nach intensiven Abwägungen trotz des damit einhergehenden „massiven Eingriffs in Grundrechte“ entschieden, eine einwöchige Komplettquarantäne bis zum kommenden Donnerstag zu verhängen. Dies sei notwendig, um Infektionsketten zu unterbrechen. Für die Bewohner werde unter anderem ein mobiles medizinisches Versorgungszentrum aufgebaut. Auch eine Anlaufstelle für Informationen samt Dolmetschern werde vor Ort eingerichtet.

Das massive Infektionsgeschehen in dem Hochhauskomplex war durch Tests an zwei Bewohnerinnen entdeckt worden, bei denen im Rahmen einer Routineuntersuchung in einem Krankenhaus ein Ansteckung mit Corona festgestellt worden war. Daraufhin starteten Reihentests.

R-Wert bei 0,86

Bereits vor knapp zwei Wochen hatte Göttingen mit einem massiven Corona-Ausbruch in einem anderen Hochhauskomplex zu kämpfen. Dort hatten sich rund hundert Menschen mit dem Virus angesteckt, weitere etwa 200 Menschen mussten sich als Kontaktpersonen in Quarantäne begeben. Alle Schulen wurden vorübergehend wieder geschlossen. Auf die Verhängung einer Komplettquarantäne wurde aber noch verzichtet. Anfang der Woche wurde ein ähnlicher Fall zudem aus dem Berliner Bezirk Neukölln vermeldet, wo sich ebenfalls ein lokaler Hotspot gebildet hatte.

Nach einem Corona-Ausbruch beim Schlachtereibetrieb Tönnies in Nordrhein-Westfalen gibt es dort außerdem 730 registrierte Neuinfektionen, teilte ein Sprecher des Kreises Gütersloh am Donnerstag mit. Am Vorabend lag dieser Wert noch bei 657. Ausgewertet wurden 1.106 Ergebnisse eines von den Behörden angeordneten Reihentests, der am Donnerstag fortgesetzt wurde. Im Tönnies-Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück müssen in den nächsten Tagen noch rund 5.300 Mitarbeiter getestet werden.

Innerhalb von 24 Stunden haben die Gesundheitsämter in Deutschland dem Robert Koch-Institut (RKI) 770 neue Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Damit haben sich seit Beginn der Corona-Krise 188.534 Menschen in Deutschland nachweislich mit Sars-CoV-2 angesteckt, wie das RKI am Freitagmorgen meldete.

8.872 mit dem Virus infizierte Menschen starben nach RKI-Angaben in Deutschland - das bedeutet ein Plus von 16 im Vergleich zum Vortag. Etwa 174.400 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden. Das sind 400 mehr als noch einen Tag zuvor.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 18.6., 0 Uhr, unverändert bei 0,86 und damit unter der kritischen Marke von 1,0. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel weniger als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Seit Mitte Mai gibt das RKI zudem ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen.

 

 

 

 

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