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Coronavirus

Wien fordert Verschärfung der Maßnahmen

Wien fordert angesichts der stark steigenden Coronavirus-Fälle die Wiedereinführung von strengeren Maßnahmen. Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) hat am Donnerstag im Gespräch mit der APA angekündigt, dies mit dem Bund zu besprechen. Nötig seien entweder neue bundesweite Regelungen oder die Möglichkeit, regional Maßnahmen zu verhängen, erklärte er.

red/Agenturen

Welche Verschärfungen er als sinnvoll erachtet, wird der Stadtrat morgen, Freitag, nach dem Gespräch berichten, wie er ankündigte. Er deutete jedoch an, dass es zusätzliche Verpflichtungen zum Tragen des Mund-Nasen-Schutzes sowie neue Bestimmungen bei der Höchstzahl von Menschen in Innenräumen oder auch bei Veranstaltungen im Freien geben könnte.

In Wien sind die Zahlen binnen 24 Stunden wieder um 387 Fälle angestiegen - auf insgesamt 9.946 bisher bestätigte Infektionen. Die Zahl der mit dem Virus in Zusammenhang stehenden Todesfälle beträgt 224. Ein 77-jähriger Mann ist verstorben. 7.137 Personen sind wieder genesen.

Damit gab es die meisten Neuinfektionen in Wien, gefolgt von Niederösterreich mit 94, Tirol mit 64 und Oberösterreich mit 50 Fällen. In der Steiermark fielen 31, im Burgenland 13, in Vorarlberg elf, in Salzburg neun und in Kärnten fünf Corona-Tests positiv aus.

Hacker: Einige „Spielregeln“ wieder nötig

Die Fallzahlen würden im urbanen Raum, also nicht nur in Wien, unmissverständlich nach oben gehen, warnte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) im APA-Gespräch. Darum sei es nötig, die Maßnahmen wieder zu verschärfen: „Wir brauchen einige Spielregeln wieder.“ Wien sei jedoch im „juristischen Dilemma“, die Vorkehrungen nicht selbst treffen zu können.

Möglich wäre laut dem Stadtrat etwa, dass in die jeweiligen Verordnungen ein Passus eingefügt wird, dass abweichende regionale Regelungen getroffen werden können. Hacker wünscht jedenfalls, zusätzliche Maßnahmen abseits des Familienverbands zu schaffen, wie er betonte. Die neue strengeren Maßnahmen sollen also für den Handel oder für allgemein zugängliche Innenräume, aber auch für Zusammenkünfte im Freien getroffen werden.

Mit der Entwicklung der Corona-Ampel sei er nun zufrieden, versicherte der Ressortchef. Denn es seien nach Arbeitsgesprächen mit dem Bund zusätzliche Paramenter eingefügt worden. Berücksichtigt würden nun etwa auch die unterschiedlichen Teststrategien. Wien testet etwa Kontaktpersonen systematisch - womit auch Fälle ohne Symptome aufgedeckt werden, wie im Rathaus betont wird.

Hacker beteuerte, dass er davon nicht abrücken wolle - auch wenn die Fallzahlen dann rasch sinken würden. Denn dies würde bedeuten, dass viele Infektionen unentdeckt blieben. Er wisse noch nicht, ob die Ampel morgen, Freitag, auf Gelb oder Orange stehen werde, sagte Hacker: „Ich bin auch mit Orange einverstanden. Das soll ja kein Larifariinstrument sein.“

Das Corona-Hickhack zwischen dem türkisen Part der Bundesregierung und dem roten Teil der Wiener Stadtregierung geht weiter. Gesundheitsstadtrat Peter Hacker wirft Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) nach dessen Kritik Wahlkampf als Intention vor: „Nehammer kann's nicht lassen“, ärgerte sich Hacker am Donnerstag im APA-Gespräch. „Offenbar ist er schon im Wahlkampffieber.“

Man setze extra eine fachliche Ampel-Kommission ein, und vor deren Sitzung kommen politische Kommentare dazu, kritisierte Hacker. Wien habe die Empfehlungen der Kommission immer akzeptiert und nur die österreichweite Balance infrage gestellt. Er vertraue weiter auf eine fachliche Beurteilung der Kommission, sagte Hacker. „Ich fürchte mich auch nicht vor orange.“ Schließlich gehe es darum, intelligente gesundheitspolitische Maßnahmen zu setzen und nicht darum, „parteipolitische Schulnoten“ zu verteilen. „Der Virus kennt kein Parteibuch.“

Unterdessen wurden in Wien wenige Tage nach Schulbeginn auch einige Fälle in Schulen bekannt. So sollen laut einem „Heute"-Bericht in Hernals zwei Klassen wegen Verdachtsfällen nach Hause geschickt worden sein. In einem weiteren Fall soll ein getesteter Schüler vor vorliegend des Testergebnisses in die Schule gekommen sein. Da er positiv war mussten sich laut dem Bericht die Klassenkollegen bzw. die Lehrer in Quarantäne begeben.

