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Deutschland

Kostenlose Corona-Tests für Reiserückkehrer

Im Kampf gegen eine Ausbreitung des Coronavirus über die Sommerreisezeit laufen auf breiter Front freiwillige Tests in Deutschland an Urlaubsrückkehrern an. Von Teststationen wird wachsender Andrang gemeldet.

red/Agenturen

An bayerischen Stationen etwa haben sich bisher rund 18.000 Urlauber auf das Coronavirus testen lassen, wie es in München hieß. Am Flughafen Hannover hat die Nachfrage nach freiwilligen Tests für Reisende, die nicht in einem Risikogebiet waren, nach Angaben der Betreiber zugenommen. Am Frankfurter Flughafen haben sich an dem schon länger geöffneten Testzentrum bisher mehr als 40.000 Menschen testen lassen, wie es von Deutschlands größtem Airport hieß.

Seit Samstag können sich alle Einreisenden innerhalb von 72 Stunden nach der Ankunft in Deutschland auch ohne Krankheitsanzeichen kostenlos testen lassen. Das legt eine Verordnung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) fest. Die Tests sollen zum Beispiel in Teststellen an Flughäfen, in Gesundheitsämtern und Arztpraxen möglich sein. Die Kosten trägt letztlich der deutsche Staat.

Spahn rief dazu auf, die neuen Testmöglichkeiten zu nutzen. „Wer von einer Reise zurückkommt, sollte sich testen lassen - freiwillig und kostenlos.“ Die steigenden Infektionszahlen seien ein Warnsignal.

Flughafen Hannover: Plus 30 Prozent Testnutzung

Auf dem Frankfurter Flughafen liegt die Zahl der täglichen Testungen nach Angaben der Betreiber inzwischen bei knapp 2.000: „Wir verzeichnen kontinuierlich steigende Zahlen.“ Ende Juni wurde dort das kommerzielle Zentrum eröffnet - es soll nicht das einzige bleiben. An dem Flughafen ist zudem ein Zentrum für kostenlose Tests im Aufbau. Am Flughafen Hannover sei die Zahl der Nutzer alleine am Samstag bereits um etwa 30 Prozent im Vergleich zu den Vortagen gestiegen, wie die Betreiber mitteilten. Aufgrund der aktualisierten Corona-Verordnung häufe sich die Nachfrage nach Tests auch von Menschen, die gar nicht mit dem Flugzeug gereist seien.

Auf den Flughäfen im Bundesland Sachsen sind am Wochenende die ersten Corona-Tests für Reiserückkehrer gestartet. Wie viele Urlauber sich untersuchen ließen, könne sie noch nicht sagen, aber die Angebote seien definitiv angenommen worden, hieß es im Landes-Sozialministerium in Dresden.

Kostenfreie Tests können innerhalb von 72 Stunden nach der Einreise gemacht werden - die Zeitspanne entspricht drei Tagen. Möglich sein sollen sie etwa auf Flughäfen, Bahnhöfen und anderen Reiseknotenpunkten, in Gesundheitsämtern oder Arztpraxen.

Übernommen werden auch die Kosten für einen Wiederholungstest pro Person. Dass man ein Reiserückkehrer ist, kann man zum Beispiel durch einen Boarding-Pass, ein Ticket, eine Hotelrechnung oder andere Nachweise eines Auslandsaufenthalts belegen. Je nach Auslastung der Testzentren sollte das Ergebnis nach etwa 24 bis 48 Stunden vorliegen, erläuterte das Gesundheitsministerium.

Staatliche Finanzierung umstritten

Bezahlt werden die Tests zunächst von den gesetzlichen Krankenversicherungen - das Gesundheitsministerium hat aber bereits signalisiert, dass der Bund die Finanzierung am Ende über einen schon beschlossenen höheren Milliardenzuschuss an die Kassen übernimmt. Pro Test setzt die Verordnung vorerst 50,50 Euro für Laborleistungen an, für Ärzte ist eine pauschale Vergütung von 15 Euro vorgesehen. An der Finanzierung der Tests auf Steuerzahlerkosten gibt es Kritik. Spahn argumentiert dagegen, dass niemand aus finanziellen Gründen darauf verzichten sollte. Unentdeckte Infektionen könnten teurer werden.

Der Deutsche Hausärzteverband warnte vor erheblichem Aufwand bei der Umsetzung, wenn nun viele Reiserückkehrer mit einer 72-Stunden-Frist für Tests in die Praxen kommen. Im günstigsten Falle kriege ein Arzt Patienten noch irgendwo unter, sagte der Vorsitzende Ulrich Weigeldt. „Dann heißt es Schutzausrüstung anziehen, Abstrich nehmen und Aufklärungsgespräch über Hygienemaßnahmen, Validität der Tests und deren Konsequenz führen.“ Da wirkten die 15 Euro, die Hausärzte für einen Abstrich bekommen sollen, „wie ein schlechter Scherz“.

Testpflicht für Heimkehrer aus Risikogebieten

Strengere Regeln gelten schon für jene Reiserückkehrer, die in Risikogebieten mit hohen Infektionszahlen waren. Welche Länder das sind, steht auf einer Liste des in Deutschland für die Seuchenbekämpfung zuständigen Robert-Koch-Instituts (RKI), auf die am Freitag auch die drei spanischen Regionen Aragon, Katalonien und Navarra kamen. Aus der EU steht zudem Luxemburg darauf. Wer aus solchen Risikogebieten kommt, muss sich schon direkt für 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben und beim Gesundheitsamt melden. Möglich ist auch, ein negatives Testergebnis vorzulegen, das höchstens 48 Stunden alt ist.

Bald soll für Rückkehrer aus Risikogebieten auch eine Testpflicht greifen - eine von Spahn angekündigte Anordnung soll im Lauf der kommenden Woche in Kraft treten. Dann soll gelten: Wer aus einem Risikogebiet kommt, muss sich entweder innerhalb von 48 Stunden vor der Einreise testen lassen oder binnen 72 Stunden nach der Einreise. Bis ein negatives Ergebnis da ist, muss man in Deutschland in häusliche Quarantäne. Nachgewiesen werden muss das Ergebnis binnen 72 Stunden beim Gesundheitsamt mit einer Testbescheinigung in deutscher oder englischer Sprache.

PEI: Imfpstoff „zeitnah möglich“

Zuversichtlich hinsichtlich eines Impfstoffes zeigte sich unterdessen der Präsident des deutschen Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek. Er ist optimistisch, dass es zeitnah eine Impfstoff gegen das Coronavirus geben wird. „Wir haben aus den ersten klinischen Prüfungen Ergebnisse erhalten, die zeigen, dass einige Impfstoffe tatsächlich eine spezifische Immunreaktion beim Menschen gegen SARS-CoV-2 erzeugen können“, sagte Cichutek Sonntagabend im ZDF.

„Das sind sehr gute Neuigkeiten“, erklärte der Experte. Weltweit gebe es schon 140 bis 150 Impfstoffprojekte in diesem Bereich. Es liefen derzeit 26 klinische Prüfungen. Sechs davon befinden sich laut Cichutek schon in einem Stadium, in dem nun statistisch signifikante Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten erhoben würden. Das Paul-Ehrlich-Institut ist in Deutschland für die Genehmigung der klinischen Prüfung und Zulassung Arzneimitteln zuständig.

 

Deutschland Deutsche Flagge
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