Prozess um tödlichen Appetitzügler - Millionenstrafe gefordert

Mehr als 500 Menschen sollen nach der Einnahme des Appetitzüglers Mediator in Frankreich gestorben sein - nun hat die Pariser Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe von mehr als acht Millionen Euro gegen das Pharmaunternehmen Servier gefordert. Dem früheren Vize-Konzernchef Jean-Philippe Seta drohen drei Jahre Gefängnis.

red/Agenturen

Die französische Arzneimittelbehörde soll zudem 200.000 Euro zahlen, weil sie das Mittel zu spät vom Markt nahm. In dem Strafprozess mit 2.600 angeschlossenen Zivilklägern sprach Staatsanwältin Aude Le Guilcher am Dienstagabend von einer „extremen Schwere“ der Vergehen. Servier wird vorgeworfen, die Risiken von Mediator verschwiegen zu haben. Das Medikament wurde mehr als drei Jahrzehnte lang in Frankreich von Millionen Menschen zum Abnehmen genutzt.

Mediator wurde erst 2009 vom Markt genommen, obwohl es schon Mitte der 1990er-Jahre Anzeichen für schwere Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen gab. Der Pharmakonzern Servier gibt an, vor 2009 nicht von den Risiken gewusst zu haben. In den USA, Spanien und Italien hatten die Behörden Mediator bereits Jahre zuvor verboten. In Österreich war das Medikament nie zugelassen.

Der Prozess läuft noch bis zum 6. Juli. Das Urteil wird erst im kommenden Jahr erwartet.