Covid-19 und Lungenkrebs: Behandlungen nicht abbrechen

Lungenkrebskranke gehören im Zusammenhang mit dem Coronavirus zur Hochrisikogruppe. Zielgerichtete Therapien, Immuntherapie und Strahlentherapie führen aber nicht zu einem erhöhten Sterberisiko durch Covid-19, sagte der Lungenkrebsspezialist Maximilian Hochmair. Die Behandlung solle daher unbedingt fortgesetzt werden.

red/Agenturen

Frühe Berichte über Krebspatienten mit einer SARS-CoV-2-Infektion ließen auf eine hohe Sterblichkeitsrate im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung schließen. Mit der Beobachtungsstudie Teravolt wird dies an Lungenkrebspatienten überprüft. Sie soll bis zum Ende der Pandemie laufen. Erste Daten von rund 400 Patienten der in „The Lancet Oncology“ publizierten Untersuchung zeigen nun, dass rund ein Drittel der Kranken, die zusätzlich an Covid-19 litten, starb, ein Drittel ist wieder genesen und ein weiteres Drittel verblieb in stationärer Behandlung.

Auch wenn die Mortalität im österreichischen Gesundheitssystem sicher nicht so hoch sei, gehören Lungenkrebspatienten „im Hinblick auf die Covid-19-Erkrankung zu einer absoluten Hochrisikogruppe“, betonte Hochmair. Sie und Personen, die mit ihnen in einem Haushalt leben, sollten sich besonders gut vor einer Infektion schützen.

Zunächst sei vermutet worden, dass eine Krebstherapie bei Covid-19 den Verlauf der Erkrankung dramatisch verschlechtern könnte. „Die verfügbaren Daten zeigen aber: Zielgerichtete Therapien, Immuntherapie und auch Strahlentherapie führen nicht zu einem erhöhten Risiko, an Covid-19 zu versterben“, sagte Hochmair. Bei Chemo- oder Kortisontherapie hingegen gelte es genau abzuwägen. Hier gebe es Faktoren, die zu einem schwereren Verlauf von Covid-19 führen können.

Behandlungsabbruch lebensbedrohlich

Daten von früheren Studien zeigten weiters, dass ein Behandlungsabbruch lebensbedrohlich sein könne. „Ein Drittel jener Patienten, die eine zielgerichtete Therapie bekamen und dann damit aufhörten, weil sie zum Beispiel befürchteten, aufgrund der Pandemie nicht gut versorgt zu sein, oder Angst hatten, ins Krankenhaus zu gehen, erfuhren eine 'Tumorexplosion'. Das heißt, das Tumorwachstum wurde so vehement, dass es nicht mehr aufzuhalten war“, erläuterte Hochmair.

Auch bei Abbruch der Immuntherapie zeigte sich, dass der Verlauf wesentlich schlechter war als bei Patienten, die die Behandlung fortsetzten. „Wir müssen also immer ganz genau abwägen. Die Lungenkrebstherapie aus Furcht vor Covid-19 abzubrechen, ist eindeutig keine optimale Lösung.“

Bei Symptomen sollte trotz Pandemie unbedingt ein Lungenfacharzt aufgesucht werden, appellierte Hochmair, Leiter des Arbeitskreises Pneumologische Onkologie der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP), anlässlich des Welt-Lungenkrebstages am 1. August. „Lungenkrebs ist, wenn wir ihn nicht diagnostizieren und behandeln, deutlich gefährlicher als Covid-19.“