664 Neuinfektionen in Österreich innerhalb 24 Stunden

Der Anstieg der Corona-Neuinfektionen in Österreich ist weiterhin besorgniserregend. Von Mittwoch auf Donnerstag wurden 664 Menschen positiv auf Covid-19 getestet. In den vergangenen Tagen waren die Zahlen ebenfalls hoch mit 502 bzw. 520. Am Freitag wird die Regierung bei einer Pressekonferenz erneut die Risikogebiete mittels Ampelsystem präsentieren.

Laut den Zahlen aus dem Innenministerium (Stand 9.30 Uhr) sind aktuell 4.456 Menschen in Österreich mit SARS-CoV-2 infiziert. 748 Personen sind mit oder an den Folgen des Coronavirus verstorben und 26.043 sind wieder genesen. Auch die Zahl der Menschen, die wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden müssen, ist von 197 auf 205 angestiegen. Davon müssen 39 Menschen auf der Intensivstation behandelt werden. Das sind um drei mehr als am Vortag. Bisher gab es in Österreich 31.247 positive Testergebnisse.

Land NÖ sieht Häufungen in Bezirken um Wien

Im Land Niederösterreich wird der Anstieg der bestätigten Coronavirus-Infektionen um 95 (statt 94, Korrektur in der Zuordnung, Anm.) binnen 24 Stunden auf drei Faktoren zurückgeführt. Es gebe Häufungen in Bezirken um Wien, hinzu kämen Reiserückkehrer und nun auch Schüler, sagte ein Sprecher von Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) am Donnerstag auf APA-Anfrage.

Was Letztere angeht, sind laut dem Sanitätsstab des Landes weitere Abklärungen im Gang. Infizierte Reiserückkehrer seien nicht vorwiegend aus bestimmten Destinationen, sondern „breit gefächert“ aus verschiedenen Ländern nach Hause gekommen. Das Virus werde in den privaten Bereich getragen, wo sich kleine Cluster bilden würden.

Wenige Tage nach dem Start ins Schuljahr appellierten indes Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko und Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (beide ÖVP) an alle Öffi-Nutzer in Niederösterreich. „Egal ob Pendlerinnen und Pendler oder Schülerinnen und Schüler: Die Einhaltung der Maskenpflicht ist entscheidend für die öffentliche Gesundheit. Der Schulweg mit Bus und Bahn ist vor allem dann sicher, wenn sich alle an die geltenden Regeln halten.“ Dass Eltern in den vergangenen Tagen vereinzelt von mangelnder Einhaltung berichtet hätten, sei der Grund für den Aufruf.

Anschober wartet auf Kommission, Kanzler drängt

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) will die aktuellsten Corona-Zahlen nicht kommentieren, sondern verweist auf die Sitzung der Ampel-Kommission am heutigen Donnerstag. Am morgigen Freitag wird dann veröffentlicht, wie Wien und die restlichen Gebiete bewertet werden. Am frühen Vormittag hatte Anschober aber bekräftigt, dass er derzeit nicht mit „orange“ rechne.

Der Gesundheitsminister äußerte sich bei einem Hintergrundgespräch mit Journalisten Donnerstagvormittag nur zurückhaltend. Gefragt, ob er damit rechne, dass weitere Bezirke und Städte auf „gelb“ und Wien gar auf „orange“ geschaltet werden, betonte er, er wolle der Kommission nicht vorgreifen. Die Sitzung werde wohl bis tief in den Abend dauern. Aber, so Anschober, noch kurz bevor die aktuellsten Zahlen veröffentlicht wurden: „Ich habe derzeit keine Indizien, dass es in Richtung orange geht.“

Was die Kommission am Abend beschließt, sei wie ein „Sachverständigengutachten“ für die politische Entscheidungen, die dann getroffen werden, erklärte Anschober. Die Empfehlungen der Kommission bespreche er innerhalb der Regierung, das sei „keine Solo-Entscheidung“ des Gesundheitsministers, unterstrich Anschober. Jeden Freitag um 11.00 Uhr, so auch morgen, gibt es dann eine Pressekonferenz.

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PID Bohmann